Modell
Begriffsherkunft
Der Begriff Modell kommt ursprünglich aus der Anlehnung an das französischen Substantiv modele, welches sich ebenso wie das italienische modello aus der vulgärlateinischen Form modellus entwickelt hat. Der Begriff modellus ist seinerseits hervorgegangen aus dem lateinischen modulus (Maß, Maßstab), was wiederum die Ableitung vom ebenso lateinischen modus (Maß, Normalmaß, Maßstab) ist.
Überblick über die Gegenstandsbereiche des Begriffes
Allgemein wird der deutsche Begriff des Modells als Vorbild, Muster, Urform, Entwurf oder Nachbildung in einem kleineren Maßstab bezeichnet und wird in verschiedenen Bereichen unterschiedlich verstanden.
In der Kunst wird ein Modell als vom Mensch dargestelltes Vorbild für künstlerische Studien, Kunstwerke und Gestaltung, verstanden.
Zudem wird der Begriff in der Bildhauerei auch als eine verkleinerte Form oder ein Entwurf verstanden, der möglicherweise schon ein genaues Abbild des Endproduktes sein könnte. (z.B.: Gipsmodell zu Standbildern, Holzmodell zu Gussstücken)
Im Bereich der Modebranche ist das Modell eine Bezeichnung für ein nur einmal oder in eng begrenzter Stückzahl hergestelltes Kleidungsstück, sowie die Vorlage für eine Vervielfältigung bzw. serienmäßigen Herstellung.
Im Bereich vieler verschiedener Wissenschaften (Naturwissenschaft, Philosophie, Psychologie, Soziologie, Politikwissenschaften, Wirtschaftswissenschaften, uvm.) wird das Modell als ein Objekt verstanden, das von einem Subjekt eingesetzt und genutzt wird, um beispielsweise schwierige Aufgaben zu lösen.
So kann ein Modell eine vereinfachte Darstellung der Funktion eines Gegenstandes oder des Ablaufs eines Sachverhalts sein, die eine Erforschung oder eine Untersuchung erst ermöglicht oder erleichtert.
Der allgemeine Modellbegriff nach Herbert Stachowiak
Der Begriff Modell wird sowohl im außer- und vorwissenschaftlichen als auch im wissenschaftlichen Sprachgebrauch verwendet.
Bei der Merkmalsbestimmung des Modellbegriffs wird zwischen Inhalt und Umfang unterschieden. Der Begriffsinhalt beinhaltet die Merkmale, die allgemein seine „Bedeutung“ bestimmen. Der Begriffsumfang meint alle unter den Begriff fallenden Individuen. Während sich aus der „Bedeutung“ eines Begriffes sein Umfang ergibt, so ist das umgekehrt nicht der Fall.
Bei den vielen, unter dem Modellbegriff subsumierten, Modellarten ist es wichtig, diese auf ihre Funktion hin genau zu untersuchen, denn es geht in der „Bedeutung“ eines Modells auch um das Verstehen von Zeichen und Bezeichnetem. Unter Stachowiak gilt grundsätzlich: „ je größer und weiter der Umfang eines Begriffs, desto kleiner und ärmer sein Inhalt und umgekehrt.“[1] Das heißt die Merkmale eines Modells müssen so exakt wie möglich und eindeutig fixiert werden.
Merkmale des allgemeinen Modellbegriffs
Herbert Stachowiak formuliert in seiner allgemeinen Modelltheorie drei Hauptmerkmale des allgemeinen Modellbegriffes:
1.) Das Abbildungsmerkmal: “Modelle sind stets Modelle von etwas, nämlich Abbildungen, Repräsentationen natürlicher oder künstlicher Originale, die selbst wieder Modelle sein können.“[2] Diese Originale können aus den verschiedensten Bereichen kommen und auf unterschiedlichste Weisen entstehen. So können sie beispielsweise auf natürliche Weise entstanden oder technisch hergestellt worden sein. Sie können auch der Welt der Vorstellungen und Begriffe oder der physischen Wirklichkeit angehören.
2.) Das Verkürzungsmerkmal: “Modelle erfassen im allgemeinen nicht alle Attribute des durch sie repräsentierten Originals, sondern nur solche, die den jeweiligen Modellerschaffern und/oder Modellbenutzern relevant scheinen.“[3] Grundsätzlich muss einmal zwischen den Eigenschaften und Merkmalen des Originals und denen des Modells unterschieden werden. Personen, die Modelle schaffen, müssen sich über alle Attribute, über die des Originals und die des Modells, bewusst sein, um sich dann klar zu werden, dass eben nicht alle Merkmale des Originals von dem zugehörigen Modell erfasst werden und sich weiters darüber bewusst zu werden, welche Originalattribute vom Modell eben doch erfasst und verwendet werden.
3.) Das pragmatische Merkmal: “Modelle sind ihren Originalen nicht per se eindeutig zugeordnet.“[4] Modelle sind nicht nur Modelle von etwas, sondern sie sind auch Modelle für jemanden. Zum Beispiel für Menschen oder einen „künstlichen Modellbenutzer“. Dabei erfüllen sie ihre Funktion innerhalb eines bestimmten Zeitintervalls, also in der Zeit, wo es gerade benötigt wird und das Modell erfüllt unter anderem auch einen bestimmten Zweck. Also ist nicht nur wichtig „wovon etwas Modell ist, sondern auch, für wen, wann und wozu“ [5] die jeweils spezifische Funktion des Modells gut ist.
Literaturverzeichnis
Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG (2007): Duden. Das Fremdwörterbuch. 9. Auflage. Mannheim: Dudenverlag.
Lexikonredaktion des Bibliographischen Instituts (1981): Meyers großes Taschenlexikon. In 24 Bänden. Band 14. Mannheim: Bibliographisches Institut.
Stachowiak, Herbert (1973): Allgemeine Modelltheorie. Wien: Springer – Verlag.
Onlinequellen
http://lexikon,meyers.de/meyers/Modell (Stand: 29. 5. 2008)
http://www.phillex.de/modell.htm (Stand: 29. 5. 2008)
[1] Stachowiak 1973, S.130
[2] Stachowiak 1973, S.131
[3] Stachowiak 1973, S.132
[4] Stachowiak 1973, S.132
[5] Stachowiak 1973, S.133