Psychoananlytische Erziehungswissenschaft

„Psychoanalytische Theorien und Pädagogik ergänzen sich“. Um auf diese Erkenntnis zu kommen, hat es zwischen den PädagogInnen und den PsychoanalytikerInnen sehr viele Meinungsverschiedenheiten gegeben. „Die jahrzehntelange starke Reserve der Pädagogik gegenüber der Psychoanalyse…die manchmal sogar zu intensiver Auseinandersetzung führte.“ (Fürstenau, 1974, VII)

Ich vergleiche diese kontroversen Streitereien als eine Art gewisser innerer Abwehr, was auch typisch psychoanalytisch ist. Eltern und Kinder – sind auch psychoanalytischen Prozessen aufgeliefert, wenn diese jedoch beobachtet, erkannt und gedeutet werden, können diese Erkenntnisse in der Erziehung umgesetzt werden.

Bei der weiteren Ausarbeitung dieses Themas ist nachzulesen, was die Psychoanalytische Erziehungswissenschaft ist, wer sie geprägt hat. Zudem sind auch theoretisch – praktische Beispiele integriert.

Psychoanalytische Erziehungswissenschaft - Pädagogik

Der Terminus „Psychoanalytische Pädagogik“ taucht in den 20er Jahren dieses Jahrhunderts auf und bezeichnet in dieser Zeit theoretische und praktische Bemühungen, aus der in der Freudschen Psychoanalyse enthaltenen Anthropologie und Entwicklungstheorie eine neue Deutung von Fehlentwicklungen in Kindheit und Jugend und ein Erziehungskonzept zu gewinnen, das v. a. die traditionelle Repressivität aufheben soll. Im Nationalsozialismus unterdrückt, finden Psychoanalyse und Psychoanalytische Pädagogik in Deutschland und Österreich nach 1945 wieder Eingang in die Bemühungen um die pädagogische Theoriebildung. Die Diskussion der Gegenwart bewegt sich vorrangig um Fragen der Vereinbarkeit der theoretischen Grundlagen von Pädagogik und Psychoanalyse, um die Grenze zwischen pädagogischer und psychoanalytischer Praxis und um die Leistungen der Psychoanalyse für das Verständnis pädagogischer Situationen und Beziehungen.

Sigmund Freud - Psychoanalyse

Sigmund Freud, geb. 06. Mai 1856 in Freiberg (Mähren),

† 23. September 1939 in London.

Studierte Medizin an der Universität in Wien, FA für Neurologie

Begründer der Psychoanalyse

Vater von Anna Freud

Urheber der Psychodynamischen Persönlichkeitstheorien.

Freud geht davon aus, dass unser Wesen von unbewussten Prozessen bestimmt wird. Die Psyche verdrängt Ereignisse, die wird nicht verarbeiten können, ins Unbewusste (àEisbergmodell).

Verdrängte Wünsche und Bedürfnisse äußern sich im Alltag in Fehlleistungen und Träumen und haben einen großen Einfluss auf unser Verhalten.

Er entwickelt diese Theorie durch intensives Studium von Menschen mit psychischen Auffälligkeiten.

S. Freud vertritt stark die Meinung, dass somatische Erkrankungen häufig seelischen Ursprungs sind.

Er beschreibt die Quelle der Motivation für menschliches Verhalten einer psychischen Energie, die in jedem Menschen zu finden ist (àTriebtheorie: Eros - Thanatos).

In Freuds Theorie entstehen Persönlichkeitsunterschiede, unterschiedlichen Art und Weisen, in denen Menschen mit ihren Grundtrieben umgehen. Um diese Unterschiede zu erklären, beschreibt Freud einen Kampf zwischen zwei gegnerischen Instanzen der Persönlichkeit, dem Es und dem Über-Ich, in dem das Ich vermittelt. Er beschreibt dies als innere Prozesse.

Verfügbar unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Sigmund_Freud (Stand 2008-05-20)

Anna Freud – Psychoanalytische Pädagogik

Anna Freud (geb. 03.Dez. 1995 in Wien, ges. 08.Okt. 1982).

