Hypothese
Definition von Hypothese
Eine Hypothese (altgriechisch: hypòthesis, eine Unterstellung, Voraussetzung oder Grundlage) ist zunächst eine unbewiesene wissenschaftliche Annahme, die wir über bestimmte Ereignisse, Sachverhalte oder ähnliches haben. Sie stellt damit eine vorläufige Antwort auf eine wissenschaftliche Frage dar (Janshen, 2001), sie ist außerdem auch eine vorläufige Annahme zwischen Ursache und Folge eines Ereignisses (Zimbargo & Gerrig, 2008, 27). Im Grunde genommen ist eine Hypothese eine Erwartung des Forschers an seinen Forschungsgegenstand. Interessanterweise fällt auf, dass eine Hypothese nur eine wissenschaftliche Annahme ist, aber keine Mutmaßung. Diese Annahme ist noch nicht eingehend von Experten überprüft. Die Hypothese ist somit die zweite Stufe einer Idee, denn das Erschaffen einer Idee wäre die erste Stufe, die dann entstandene Vermutung ist die Hypothese, der weitere Prozess umfasst dann die dritte und letzte Stufe, die Hypothese wird zu einer Theorie durch Beweise.
Der Begriff These ist aber von Hypothese zu unterscheiden, denn eine These ist eine Aussage, die davon ausgeht, dass die Person, die die These ausspricht, von deren Wahrheit ausgeht und überzeugt ist, dass sie zutrifft, während bei der Hypothese der Aussprechende noch nicht über dessen Aussagekraft bescheid wissen kann.
Arten von Hypothesen
- Singulär-Hypothese: Beschreibt die Annahme für einen Einzelfall. z.B.: Der Urlaub in der Sahara hatte in puncto Erlernen von Überlebensstrategien positive Auswirkungen für Giovanni.
- Existenz-Hypothese: Beschreibt die Annahme, dass ein Phänomen vorhanden ist. z.B.: Es gibt für jeden Menschen Situationen, in denen er zum Mörder werden kann.
- Universelle-Hypothese: Beschreibt einen Zusammenhang, der in dieser Form immer auftritt, besitzt somit räumliche und zeitliche Unbeschränktheit.
- Statistische-Hypothese: Von entscheidender Bedeutung vor allem für die Psychologie, die Pädagogik und die Sozialwissenschaften. Diese beschreibt die Ausprägung eines Sachverhalts mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit. z.B.: Wenn die Bedingung A eine Ausprägung von A1 hat, nimmt die Variable B mit x prozentiger Wahrscheinlichkeit, die Ausprägung B1 an. A wäre der Einflussfaktor, die unabhängige Variable (UV) von B, der abhängigen Variable (AV) (vgl. Eberhard, 1987, S.4ff.).
Formulierung einer Hypothese
Zunächst brauchen wir einen Untersuchungsgegenstand, wir gehen schematisch auf eine Frage ein, die entweder der Erklärung schon bekannter Tatsachen dienen, oder es wird versucht, ein neues Phänomen zu erklären. Es wird davon ausgegangen, dass Wissenschaft initiiert ist durch Probleme, die die Menschheit beschäftigen, oder deren Interessen sie geweckt haben.
Diese Fragestellungen die sich daraus ergeben, sollen klar formuliert werden und einer Lösung zugeführt werden. Konzeptuell kann man dies zusammenfassen, dass es ein Aufgreifen einer Frage kommt (vgl. Danner, 2006).
Hypothesen werden oft als “Wenn – dann – Vorhersagen” formuliert; z.B.: Wenn Kinder sehr viel Gewalt im Fernsehen sehen, dann werden sie mehr aggressive Handlungen gegenüber anderen Kindern ausführen“ (vgl. Zimbardo & Gerrig, 2008, 27). Um dann folgender Hypothese nachzugehen müsste man empirischen Forschungen nachgehen.
Empirische Überprüfung
Nach der Aufstellung einer Hypothese muss man sie Überprüfen, das könnten diverse Tests, Interviews, Experimente oder allgemeine Befragungen sein. Die Hypothese müsste nun operationalisiert werden. Das bedeutet, die Fragestellung der Hypothese, die nur so gesehen qualitativ ist, quantitativ durch empirische Verfahren gestaltet werden.
Wichtig ist dabei, die Formulierung einer 0-Hypothese, das ist eine Hypothese, die keinen Zusammenhang zwischen den untersuchten Variablen unterstellt. Die gegenteilige Annahme wird als Alternativhypothese bezeichnet, diese stellt einen Zusammenhang zwischen unseren untersuchten Sachverhalten fest (vgl. König & Zedler; 1983, 57).
Auswertung, Interpretation unserer Fragestellung
Durch unsere Ergebnisse, die wir mittels der Empirie erhalten haben, können wir nun unsere Hypothese entweder gerechtfertigt bestätigen, das als Verifizierung definiert wird, oder sollte sich unsere Hypothese als kein signifikantes Ergebnis herausstellen, falsifizieren. Falsifiziert wird ein Ergebnis, wenn für uns keine Zusammenhänge in unserer Fragestellung deutlich werden.
Aufgrund dieses Ergebnisses kann man die Hypothese weiterführen, Sachverhalte ausgrenzen, weitere miteinbeziehen, alles völlig neu angehen, alles Verwerfen, oder aufgrund der Ergebnisse neue Hypothesen aufstellen.
Literaturliste
Danner, Helmut (2006): Methoden geisteswissenschaftlicher Pädagogik. Einführung in Hermeneutik, Phänomenologie und Dialektik. 5. Auflage. München & Basel: Ernst Reinhardt Verlag.
Eberhard, Kurt (1987): Einführung in die Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie. Geschichte und Praxis der konkurrierenden Erkenntniswege. Stuttgart: Kohlhammer Verlag.
Janshen, Lars (2001): Untersuchungsmethoden der Biomechanik. Hypothesen im Forschungsprozess. Verfügbar unter: www2.hu-berlin.de/biomechanik/Seminare/Methoden/Allgemein/AL_Forsch_Hyp_.html Stand: 2008-06-01.
König, Eckhard & Zedler, Peter (1983): Einführung in die Wissenschaftstheorien der Erziehungswissenschaften. Düsseldorf: Schwann. S. 55-57).
Zimbardo, Philip G. & Gerrig, Richard J. (2008): Psychologie. Forschungsmethoden der Psychologie. 18. Auflage. München: Pearson Studium. S.27- 49.