Problem
Problemlösen ist ein Sonderfall des geplanten Handelns (vgl. Edelmann 1996, S. 314). Duncker definiert: „Ein „Problem“ entsteht z.B. dann, wenn ein Lebewesen ein Ziel hat und nicht „weiß“, wie es dieses Ziel erreichen soll“ (Duncker 1974, S. 1). Der erstrebte Zustand kann nur durch geplantes Handeln erreicht werden, bloßes Ausführen von selbstverständlichen Operationen reicht nicht (vgl. Duncker 1974, S. 1). Das selbe Merkmal spricht auch Dörner an: „Ein Individuum steht einem Problem gegenüber, wenn es sich in einem inneren oder äußeren Zustand befindet, den es aus irgendwelchen Gründen nicht für wünschenswert hält, aber im Moment nicht über die Mittel verfügt, um den unerwünschten Zustand in den wünschenswerten Zustand zu überführen“ (Dörner 1979, S. 10).
„Ein Problem ist also durch drei Komponenten gekennzeichnet: Unerwünschter Anfangszustand, erwünschter Zielzustand und der Barriere, die die Überführung des Anfangszustandes in den Zielzustand im Augenblick verhindert“ (Edelmann 1996, S. 314).
Die Kognitive Struktur
Um Probleme lösen zu können, verfügen Menschen über eine Kognitive Struktur. Der größte Teil unseres Handelns wird über die Wissensstruktur (epistemische Struktur) gesteuert. Wenn unser Wissen nicht ausreicht um eine Zielzustand zu erreichen bedienen wir uns bestimmter Problemlösungsverfahren (vgl. Edelmann 1996, S.315).
„Solche Heurismen garantieren zwar nicht die Lösung, engen aber mögliche Verhaltensweisen sehr ein. Die Gesamtheit der Problemlösungsverfahren, über die ein Mensch verfügt, machen die Problemlösestruktur (heuristische Struktur) aus“ (Edelmann 1996, S. 315).
Problemmerkmale
Problemmerkmale werden durch die Art der Barriere und dessen Komplexität bestimmt. Je nach Art der Barriere, die die Transformation des Ausgangszustands in den Zielzustand verhindert, lassen sich verschiedene Typen von Problemen unterscheiden (vgl. Edelmann 1996, S. 315).
Problemlösungsmöglichkeiten
Versuch und Irrtum
Besonders bei unübersichtlichen Problemsituationen. Die Fülle an Informationen behindert eine kognitiv anspruchsvollere Lösungsmöglichkeit. Der Mensch versucht hier aber trotzdem nach Strategien, um sukzessive an Ziel zu kommen (vgl. Edelmann 1996, S. 318).
Umstrukturieren
Diese Auffassung von Problemlösen geht auf die Gestaltpsychologie (Wertheimer, Duncker, Köhler) zurück. Bei der Untersuchung der Wahrnehmung entdeckten sie eine Reihe von Ordnungsprinzipien, deren wichtigstes das Prägnazgesetz oder Gesetz der guten Gestalt ist. Menschen neigen zu der Tendenz, „gute Gestalten“ oder „klare Strukturen“ wahrzunehmen (vgl. Edelmann 1996, S. 312).
Anwendung von Strategien
Der Begriff der Strategie beinhaltet die Planung und Durchführung eines Gesamtkonzeptes. „Eine Strategie ist eine heuristische Regel (Problemlöseverfahren), eine Suchanweisung, die die zu treffenden Entscheidungen in einem Gewissen Rahmen festlegt“ (Edelmann 1996, S. 323).
Kreativität
Als Zentrum des kreativen Prozesses gilt die Phase der heuristischen Regression (Rückfall auf eine frühere Entwicklungsstufe). Die scheinbare Rückkehr zu einer kindlichen Mentalität, der Wechsel zwischen Spannung und Entspannung ermöglicht das Finden einer überraschenden Lösungsidee (vgl. Edelmann 1996, S. 325).
Systemdenken
Bei diesem Systemdenken lassen sich folgende Schwerpunkte hervorheben: Zielpräzisierung, Strukturwissen, Schwerpunktbildung und Planung von Eingriffen (vgl. Dörner 1983, S. 37f).
Problemlöseprozess
Es gibt grundsätzlich keine wirklich überzeugende Klassifikation von Problemen. Vielmehr wird versuch die fünf dargestellten Theorien des Problemlösens zusammenzufassen. Anhand einer Modellbeschreibung wird der Prozess des Problemlösens beschrieben (vgl. Edelmann 1996, S. 333).
- Problemraum: Der Problemraum beinhaltet die innere Repräsentation der Problemsituation („Es geht nicht“). Der Aufbau eines Problemraums ist als subjektiver kognitiver Strukturierungsprozess zu begreifen (vgl. Edelmann 1996, S. 333).
- Situationsanalyse: Es gilt hier ein schlecht definiertes Problem (unscharfer Anfangs- oder Endzustand) in eine definiertes (präziser Anfangs- und Endzustand) umzustrukturieren. Im Mittelpunkt steht hier die Zielanalyse („Was ist gesucht und was nicht?“) und die Konfliktanalyse (Warum geht es nicht?“) (vgl. Edelmann 1996, S. 333).
- Suchraum: Aus der Verbindung von verschiedenen Merkmalen der Problemsituation mit den Handlungsmöglichkeiten des Problemlösens entsteht der Suchraum (vgl. Edelmann 1996, S. 334).
- Lösung und Evaluation: Wird eine Lösung gefunden („So ist es richtig“), dann kann es zu einer Evaluation kommen. Die Lösung wird nach Art des eingesetzten Operators uns hinsichtlich ihrer Ökonomie bewertet (vgl. Edelmann 1996, S. 334).
Erfolgreiches Problemlösen heißt nicht nur, eine Lösung zu finden, sondern die bestmögliche Lösung mit möglichst wenig Aufwand an Energie und Zeit zu finden
(vgl. Brander/ Kompa/ Pelzer 1989, S. 124).
Literatur
Dörner, Dietrich (1979): Problemlösen als Informationsverarbeitung. 2. Aufl. Stuttgart: Kohlhammer.
Duncker, Karl (1974): Zur Psychologie des produktiven Denkens. Dritter Neudruck. Berlin, Heidelberg, New York: Springer-Verlag.
Edelmann, Walter (1996): Lernpsychologie. 5. Aufl. Psychologie Verlag Union: Weinheim.
Brander, Sylvia; Kompa, Ain & Peltzer Ulf (1989): Denken und Problemlösen. Einführung in die kognitive Psychologie. 2. Aufl. Opladen: Westdeutscher Verlag GmbH.