Nach Sigmund Freuds Tod im Jahr 1939 übernahm Anna das Erbe ihres Vaters.

Anna Freud gründete mit Anderen die Hampstead Nurseries, ein Heim, in dem sie Kriegskinder und Kriegswaisen betreuten. 1945 holte Anna Freud eine kleine Gruppe von Kindern aus dem deutschen Kriegsgebiet nach London. Anna Freud veröffentlichte auch einige Erinnerungen der Kinder mit deren Erlaubnis. Anna Freud selbst schrieb einen Artikel, der 1951 veröffentlicht wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg baute sie die Nurseries aus: die Hampstead-Klinik für Kinder wurde ab 1947 zu einem international bekannten Lehrinstitut für Kindertherapie. Anna Freuds Interesse galt von Anfang an den Kindern, vor allem durch die Arbeit mit kriegstraumatisierten Kindern nach dem 2. Weltkrieg. Man spricht von ihr auch, neben Melanie Klein, als die Begründerin der Kinderpsychoanalyse.

1945 gründete sie zusammen mit anderen die Zeitschrift Psychoanalytic Study of the Child, die heute noch existiert.

Nach Anna Freud (fast ident mit der psychosexuellen Entwicklung des Kindes nach S. Freud) durchlaufen Kinder 5 charakteristische Entwicklungsphasen:

1. orale Phase (0 Jahre bis 2 Jahre): hierbei ist die lustbesetzte Zone der Mund, das Kind empfindet Lust mit dem Mund

2. anale Phase (2 Jahre bis 5 Jahre): hierbei ist das lustbetonte Zentrum der After und die Ausscheidungsprodukte

3. phallisch-ödipale Phase (ab 5 Jahren bis 7 Jahre): hierbei ist die Aufmerksamkeit des Kindes auf seine Genitalien gerichtet. Das Kind empfindet Lust dabei. (Bsp. Doktorspiele)

In diesen Lebensphasen bilden sich nach Freud die Grundzüge des menschlichen Charakters heraus, also können Gründe für psychische Erkrankungen in der frühen Kindheit gesucht werden (Bsp. sofortige Befriedigung der Wünsche führt im Erwachsenenalter zu fehlender Triebkontrolle – auch umgekehrt möglich)

4. Latenzzeit (7 Jahre bis 12 Jahre): Übergangszeit, Kind richtet Interesse auf seine kognitiven Fähigkeiten. Sexuelle Energie wird in Aktivität umgewandelt (Bsp. Schulalter)

5. puberale/genitale Phase (ab 13 Jahren): Ausformung der Geschlechtlichkeit; durch vermehrte Hormonausschüttung in der Pubertät wird das Interesse wieder auf die Genitalien gerichtet. Entwicklung der Lust-, Liebes- und Arbeitsfähigkeit - erst hier entsteht die Loslösung von den Eltern.

Theoretisch – praktische Ausführungen

Die Vielfalt der kindlichen Äußerungsformen sind bekannt, auch die Reaktionen auf diese Verhaltensformen sind naturgemäß im Miteinander gegeben, aber die Ursachen sind rätselhaft.

(vgl. Anna Freud, 1965)

Im Kindergarten, in der Schule und im Hort stehen ErzieherInnen vor „fertigen Menschen“. Kinder bringen ab einem gewissen Punkt – Erlebnisse – fertige Verhaltensweisen mit sich mit, die sie auch von anderen Erwachsenen erworben haben, wie etwa Kinder, die fremduntergebracht sind. Deshalb ist es wichtig Nachforschungen zu betreiben, die auch den Zeitraum Elternhaus beleuchten, nämlich den Eindrücken und Erinnerungen von den allerersten Lebensjahren.

Die Begebenheiten nach denen die Suche ist, spielt eine wichtige Rolle in der Charakterbildung des Kindes. Meistens sind diese Begebenheiten die größten Geheimnisse des Kindes, Intimitäten seines Lebens, Erlebnisse, die man als seinen eigenen Besitz hütet. Auch Erwachsenen fällt es schwer, sich an die eigene Kindheit zu erinnern.

