Siegfried J. Schmidt
Siegfried J. Schmidt wurde 1940 in Jülich geboren. Er studierte Philosophie, Germanistik, Linguistik, Geschichte und Kunstgeschichte in Freiburg, Göttingen und Münster. Weitere interessante Fakten:
- 1965 Assistent am Philosophischen Seminar der TH Karlsruhe
- 1966 Promotion über den Zusammenhang zwischen Sprache und Denken von Locke bis Wittgenstein
- 1968 Habilitation für Philosophie
- 1971 Professor für Texttheorie an der Universität Bielefeld
- 1973 Professor für Theorie der Literatur an der Universität Bielefeld
- seit 1979 Professor für Germanistik/Allgemeine Literaturwissenschaft an der Universität-GH Siegen
- ab 1984 Direktor des Instituts für Empirische Literatur- und Medienforschung (LUMIS) der Universität Siegen
- 1997 Professor für Kommunikationstheorie und Medienkultur an der Universität Münster
- ab 1997 Direktor des Instituts für Kommunikationswissenschaft an der Universität Münster.
Siegfried J. Schmidt setzte sich in seinen Arbeiten häufig mit dem Lernen auseinander. Er bezieht sich dabei vor allem auf die konstruktivistische Auffassung des Lernens. Im folgenden einige Erklärungen nach Schmidt:
Der Begriff "Lernen"
„Da wir nicht wissen, was Lernen als Prozess ist, reden wir über Lernen als einen Prozess, der sich zwischen zwei Zuständen eines Systems abspielt, eben dem Zustand vor ‚dem Lernen’ und dem Zustand nach ‚dem Lernen’. Diese spezifische Zustandsveränderung nennen wir Lernen“ (Schmidt 2005, S. 100). Lernen bewirkt also eine Veränderung, genauer gesagt eine Veränderung die bei selbstorganisierenden Systemen zu beobachten ist.
Beobachtung von Lernprozessen
Lernprozesse können entweder bei sich selber (Selbstbeobachtung/Selbstreferenz) oder bei einer anderen Person (Fremdbeobachtung/Fremdreferenz) beobachtet werden. In beiden Fällen können dann Lernprozesse in der Zeitdimension, Sozialdimension oder in der Sachdimension beobachtet werden. In der Zeitdimension wird zwischen kurzfristig und langfristig bzw. episodisch und lebenslang, in der Sozialdimension zwischen individuellem und organisationellem Lernen und in der Sachdimension zwischen den Prozessbereichen Bewusstsein und Interaktion unterschieden.
Zwei Typen des Lernens
Wenn über Lernen geredet wird, wird vor allem zwischen dem elementaren lebenslangen Lernen und dem funktionalen episodischen Lernen unterschieden. Schmidt ist der Meinung, dass wir überall da lernen wo Erfahrungen gemacht werden. Die Bezeichnung episodisches Lernen meint, dass das Lernen auf bestimmte Lernphasen abgestimmt ist. Funktionales episodisches Lernen ist also jene Art von Lernen, „das auf die soziokulturelle Organisation von Lernbestätigung ausgerichtet ist, also Selbst- und Fremdbeobachtung koppelt und in Beziehung zur kollektiven […] Ordnung der Bewertung von bestimmten Handlungsperformanzen setzt“ (Schmidt 2005, S. 102).
Die Lernkultur
Die Lernkultur zeigt, „wie elementare in funktionale Lernprozesse überführt werden können“ (Schmidt 2005, S. 103). Um den Begriff der Lernkultur noch näher zu definieren greift Schmidt auf die Begriffe Wirklichkeitsmodell und Kulturprogramm zurück. Das Wirklichkeitsmodell entsteht aus dem Handeln und Kommunizieren heraus. Damit es aber dazu kommt muss es in einer Gemeinschaft kollektives Wissen geben, d. h. Wissen, welches von allen Mitgliedern einer Gemeinschaft geteilt wird. Wenn nun die Wirklichkeitsmodelle verknüpft und differenziert werden nach moralischer Bewertung, spricht man von Kultur (vgl. Schmidt 2005, S. 104). Somit kann Lernkultur „als Programm der Bezugnahmen auf alle Momente, die in einer Gesellschaft für Lernprozesse jeder Art relevant sind“ (Schmidt 2005, S. 104) definiert werden.
Selbstlernen
Selbstlernen bedeutet, dass jedes Individuum selber lernt, bzw. durch Selbstorganisation lernt. Jedes Individuum ist kognitiv einzigartig und somit ist auch seine Art und Weise zu lernen abhängig von seiner eigenen Kognition. Ein System, das lernt muss immer entscheiden was relevant ist und was nicht. Somit muss es den Lernanlass, den Lernprozess und das Lernergebnis als kognitiv oder interaktiv wichtig einschätzen um überhaupt eine Veränderung in Gang zu setzen.
Literatur
Schmidt, Siegfried J. (2005): Selbstorganisation und Lernkultur. In: Voß, Reinhard (Hrsg.) LernLust und EigenSinn. Systemisch-konstruktivistische Lernwelten. 1. Aufl. Heidelberg: Carl-Auer Systeme, S. 99-108
Weblinks
Projekt zu Ehren Siegfried J. Schmidt: http://www.sjschmidt.net
Werner Stangls Lehrtextsammlung. Die konstruktivistischen Lerntheorien: http://www.stangl-taller.at/ARBEITSBLAETTER/LERNEN/LerntheorienKonstruktive.shtml
Weiterführende Literatur
Schmidt, Siegfried J.(Hrsg.) (1987): Der Diskurs des Radikalen Konstruktivismus. 1. Aufl. Frankfurt am Main: Suhrkamp
Schmidt, Siegfried J. (Hrsg.) (1991): Gedächtnis. Probleme und Perspektiven der interdisziplinären Gedächtnisforschung. 1. Aufl. Frankfurt am Main: Suhrkamp