Quantitative vs. Qualitative Methoden
Definition der Begriffe Methode, Qualität und Quantität aus etymologischer Sicht
Methode: planmäßiges, folgerichtiges Verfahren, Vorgehen, Handeln (Arbeits-, Lehr-), eine wissenschaftliche – anwenden, einführen, entwickeln; er hat - (in seiner Arbeit) er geht planmäßig vor;
[grch. methodos „Gang einer Untersuchung“, eigtl. „das Nachgehen, der Weg zu etwas hin“; zu meta „ nach, hinter“ hodos „Weg“]
Qualität: (Art, Beschaffenheit, Brauchbarkeit, Sorte, Güte, Wertstufe, Eigenschaft, Fähigkeit) ausgezeichnete, sorgfältige Arbeit, Wertarbeit
lat. qualitas „Beschaffenheit, Verhältnis, Eigenschaft“
Quantität : Menge, Masse, Größe, Umfang; Anzahl
lat. quantitas „Größe, Menge, Masse, …“
(vgl. Wahrig, Gerhard 1994)
Unterschied zwischen quantitativen und qualitativen Forschungsmethoden
Beide Methoden verwendet man zur Datenerhebung und Datenauswertung.
Bei den quantitativen Methoden geht es um die Darstellung der zahlenmäßigen Ausprägung eines Phänomens, bei den qualitativen um das Verstehen der Hintergründe und Zusammenhänge eines Phänomens aus der Sicht der involvierten Personen.
(vgl.http://imihome.imi.uni-karlsruhe.de/nquantitative_vs_qualitative_methode_meth.html Stand: 02-04-2008)
Um zu wissen, nach welcher Methode ich empirisch arbeiten soll, muss ich mir überlegen, zu welchem Zweck ich Daten erheben und auswerten möchte, also wozu ich eigentlich empirisch arbeite:
Tue ich dies, um neue Hypothesen oder eine neue Theorie zu entwickeln, dann werde ich qualitativ vorgehen, demnach qualitative Methoden verwenden.
Arbeite ich hingegen empirisch, um eine Theorie zu bestätigen oder zu widerlegen, dann werde ich im Regelfall quantitativ vorgehen, demnach quantitative Methoden verwenden.
„Qualitative Sozialforschung ist eher hyopthesengenerierend.“ (Hug S. 2001, S.32 ff)
Qualitative empirische Forschung ist der Versuch herauszufinden, wie Menschen einen Sachverhalt sehen, welche individuelle Bedeutung er für sie hat und welche Handlungsmotive in diesem Zusammenhang auftreten. Daraus werden Theorien konstruiert und Folgerungen für die Praxis gezogen.
Qualitative Forschung ist am geistes- und kulturwissenschaftlichen Forschungsverständnis orientiert, betrachtet das Subjekt als Konstrukteur seiner Wirklichkeit, macht Erleben und Verhalten durch Verstehen und Interpretation bestimmbar, ersetzt Repräsentativität und Standardisierung durch Reichhaltigkeit, Offenheit, Breite, Detaillierung, Betroffenheit, Expertise,…, entwickelt Hypothesen und Theorien und bemüht sich um Praxisverbesserung.
Bei der qualitativen Methode werden neue Theorien erzeugt. Demnach müssen Studien durchgeführt werden d.h. Daten erhoben und ausgewertet werden, um eine neue Theorie zu entwickeln. Zu diesem Zweck könnte ich z.B. das Verfahren des narrativen Interviews verwenden, dessen Ziel darin besteht, dass die Interviewten frei und offen über ihre Sichtweisen usw. erzählen. Anschließend werden die Daten ausgewertet, z.B. nach der Grounded Theory, d.h. vorkommende Themen werden kodiert, übersichtlich dargestellt und in Beziehung gesetzt: meistens ergibt sich eine neue Theorie „wie von selbst“.
Um die Qualität einer solchen Hypothese zu sichern, muss vor allem der Prozess der Theoriebildung intersubjektiv nachvollziehbar sein. Es muss klar und transparent sein, welche Methode verwendet wurde und welches theoretisches Vorwissen eine Rolle gespielt hat – Theorien dürfen ja nicht willkürlich sein. Dies wird vor allem durch methodologische Reflexion des Forschungsprozesses und der Forschungsergebnisse sichergestellt.
Im Sinne der Qualitätssicherung ist darüber hinaus natürlich wichtig, dass sich die Theorie bewährt. Eine Theorie kann sich z. B. in dem Praxisfeld bewähren, für das sie entwickelt wurde.
Diese Form wird als Handlungsforschung bezeichnet: Theorien werden in direkter Zusammenarbeit mit den Akteuren entwickelt, mit ihnen in die Praxis umgesetzt, evaluiert und verändert. Für diese Praxisforschungsprojekte sind anwendungsorientierte Entwicklungen und Konzeption-, Anwendungs- und Reflexionsschleifen zentral.
Eine Theorie bewährt sich dann, wenn sich die gewünschten Veränderungen in der Praxis zeigen.
