Definition
Darüber, was sich hinter dem Begriff der „Definition“ wirklich verbirgt, sind sich nicht nur Logiker, sondern auch Mathematiker, Physiker und Juristen uneinig. Und selbst unter denen, die unter einer Definition dasselbe verstehen gibt es Differenzen im Bezug auf die Stellung dessen, was sie eine Definition nennen, beim Aufbau einer Wissenschaft. (vgl. Dubislav 1931, 1)
Begriff
Der Begriff „Definition“ kommt vom lateinischen Wort „Abgrenzung“ und wie alle menschlichen Handlungen ist auch das Definieren in erster Linie zweckbestimmt. So definiert man einen Begriff oder Ausdruck, um dessen Bedeutung und damit die Abgrenzung zu anderen Begriffen und Erscheinungen zu bezeichnen.
Zwischen dem Begriff - Definiendum: das zu Definierende - und der Definition - Definiens - steht ein Gleichheitszeichen, das heißt das Eine kann durch das Andere ersetzt werden. Um die Korrektheit einer Definition zu überprüfen, muss es möglich sein, den in einem Text vorkommenden Begriff durch die Definition zu ersetzten. Wird dadurch der Sinn des Textes verändert, ist die Definition falsch. So sollen sich aus der Definition Kriterien ergeben, anhand derer man entscheiden kann, ob etwas unter diesen Begriff fällt. Eine Definition wird auch als ungenau und falsch angesehen, wenn sie Aspekte einschließt, die nicht gemeint sind, oder Aspekte ausschließt, obwohl sie nach Ansicht des Verfassers dazu gehören. Zugleich wird sie als unvollständig betrachtet, wenn sie die gewünschte Abgrenzung nicht ausreichend leistet und wird als unbrauchbar angesehen, wenn sich nicht sagen lässt, ob sich der Sinn verändert: dann ist sie ohne Trennschärfe. Zweck des Definierens ist also auch die Verständigung zu verbessern. Oft ist sie durch die Wahrnehmung einer Mehrdeutigkeit oder Vagheit ausgelöst, die für die weitere Verständigung schädlich wäre und folglich vorab beseitigt werden muss. (vgl. Uni- Erfurt 2008)
Betrachtet man eine Definition formal, ist sie die Zuordnung von zwei Ausdrücken zueinander. Der Ausdrucke, der definiert wird, das Definiendum“ und das Definiens ist der, der wirklich definiert. Daraus folgt, dass der Ausdruck Definition zweideutig ist, denn er bezeichnet sowohl die Operation des Definierens als auch das Definiens. Der Ausdruck Definiens wird nur in den Kontexten, wo diese Ambiguität vermieden werden soll benötigt. In der Zuordnung werden das Definiendum und das Definiens gleichgesetzt bzw. für synonym erklärt. Natürlich können die Definitionen nicht den engen Synonymiebegriff anlegen, denn rein aus stilistischen Gründen kann das Definiens nicht in allen Fällen für das Definiendum eingesetzt werden. Und abgesehen davon ist zu fordern, dass das Definiendum an allen Stellen, wo es in Texten vorkommt, das Definiens besagt. (vgl. Uni- Erfurt 2008)
Übersicht über die wichtigsten Lehren der Definition
Eine Definition besteht in der Hauptsache aus …
… einer Wesensbestimmung (Sacherklärung) … einer Begriffsbestimmung (Begriffskonstruktion bzw. – zergliederung)
… einer Feststellung (nicht Festsetzung) der Bedeutung, die ein Zeichen besitzt, bzw. der Verwendung, die es findet.
… einer Festsetzung (nicht Feststellung) über die Bedeutung eines (neu einzu-führenden) Zeichens bzw. über die Verwendung, die es finden soll. (vgl. Dubislav 1931, 2) Arten der Definition - im Sinne von …
1. … Substitutionsvorschriften besonderer Art, durch die neuen Zeichen in den Rahmen eines Kalküls eingeführt werden. Und zwar so, dass die von dem Kalkül auf Grund einer ihm beigegebenen Deutungsvorschrift erfassten Sachverhalte von ihm auch nach seiner Erweiterung durch Einbeziehung der betreffenden Substitutionsvorschriften unverändert erfasst werden.
2. … Deutungsvorschriften von Kalkülen, durch die Formeln oder Formelbestandteile aus dem einem Kalkül gekoppelt werden mit Kraft des Kalküls zu erforschenden Sachverhalten.
3. …Begriffskonstruktion bzw. Begriffszergliederungen. Nach unserer Auffassung bilden diese Begriffskonstruktionen oder Begriffszergliederungen in der Hauptsache einen Sonderfall unter (1) charakterisierter Definition.
4. … Zeichenerklärungen, wie sie hauptsächlich innerhalb historischer und juristischer Untersuchungen auftreten, bei denen es sich darum handelt, einen vorliegenden Zeichen – bzw. Sprachgebrauch zutreffend zu ermitteln.