Doch der Psychoanalyse ist es gelungen, aus kleinen alltäglichen Fehlhandlungen der Menschen, dem Vergessen, Verlieren, Verlegen, Verlesen usw., dass immer eine Absicht dessen, der sie ausführt zugrunde liegt. Die Psychoanalyse hat bewiesen, dass man nichts vergisst, was man eigentlich zu vergessen wünscht.

Da das quasi Vergessene im Unbewussten abgespeichert wird, gibt es verschiedene Verhaltensformen oder auch Abwehrmechanismen, das Vergessene unbewusst ins Leben zu rufen.

Wenn man in die erste Zeit des Neugeborenen schaut, sieht man die Abhängigkeit zur Mutter. Das Baby ist von der Mutter abhängig. Nach einer gewissen Zeit verschärft sich das Wahrnehmen des Kindes, plötzlich sieht es die Geschwister, die diese Zuneigung der Mutter genauso wünschen, wie er oder sie selbst. Diese Zeit ist eine Krisenzeit, die Eifersucht des Kindes ist ernst zu nehmen. Danach kommt der nächste Konflikt, der Vater oder die Mutter selbst. Bei den Geschwistern geht es darum, der Mutter sehr gut zu gefallen und ihre Aufmerksamkeit für sich alleine zu haben, aber beim Vater – Sohn Verhältnis ist die Beziehung ambivalent. Auf der einen Seite schaut der kleine Junge zu ihm hoch, auf der anderen Seite hasst er ihn dafür, dass die Mutter zu ihm gehört.

Genau die Gefühlsentwicklung schreitet im öffentlichen Leben fort, die Schulkameraden werden als Geschwister ihre Rolle finden und die ErzieherInnen als Väter oder Mütter, wenn die Konflikte im Elternhaus nicht zu adäquat ausgetragen worden sind.

Kinder, die besonderen Lebensitutationen ausgesetzt sind, tragen die oben erwähnten Konflikte stärker aus und sind nachdem haltloser als Kinder von Musterfamilien.

Aus Hansjörg Walters Aufsatz geht hervor, dass die Beziehung zwischen Mutter – Tochter und Tochter – Vater nur eine gute Beziehung findet, wenn sich die Tochter von Mutter sowie vom Vater trennt. Nur durch eine Distanz, erklärt auch durch ein Märchenbeispiel, kann das Mädchen zur jungen Frau werden und selbstständig leben (vgl. Herdina, 1992). Der Ödipus Komplex ist nämlich auch ein gewöhnlicher Bestandteil kindlicher Entwicklung.

Diese Konflikte sind natürlich und sollten ausgetragen werden, wenn jedoch die Austragung nicht möglich ist, kann solch ein Konflikt ein Leben lang Thema sein.

Literatur

Freud, Anna (1965): Einführung in die Psychoanalyse für Pädagogen. 4. Aufl. Stuttgart, Bern: Hans Huber.

Walter, Hans Jörg (1992): Der psychoanalytische Ödipus und die Erziehungswissenschaft. In: Herdina, Philip (Hrsg.): Methodenfragen der Geisteswissenschaften, Innsbrucker Beiträge zur Kulturwissenschaft, Band 28. Innsbruck: Institut der Sprachwissenschaft Uni Innsbruck, S. 321-333. Fürstenau, Peter (1974): Der Psychoanalytische Beitrag zur Erziehungswissenschaft. Band LXXIV. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft.

Onlinequellen

Walter Hans Jörg, Hierdeis Helmwart (2008): Psychoanalytische Erziehungswissenschaft – Pädagogik. Verfügbar unter: http://www.uibk.ac.at/ezwi/research/archiv/cd_paed/abstract/psyanal.html (Stand 2008-06-20). Verfügbar unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Sigmund_Freud (Stand 2008-05-20). Verfügbar unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Anna_Freud (Stand 2008-06-20).