Positivismus
(lat., zu positiv, „gesetzt“, „gegeben“)
Definition
Der Positivismus ist eine philosophische und wissenschaftstheoretische Strömung, welche ihre Forschung auf das Positive, Tatsächliche, Wirkliche und Zweifellose beschränkt. Diese Richtungen orientieren sich an einem exakten naturwissenschaftlichen Methodenideal, das sich allein auf die objektive Erfahrung beruft und alles Metaphysische ablehnt.
Auguste Comte
Nach Ansätzen im antiken Skeptizismus, im mittelalterlichen Nominalismus und im englischen Empirismus wurde der Positivismus vor allem von Auguste Comte (1798- 1857) entwickelt und ausgearbeitet.
Auguste Comte war Sohn einer konservativen katholischen Familie aus Montpellier, seine Studien absolvierte er an der Pariser École Politechnique. Danach war er Privatsekretär des Grafen von Saint-Simon, dessen sozialphilosophische Ideen die Vorstufe der „positiven Philosophie“ Comtes bildeten. Ein wichtiger Einschnitt in seinem Leben war die Bekanntschaft mit Clotilde de Vaux, die ihm als Seelenverwandte schien und Anlass für die Entwicklung einer „Religion der Menschheit“ bot.
In seiner ersten Schaffenszeit entwickelte Comte die beiden Grundgesetze seiner positiven Philosophie, das „Dreistadiengesetz“ und das „Hierarchiegesetz“.
Im „Dreistadiengesetz“ beschreibt er die Entwicklung der Menschheit in drei Stadien, dem theologischen, dem metaphysischen und dem positivistischen Stadium. Im positivistischen Stadium hat die Menschheit den religiösen und metaphysischen Aberglauben überwunden und die Stufe der Wissenschaftlichkeit erreicht, sie ist das Resultat des menschlichen Fortschritts.
Das „Hierarchiegesetz“ legt eine bestimmte Rangordnung unter den verschiedenen Wissenschaften fest. Diese Reihenfolge wird bestimmt durch die Komplexität der Bereiche, sie beginnt mit den allgemeinsten und abstraktesten Gegenständen und endet bei dem Speziellsten und Konkretesten, nämlich der menschlichen Gesellschaft (Comte prägt die Bezeichnung Soziologie).
In „Système de politique positive“ machte sich Comte die Versöhnung von Philosophie und Religion zur Aufgabe. Er übernahm die Rolle des Gründers einer neuen Religion, wodurch der historischen Entwicklung zum Durchbruch verholfen werden sollte. Dieser wissenschaftliche Religionsersatz orientierte sich am Aufbau des Katholizismus, es gab einen positivistischen Kalender und verschiedene Zeremonien. (vgl. Speck, 1991, S.9 ff)
Neo- Positivismus
Bis heute hat der Positivismus in Philosophie, Wissenschaft und Gesellschaft große Bedeutung, besonders im Neo- Positivismus.
In dieser, an den klassischen Positivismus anknüpfenden philosophischen Richtung spielen besonders Logik und Sprache eine große Rolle. Der „Wiener Kreis“, eine 1924 ins Leben gerufenen Diskussionsrunde war der Ausgangspunkt des Neo- Positivismus. Dabei ging es den Mitgliedern (u.a. M. Schlick, E. Mach, R. Carnap) um „Wissenschaftliche Weltanschauung“ durch die Verbindung von Empirismus und Logik. (vgl. www.philolex.de/positivi.htm; Stand: 20.04.2008)
Grundauffassungen des Positivismus
Die Grundauffassungen des Positivismus können in drei Punkten zusammengefasst werden:
· Empirismus: Für viele Positivisten sind alle Erkenntnisse auf sinnliche Empfindungen zurückführbar, die Grundlage sind positive Tatsachen, d.h. äuβere und innere Wahrnehmung.
· Materialismus: Es wird alles abgelehnt, was nicht sinnlich- materiell ist. Begriffe wie Gott, Geist, Vernunft werden konsequent empiristisch und materialistisch aufgelöst oder gedeutet.
· Szientismus: Der Positivismus ist geprägt von einer unbedingten Wissenschaftsgläubigkeit. Nur die empirische Einzelwissenschaft ist „Wissenschaft“, Philosophie ist lediglich die Dienerin der Wissenschaften und erstellt Zusammenhänge zwischen den einzelnen Wissenschaften. (nach Anzenbacher 2002, S.172 f)
Literatur
Anzenbacher, Arno (2002): Einführung in die Philosophie. Freiburg im Breisgau, Herder
Speck, Josef (Hrsg.) 1991: Grundprobleme der groβen Philosophen. Philosophie der Neuzeit V. Göttingen, Vandenhoeck und Ruprecht
Der Brockhaus Philosophie. Ideen, Denker und Begriffe. Mannheim, F.A. Brockhaus 2004
Internetquelle
www.philolex.de/positivi.htm; Stand: 20.04.2008