Die Bewährung der Hypothese kann auch erfolgen, indem man sie zu verallgemeinern versucht. Eine Hypothese wird ja vorerst auf der Basis von Einzelfällen angenommen.
Nun kann getestet werden, ob die Theorie auch auf andere Fälle anwendbar ist, ob sie also verallgemeinert werden kann, was natürlich den Wert der Theorie erhöhen würde: genau
dazu eignen sich nun die quantitativen Verfahren.
Roland Girtler, Professor für Soziologie an der Universität Wien, der berühmt geworden ist für seine Forschungen über Randkulturen (Schmuggler, Gauner, Obdachlose, Prostituierte, Wilderer, Aristokraten usw.) Er sucht den direkten Kontakt zu den Menschen, seine Methode ist die qualitative Sozialforschung. Er sagt: „Du musst die Muße zum freien Gespräch aufbringen, das heißt, die Menschen dürfen nicht als bloße Datenlieferanten gesehen werden. Mit ihnen ist so zu sprechen, dass sie sich geachtet fühlen. Man muss sich selbst als Mensch einbringen und darf sich nicht aufzwingen. Erst so lassen sich gute Gesprächs- und Beobachtungsprotokolle erstellen.“ (vgl. Girtler 2001, S.66)
„Quantitative Sozialforschung ist eher hypothesentestend“ (Hug 2001, S.32 ff)
Quantitative empirische Forschung beabsichtigt, soziale und physische Phänomene genau zu definieren, sie möglichst objektiv zu „messen“ und anhand dieses Datenmaterials Hypothesen zu überprüfen.
Quantitative Forschung ist am naturwissenschaftlichen Forschungsverständnis orientiert, geht von einer objektiv existierenden, erfassbaren Realität aus, untersucht Erleben und Verhalten empirisch mit systematisch entwickelten Methoden in repräsentativen Stichproben, zielt auf Verteilungen, Größenordnungen und Wahrscheinlichkeiten, messbare Fakten und gesetzesartige, repräsentative Aussagen ab, prüft Hypothesen und Theorien.
Quantitative Methoden sind demnach Theorie prüfend. Wenn ich Daten quantitativ erhebe und auswerte, möchte ich eine Hypothese, die für eine Gesamtheit angenommen wird, bestätigen oder widerlegen, verifizieren oder falsifizieren, bewähren. In manchen Fällen ist die fragliche Hypothese das Resultat einer vorhergehenden qualitativen Studie. In anderen Fällen wird sie auf der Grundlage des recherchierten und gesammelten bisherigen Wissens entwickelt.
Diese Hypothese bewährt sich dann, wenn ich mit ihrer Hilfe die soziale Wirklichkeit erklären, prognostizieren oder auch verändern kann.
Um eine Hypothese zu bestätigen, kann auch ein Experiment durchgeführt werden. Zuvor müssen die Begriffe operationalisiert werden, d.h. in quantifizierbare Merkmale übersetzt werden, dann werden die entsprechenden Messwerte erhoben und statistisch ausgewertet.
Für die Qualitätssicherung einer wissenschaftlichen Theorie aus der Sicht der quantitativen Sozialforschung ist demnach die Überprüfbarkeit von Hypothesen entscheidend: Da die Begriffe, die in einer Hypothese vorkommen, meist theoretische Konstrukte sind, müssen sie operationalisierbar und quantifizierbar sein, damit die Hypothese empirisch überprüft werden kann. Wie der/die ForscherIn zu den Hypothesen gekommen ist, interessiert aus Sicht der quantitativen Sozialforschung weniger, das ist wie gesagt die Baustelle der qualitativen Sozialforschung.
Kritik an qualitativer Sozialforschung
Dem qualitativen Ansatz werden folgende Kritikpunkte entgegengehalten: „r sei nicht objektiv, seine Ergebnisse seien kaum kontrollierbar und nicht repräsentativ, er sei meist in der Durchführung sehr zeitaufwendig, weitgehend theorielos, er würde den/die Praktiker/in überfordern und dessen erwünschte Gleichberechtigung doch nicht erreichen.“ (Saldern, 1992, S.378)
Nachteile:
Qualitative Methoden sind relativ zeit- und kostenintensiv. Die Anforderungen an die Qualifikation des Interviewers/Beobachters sind recht hoch, die Qualität der Daten ist zu einem gewissen Teil auch davon abhängig. Die Auswertung ist vor allem im Vergleich zu den quantitativen Methoden relativ aufwendig. Aus qualitativen Daten kann man keine zahlenmäßige Mengenangabe ableiten.