5. … Sacherklärungen. Dabei ist eine derartige Sacherklärung eines Gebildes, den Terminus Sacherklärung im weitesten Sinne genommen, der Inbegriff der wissenschaftlichen Aussagen über dasselbe bei ausdrücklicher Einbeziehung derjenigen dieser Aussagen, die sich im Rahmen der als gültig betrachteten Theorie zum Zeit lediglich durch logisch – mathematische Umformungen aus den Grundvoraussetzungen und den einschlägigen Wahrnehmungsurteilen gewinn lassen. (Dubislav 1931, 148)
Real- und Nominaldefinition
In der Scholastik unterscheidet man zwischen 2 Arten von Definitionen:
- Realdefinition: Angaben des Wesens, Begriffskonstruktionen
Sie ist die Erklärung eines Begriffs, die zum Ziel hat festzustellen, wie der Begriff verwendet wird. z.B. In einer Vorlesung kommt der Ausdruck „Hypothese“ vor. Das Wort ist dem Studenten Heinz zwar geläufig, aber der Dozent verwendet es in einer Weise, dass Heinz es nicht versteht. Daher ersucht er den Dozenten „Hypothese“ zu definieren. Darauf antwortet dieser: Eine Hypothese ist eine Annahme über einen Sachverhalt in einem empirischen Bereich …
- Nominaldefinition: Benennungen
Sie ist die explizite Einführung eines Terminus, die zum Ziel hat, für einen Begriff einen Terminus festzusetzen, ihn also durch Kopplung an ein Wort handhabbar zu machen. z.B. Ein Wissenschaftler W systematisiert die lexikalischen Relationen zwischen Begriffen. Er stößt auf Paare von Verben wie z.B. öffnen und schließen. Dann bringt er das Phänomen auf den Begriff, indem er formuliert: Es handelt sich um eine lexikalische Relation zwischen zwei Verben, von denen das eine die Überführung eines Gegenstands von Zustand Z1 in Z2 und das andere die Überführung des Gegenstands von Zustand Z2 in Z1 bedeutet. Nun fehlt ihm nur noch ein geeigneter Terminus für den so gefassten Begriff. Der Wissenschaftler definiert daher: Gegeben eine Bedeutung B1, die die Überführung eines Gegenstands von Zustand Z1 in Zustand Z2 impliziert, und eine Bedeutung B2, die die Überführung des Gegenstands von Z2 nach Z1 impliziert, so heißen B1 und B2 reversiv zueinander. So hat er jetzt dem Begriff einen Terminus zugewiesen, d.h. er hat von ‘reversiv’ eine Nominaldefinition gegeben
Nominaldefinitionen treten fast nur in der Wissenschaft auf, während Realdefinitionen hingegen auch in der täglichen Praxis vorkommen. Daher sind die letzteren ungleich lebenswichtiger als die ersteren. (vgl. Uni- Erfurt 2008)
Wie definiert man richtig?
Eine Definition stellt oft ein gutes und verlässliches Hilfsmittel dar, um eine klare Aussage zu machen. Zum richtigen definieren genügt der gute Wille allein nicht, man kann es besser oder schlechter machen. So ist die Beherrschung der Techniken des Definierens in manchen Wissenschaften eine Selbstverständlichkeit, während in anderen korrekte Definitionen seltener sind. Dies kann dazu führen, dass viele wissenschaftliche Thesen unklarer als nötig ausgedrückt und dadurch um die Chance gebracht werden, verbessert zu werden.
- Die Definition ist eine Äquivalenz.
- Die linke Seite der Äquivalenz ist der neu eingeführte Begriff (Er heißt „Definiendum“, die rechte Seite „Definiens“).
- Das Definiendum ist atomar.
- Im Definiendum kommt jede Variable, die vorkommt, genau einmal vor.
- Im Definiens und im Definiendum kommen genau dieselben Variablen frei vor.
- Das Definiendum ist neu; d.h:
6aDas Definiendum kommt weder im Definiens seiner eigenen Definition noch im Definiens einer früheren Definition vor. (Zirkelverbot.) 6b Das Definiendum kommt nicht früher schon als Definiendum vor; es sei denn, daß die jetzt betrachtete Definition aus dem bisherigen System ableitbar ist. (Verbot der Mehrfachdefinition.) 6c Das Definiendum kommt nicht in früheren Behauptungen vor; es sei denn, die Definition ist aus dem bisherigen System ableitbar. (Verbot der nachträglichen Interpretation.) (Von Savigny 1970, 126)
Die zu beachtende Definitionsregel, ist abhängig davon, für welche Definitionslehre man sich entschieden hat. So werden in den nicht formalen Wissenschaften folgende Punkte und Anforderungen als sinnvoll betrachtet:
Es sollen so wenig wie möglich unterschiedliche Interpretationsmöglichkeiten verwendet werden und dennoch soll eine Definition so einfach wie möglich sein. Diese ist umso besser, je schärfer die Grenzen zu anderen Begriffen sind. Wichtig ist, dass nur Begriffe verwendet werden, die schon als Allgemeinbegriff eindeutig sind oder bereits innerhalb derselben Wissenschaft definiert wurden.
Zudem soll eine Definition so wenige wie mögliche Ausnahmeregeln enthalten. (vgl. Wikipedia 2008)
Literatur
Dubislav, Walter (1931): Die Definition. Felix Meines Verlags, Leipzig
Von Savigny, Eike (1970): Grundkurs im wissenschaftlichen Definieren. Übungen zum Selbststudium.
Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
Internetquellen
Olev: Definiton Verfügbar unter: www.olev.de/c.htm Stand (2008- 05- 29)
Definition Verfügbar unter: http://www.uni-erfurt.de/sprachwissenschaft/personal/lehmann/ling/epistemology/concepts/Definition.html Stand (2008- 06-06)
Wikipedia (2008): Definition Verfügbar unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Definition Stand (2008-06-22)