Theorie der Schweigespirale
Die von Elisabeth Noelle-Neumann 1970 entwickelte Theorie der Schweigespirale basiert auf der Prämisse des „Return of the concept of the powerful mass media“ und gehört damit ebenfalls zu den neueren Ansätzen der Medienwirkungsforschung. Gleichzeitig sind im Rahmen dieser Theorie aber die Grundkonzepte der Einstellungs- und Gruppentheorie in der Tradition von Lazarsfeld von großer Bedeutung.
Die Wirkung eines Mediums ist nach Noelle-Neumann umso stärker, je weniger selektive Wahrnehmung möglich ist, was besonders auf das Fernsehen zutrifft. Die hohe Wirksamkeit des Fernsehens beruht auf drei Faktoren:
Kumulation: als ständige Wiederholung der Botschaft
Konsonanz: als bewertungsmäßige Ähnlichkeit der Aussagen
Öffentlichkeitseffekt: als Bewusstsein darüber, dass alle die Botschaften rezipiere
Weiters geht Noelle-Neumann davon aus, dass Menschen soziales Konsonanzstreben an den Tag legen, weil sie Angst vor sozialer Isolation haben. Deshalb beobachten sie ständig ihre Umwelt, um sich an den Mainstream anpassen zu können.
Im Fernsehen vertretene Meinungen werden als Mehrheitsmeinungen wahrgenommen, auch wenn sie defacot Minderheitsmeinungen darstellen. Durch die Orientierung der Menschen an der medial vermittelten Meinung, könne ein Umschwung in der öffentlichen Meinung erzielt werden. Die erfolge einerseits dadurch, dass Menschen dazu neigen würden, ihre von der vermeintlichen Mehrheit abweichende Meinung zu äußern, aber auch durch die Steuerung der Wahrnehmung.
Kritik
Die Kritik an der Theorie richtet sich unter anderem gegen die Annahme des Konsonanzstrebens der Menschen. Zweifellos gibt es einen Personenkreis für den diese Annahme zutrifft. Allerdings ist davon auszugehen, dass deren Anteil an der Bevölkerung relativ gering ist.
Außerdem ist die herausragende Bedeutung des Fernsehens zu hinterfragen. So gibt es Belege die auf eine hohe Wirksamkeit der Presse sowie der personalen Kommunikation hindeuten. Mediatisierende Drittfaktoren werden in der Theorie ebenfalls nicht berücksichtigt.
Zudem stammt die Theorie aus einer Zeit, als das öffentlich-rechtliche Fernsehen sehr dominant war. Schon allein durch die Vielzahl der Fernsehkanäle ist auch die angenommene Konsonanz der Berichterstattung zu bezweifeln, insbesondere wenn man dazu auch noch die Vielfalt der genutzten Medien berücksichtigt.
Literatur
- Bonfadelli, Heinz (2004): Medienwirkungsforschung 1. UVK Verlagsgesellschaft. Konstanz. S. 156-166.
- Noelle-Neumann, Elisabeth (1973): Return to the Concept of Powerful Media. In: Studies of Broadcasting, 9. Jg. S. 67-112.