Erkenntnistheorie

nach Sedmak, Clemens

Begriff

Erkenntnistheorie oder Epistemologie ist genauso wie die Ethik, Logik und die Ontologie eine der wichtigsten Disziplinen der Philosophie. Sie kann sich auf verschiedenste Objekte beziehen, wie etwa das Wissen im Bereich der Naturwissenschaften, der Metaphysik oder der Moral.

Erkenntnistheorie

Erkenntnistheorie bewirkt strukturierte Arbeit an etablierten Kategorien. Kant und die Transzendentalphilosophen haben die These, dass wir die Welt nur so erkennen können, wie sie uns vorkommt, nicht so wie sie an sich ist.

Nutzen und Grenzen der Erkenntnistheorie

„Erkenntnistheorie hat wenigstens drei Funktionen:

(1) sie soll Natur, Ursprung und Umfang der Erkenntnis klären, und

(2) sie soll die Möglichkeit von Erkenntnis erklären und verteidigen.

(3) Sie stellt bestehende Erkenntnisansprüche in Frage, prüft etablierte Kategorien und Kategorialsysteme und entwickelt Alternativen“. (Sedmak 2003, S. 38)

Die Fähigkeit Fragen stellen zu können, ist in der Erkenntnistheorie sehr wichtig. In der Philosophie heißt es, Fragen zu stellen und diesen nachzugehen, ohne jegliche Befürchtungen vor Ergebnissen. Einige philosophische Gedanken zum „Fragen“: Es ist wichtig zu wissen, was man fragt, und woher ich die Wissensquellen für die Antwort beziehe. Das Verfassen und die Motivation der Fragen sind ebenso relevant. Erst durch das epistemische Gleichgewicht, ersteigt der Erkenntnistheorie der Zweck, bestehende Erkenntnispraxis zu beanstanden und etablierte Kategorialsysteme in Frage zu stellen.

Sedmak nennt drei wichtige Grenzen der Erkenntnistheorie:

(1) „Die Frage nach der Relevanz: […]

(2) Die Distanz zwischen Erkennen und Handeln:“ (Sedmak 2003, S. 42) Wir erkennen zwar das zuviel Alkohol schlecht ist, aber das bedeutet nicht, dass wir danach handeln.

(3) „Die Frage nach der Legitimation:“ (Sedmak 2003, S. 42)

Drei Thesen der Erkenntnistheorie

Die Erkenntnistheorie macht Hindernisse auf dem Weg zum Wissen explizit

Hier erwähnt Sedmak einen Hinweis zu Hindernissen auf dem Weg zum Wissen von Francis Bacon [1561-1626], welches ich kurz erwähnen möchte. Er unterscheidet auf dem Weg zum Wissen im ersten Teil seines Novum Organum (1620), was er die „Lehre von den Idolen“ (unter Idolen meint er Vorurteile) nennt, 4 Arten: idola tribus, die Tendenz des Erkennenden, alles nach menschlichem Maß zu bewerten; idola specus, es betrifft die eigenen, subjektiven Blickwinkel; Idola theatri, hiermit meint er Vorurteile, die sich aus der Tradition ergeben; idola fori (Idole des Markts), Menschen beobachten und bilden Vorurteile.

Also den Menschen in den Mittelpunkt setzend, der subjektive Blickwinkel, die Traditionen und die Sprache Hindernisse auf der Strecke zum Wissen, die die Erkenntnistheorie sinnvoll beheben soll. (vgl. Sedmak 2003, S. 33)

Erkenntnistheorie formuliert und pflegt epistemische Tugenden

Ethischer Wortschatz wird auch in der Erkenntnistheorie angewendet. „Epistemische Rechte“ oder „epistemische Verantwortung“, sie ist eine doppelte epistemische Verpflichtung: „Wahres zu glauben und Falsches nicht zu glauben“. „[…] Und zwischen diesem naiven „common sense“ und jener skeptischen Position laviert die Erkenntnistheorie.“ (Sedmak 2003, S.35)

Vier epistemische Tugenden, die die ethische Bedeutung der Erkenntnistheorie explizit machen sind: Die epistemische Tugend der Unparteilichkeit, der Courage, der Bescheidenheit und der Vorsicht.

Erkenntnistheorie soll nicht allein auf die Beschäftigung mit dem Wissensbegriff reduziert werden

In der Frage nach Wissen geht es auch um den Kontext. Die Sprache, die linguistische Bewältigung des Alltags, ist auch die Voraussetzung, dass Erkenntnistheorie ihre Wichtigkeit belegen kann. „Warum Wissen?“ und „Welches Wissen?“ ist bedeutsam?

Wissen kann man also als potentielle Nutzinformation definieren.

Der Wissensbegriff hat seine Tücken

Wir handeln mit unserem Wissen. Der Wissensbegriff, sagt Sedmak, steht für „gültige Erkenntnis“. Es ist ein Unterschied, ob wir etwas wirklich „wissen“ oder nur eine „bloße Meinung“ haben. Platon erwähnt in seinem Dialog Theaitetos, dass 3 Bedingungen erfüllt sein müssen, wenn wir von „Wissen“ sprechen: eine Wahrheitsbedingung, eine Überzeugtheitsbedingung und eine Rechtfertigungsbedingung.

Für David Hume ist Wissen die Verknüpfung von Sinneseindrücken und Vorstellungen.

Die Beziehung von Erkenntnistheorie und Logik

Die Frage nach der Gültigkeit der logischen Denkgesetze kann nur dann klar beantwortet werden, wenn die Verbindungen zwischen Logik und Erkenntnistheorie passen. Hier ist der sichere Standpunkt der Logik und der Erkenntnistheorie von Relevanz. Nur so kann man über die logischen Denkgesetze etwas aussagen. Logik ist kein Teil der Erkenntnistheorie, trotzdem hat sie eine enge Verbindung zur Erkenntnistheorie. Beide sind selbstständige philosophische Disziplinen. Die Logik ist einer der bedeutsamsten Bedingungen für alle individuellen Erkenntniszweige und für die Erkenntnistheorie.

Literatur

Sedmak, Clemens: Erkennen und Verstehen. Grundkurs Erkenntnistheorie und Hermeneutik. Innsbruck (Tyrolia 2003)

Albrecht, Erhard: Die Beziehungen von Erkenntnistheorie, Logik und Sprache 1956

Internetquelle