Kritiker von qualitativen Forschungsmethoden kritisieren insbesondere die Subjektivität der auf diese Weise erhobenen Daten und werfen ihr Unwissenschaftlichkeit vor. Dem gegenüber wird geltend gemacht, dass ein Verzicht der Soziologie auf eine qualitative Hermeneutik diese zu einer das eigentlich Menschliche verkennenden und damit verfehlenden Theorie machen würde. Über stark interpretative und schwerer nachvollziehbare Methoden wie die Hermeneutik hinaus sind auch besser dokumentier- und nachvollziehbare Methoden entwickelt worden. (Vgl. www.psychologie.uni-mannheim.de/psycho1/psycho1.htm Stand 15-05.2000)
Kritik an quantitativer Sozialforschung
„Der quantitativen Forschung wird u. a. entgegengehalten: Sie hätte ein mechanisches Welt- und Menschenbild, wäre zu weit von der Praxis entfernt und damit zu abstrakt und undurchschaubar, sie hätte zudem keinen Handlungsbezug, würde das Zweck-Mittel-Denken unsachgemäß präferieren und letztlich sogar das Subjekt aus den Augen verlieren: Zudem wären die Messmodelle unangemessen und Einzelfallforschung nicht möglich.“ (Saldern, 1992, S.378)
Nachteile:
Keine Flexibilität während der Untersuchung durch die Standardisierung der Untersuchungssituation, die Fragen sind schon vorher festgelegt, es ist kein individuelles Eingehen auf die Testperson möglich. Die Tatsache, dass jeder Befragte die gleichen Fragen bekommt, stellt nicht sicher, dass jeder Befragte diese auch gleich interpretiert. Des Weiteren wird die selektive Wahrnehmung der quantitativen Verfahren kritisiert. Man misst nur, was man vorher durch Items festgelegt hat. Man ermittelt nicht die Ursachen für einen Befund oder eine Einstellung wie beispielsweise Unzufriedenheit (zur Verringerung dieses Problems empfiehlt sich der Einsatz offener Fragen zur Ursachenermittlung). Man erhält keine Verbesserungsvorschläge (dieser Nachteil kann mit der Integration von offenen Fragen verringert werden). (Vgl. www.psychologie.uni-mannheim.de/psycho1/psycho1.htm Stand 15-05.2000)
Vereinbarkeit quantitativer und qualitativer Sozialforschung
Die empirische Sozialforschung ist also in methodischer Hinsicht durch eine Arbeitsteilung gekennzeichnet, in der beide Methoden, die qualitative und quantitative, gut zusammenspielen können. Im Zuge einer Studie können qualitativ wie quantitativ orientierte Methoden zum Einsatz kommen, da sie sich gegenseitig ergänzen.
Sie bieten einerseits einen facettenreichen Einblick in Bedürfnisse, Prozesse, Einstellungen, Fähigkeiten, Erwartungen etc., die für die Individuen in ihren Lebenswelten bedeutsam sind. Sie geben andererseits klar strukturierte, verallgemeinerte Aussagen über Gruppen, soziale Prozesse und Strukturen; sie verbinden dichte qualitative Beschreibungen mit allgemeinen quantitativen Beschreibungen mit allgemeinen Erklärungen der sozialen Wirklichkeiten (vgl. Garz u. a. 1991, Spindler 1991, S. 51 ff), (vgl. Drexler, Niedermair, Suesserott 2006, S.6 ff).
Gegenüberstellung der quantitativen und der qualitativen Methoden?
Literatur
Drexler, Arthur u. a. (2006): Wissenschaftliches Arbeiten Handreichung, Fakultät für Bildungswissenschaften der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck
Flick, Uwe(2005³): Qualitative Sozialforschung. Rowohlt Taschenbuch-Verlag
Flick, Uwe (Hrsg.) (1991): Handbuch der qualitativen Sozialforschung. München: Psychologie Verlags Union.
Garz, Detlef & Kraimer Klaus (Hrsg). (1991): Qualitativ-empirische Sozialforschung. Konzepte, Methoden, Analysen. Opladen: Westdeutscher Verlag.
Girtler, Roland; ( 2004):10 Gebote der Feldforschung, Lit Verlag Wien
Hopf, C. (1991): Qualitative Interviews in der Sozialforschung: Ein Überblick
Hug, Theo (Hrsg.) (2001): Wie kommt Wissenschaft zu wissen? Band 3. Einführung in die
Methodologie der Sozial und Kulturwissenschaften Schneider Verlag Hohengehren GmbH.
König, Eckard/ Zedler, Peter (2007)³: Theorien der Erziehungswissenschaft. Beltz Verlag Weinheim und Basel.
Mayring, P. (1996): Einführung in die qualitative Sozialforschung. Eine Anleitung zu qualitativem Denken. München: Psychologie Verlags Union.
Saldern, M.v. (1992). Qualitative Forschung – quantitative Forschung: Nekrolog auf einen
Gegensatz. Empirische Pädagogik, 6, 377-399.
Wahrig, Gerhard;(1994): Deutsches Wörterbuch Bertelsmann Lexikon Verlag
Internetquellen
http://imihome.imi.uni-karlsruhe.de/nquantitative_vs_qualitative_methode_meth.html Stand 02-04-2008
http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/FORSCHUNGSMETHODEN/Interview.shtml