Kritischer Rationalismus

Die Position des kritischen Rationalismus ist eine ,um 1935 von Sir Karl Raimund Popper begründete und geprägte, philosophische Richtung. Der Kritische Rationalismus geht aus der Kritik am Positivismus des Wiener Kreises hervor und geht davon aus, dass die Wahrheit nie mit absoluter Sicherheit erreicht werden kann. Weitere Kritische Rationalisten sind, neben Popper, Hans Albert, Paul Feyerabend und Imre Lakatos.

Karl Popper vertrat den Kritischen Rationalismus vor allem auf der Basis der Wissenschaftstheorie. Er war der Meinung, dass eine Theorie nur dann wissenschaftlichen Charakter haben kann, wenn sie falsifizierbar, d.h. widerlegbar, ist.

Popper plädierte dafür, dass die Wissenschaftler Theorien auf ihre Falsifizierbarkeit überprüfen sollten, anstatt ihnen auszuweichen. Das Argument für Fehlbarkeit des menschlichen Wissens nennt Popper auch in Verbindung mit der Gesellschafsttheorie und plädiert gegen den Totalitarismus und fordert eine „offene Gesellschaft“ (versus „geschlossene Gesellschaft“).

Hans Albert suchte die erkenntnistheoretische Grundeinestellung des Kritischen Rationalismus in den Bereichen der Politik, Religion und Ökonomie.1

Die Falsifizierbarkeit

Karl Popper suchte nach einem Kriterium, mit dem er sinnvolle von sinnlosen Sätzen unterscheiden konnte. Dafür ging er zunächst von der Verifizierbarkeit aus. Er erkannte aber recht bald und durch die Hilfe von Josef Carnap, dass die Verifizierbarkeit am Induktionsproblem scheitert.

Betrachten man die Aussage „Alle Schwäne sind weiß“, so kann dies zu keinem logischen Widerspruch führen, weil man jeden einzelnen Schwan überprüfen müsste und selbst dann nicht ausschließen könnte, dass es nicht irgendwo einen schwarzen Schwan gibt.

Um dem Induktionsproblem entgehen zu können müsste man alles Zukünftige vorausplanen und überprüfen was gänzlich unmöglich wäre und selbst dann könnten Fehler nicht ausgeschlossen werden..

Zu Erkenntnis gelangen kann man durch zwei Auffassungen. Zum Ersten durch die Induktion und zum Zweiten durch die Deduktion. Die Deduktion schließt vom Allgemeinen auf das Besondere, während die Induktion vom Besonderen auf das Allgemeine schließt.2

Um dem Induktionsproblem zu entgehen ging Popper vom Kriterium der Falsifizierbarkeit aus. Eine Aussage ist genau dann falsifizierbar, wenn es einen Beobachtungssatz (empirischen Basissatz) gibt, mit der die Theorie, von der wir ausgehen, widerlegbar ist.

THEORIE X FALSIFIZIERT=THEORIE WIDERLEGT

EMPIRISCHER BASISSATZ

Wenn man von der Behauptung ausgeht „Alles Raben sind schwarz“ (Theorie), so muss man nur einen nicht schwarzen Raben finden (emp. Basissatz) um die Theorie, von der man ausging, widerlegen (falsifizieren) zu können.3

Erkenntnisse, die wir über die Falsifizierbarkeit erhalten sind folgende:

  • Falsifizierbarkeit ist nur ein Kriterium zur Abgrenzung, es entscheidet nicht über den Sinn
  • Ein Satz muss an der Erfahrung scheitern, damit er falsifizerbar sein kann
  • Wissenschaftliche Gesetze kann man falsifizieren, nicht aber verifizieren, da sie in Form universeller Sätze ausgedruckt werden
  • Ein Satz kann falsifizierbar sein, sowohl, wenn er falsch ist, als auch dann, wenn er sich bewährt hat4

Biografie Karl Raimund Popper

Der Philosoph Karl Raimund Popper wurde am 28. Juli 1902 in Wien geboren; als drittes Kind und erster Sohn des jüdischen Rechtsanwaltes Dr. Simon Popper und dessen Ehefrau Jenny, geborene Schiff. Die Eltern waren bereits vor der Geburt der ersten Tochter zum protestantischen Glauben übergetreten. Schon als Kind kam Popper in seinem Elternhaus in Kontakt mit aufgeklärtem Denken und somit wurde sein Interesse für Philosophisches schon früh geweckt.

Mit 16 Jahren verließ er die Mittelschule und wurde Gasthörer an der Uni Wien, wo er Vorlesungen in Mathematik, Physik, Psychologie, Geschichte und Philosophie beiwohnte.

Als Externist legte Popper schließlich die Reifeprüfung ab, um sich an der Universität als ordentlicher Hörer zu inskribieren. Neben dem Studium absolvierte Popper zudem eine Tischlerlehre.

1928 promovierte Popper an der Universität Wien zum Doktor phil. und arbeitet, von 1930 bis zum Jahr 1936, als Hauptschullehrer für Mathematik und Physik in Wien. Im Jahr 1930 heiratete er seine Frau, Josefine Anna Henninger. 1935 veröffentlichte er seine erste große philosophische Arbeit, „Logik der Forschung“. Darin führt er das ganz neue Kriterium der Falsifikation ein.

Bis 1937 nahm Popper zudem oft an den Treffen und Diskussionen des „Wiener Kreises“ teil, dem er aber nie angehörte.

In den Jahren von 1937 bis 1945 befand sich Popper in Neuseeland, um dem Nationalsozialismus in Deutschland zu entkommen. 1945 übersiedelte er schließlich nach England, wo er auch zu publizieren begann. Von 1946 bis 1969, in dem Jahr, in dem er emeritiert wurde, unterrichtete Popper an der „London School of Economics“.

1986 bis 1994 ist er Gastprofessor an der Universität Wien und wird 1992, anlässlich seines 90. Geburtstages, zum Ehrenbürger der Stadt ernannt. Sir Karl Raimund Popper stirbt am 17. September in London, und wird in Wien begraben.5

1Vgl. http://de.encarta.msn.com/encyclopedia_721537254/Kritischer_Rationalismus.html

2Vgl. Baum, Wilhelm (1994) S.24-26

3Vgl. Baum, Wilhelm (1994) S.30-32

4Vgl. Baum, Wilhelm (1994) S. 35

5Vgl. http://www.poppersociety.net/allgemeines.php#bio

Literatur

Baum, Wilhelm (1994): „Karl R. Popper“. 1. Auflage. Berlin: Morgenbuch Verlag

Hans, Albert (2000): „Kritischer Rationalismus“. Tübingen: Mohr Siebeck. UTB 2138

Popper, Karl (2005): „Logik der Forschung“. 11. Auflage. Tübingen: Mohr Siebeck

Internetquellen