Medienkunde
Mehrere Medienwissenschaftler haben sich mit dem Begriff Medienkunde auseinandergesetzt. Baacke und Merkert beschreiben den theoretischen Aspekt des Begriffs, Schaub & Zenke haben eine praxisbezogene Definition. Schorb betrachtet den pädagogisch historischen Hintergrund, während Vollbrecht beim Begriff Medienkunde die informative Dimension sieht.
Baacke betrachtet Medienkunde, Medienerziehung Mediendidaktik und Medienforschung als die vier Aspekte der Medienpädagogik und zwar: „Medienkunde soll Wissen über die Funktion der Medien vermitteln und über eine Fülle technischer, organisatorischer, rechtlicher, ökonomischer, politischer und gesellschaftlicher Bedingungen und Voraussetzungen Wissen bereitstellen“ (Baacke 1997, S. 4).
Merkert definiert Medienkunde folgendermaßen: „Darunter versteht man die Gesamtheit der Kenntnisse über Medien: Über ihre historische Entwicklung und ihre gegenwärtige institutionelle und organisatorische Verfassung; über ihre juristischen, politischen, technischen, ökonomischen Aspekte; über Produktionsprozesse und Programmtendenzen bis hin zur Einübung der praktischen Handhabung von Geräten. Die Medienkunde ist eine notwendige Voraussetzung für Medienerziehung, wird aber häufig mit dieser gleichgesetzt. Sofern in der Schule Medien überhaupt zum Gegenstand des Unterrichts gemacht werden, geschieht dies zumeist als Medienkunde“ (Merkert 1996, S.1058).
Schaub & Zenke hingegen definieren den Begriff Medienkunde so: „Die Medienkunde vermittelt einen systematischen Überblick über die Vielfalt vor allem technischer Medien. Sie führt in die Handhabung der Geräte und Lehranlagen (Hardware) wie z.B. Filmprojektor, Sprachlaboranlagen, Computer ein. Sie vermittelt Kenntnisse über den Umgang mit entsprechenden Programmen (Software). Sie bietet Einblick in die Entstehung von Medienangeboten und regt zu eigenen Produktionen an (z.B. Videos, DVDs, Drehbücher).Gegenstand der Medienkunde ist die Reflexion der Medien“ (Schaub & Zenke 2000, S. 381).
Schorb sieht die Entstehung und Entwicklung des Begriffs im Laufe der Zeit und glaubt, dass die Medienkunde eine begriffliche Ordnung in die vielfältigen Möglichkeiten der Auseinandersetzung mit Medien bringen sollte. Die alte Bezeichnung „Kunde“, verweist auf den pädagogisch historischen Hintergrund dieses Begriffs. Der Begriff entstand in der Tradition einer kognitiv und normativ orientierten Pädagogik, wie sie in der Schulpädagogik vorherrschte, die versuchte, Wissen als bereits bewertetes zu vermitteln. Mit Hilfe dieser Lehre soll verstanden werden, was an einem Unterrichtsgegenstand wissenswert ist und zugleich sollte der rechte Gebrauch gelehrt werden. Der zu lehrende Begriff soll nicht nur funktional, sondern als bereits bewertet weitergegeben werden. Der Begriff hat also eine aufklärerische Dimension. Medienkunde war am Beginn des 20. Jahrhunderts, Aufklärung über das Medium Film. Kinder und Jugendliche sollten durch Wissen über schädliche Inhalte, vor schädlichen Einflüssen bewahrt werden. Die Medienkunde hatte ihre Blütezeit nach dem zweiten Weltkrieg. Es ging um den guten und den schlechten Film. Die Bewahrpädagogik versuchte, den Jugendlichen durch Kriterien, eine Wahl zwischen Gut und Schlecht zu ermöglichen. Es wurde angenommen, dass das Wissen um die Machart der Medien, die Aneignung von Bewertungskriterien erleichtern sollte. Es entstanden der Jugendmedienschutz und die „Freiwillige Selbstkontrolle“ der Filmwirtschaft, die die Aufgabe hatten, die schlimmsten Erzeugnisse von den Jugendlichen fernzuhalten. Ab den Sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts verlor der Begriff der Medienkunde die Anerkennung, da die Vertreter zu eng mit den restriktiven Maßnahmen des Jugendschutzes verbunden waren. Medienkunde bedeutet heute vor allem Vermittlung von Wissen über Medien. Diese funktional-kognitive Bedeutung ist heute noch in der Schulpädagogik zu finden. Für die Schulpädagogik ist Medienkunde der Unterricht, der (Massen)medien beschreibt, im Gegensatz zu einem Unterricht, der sich der Medien bedient (Mediendidaktik) oder einem Unterricht, der zum kritisch-reflexiven Gebrauch der Medien befähigt (Medienerziehung) (vgl. Schorb 2005, S. 263f).
Für Vollbrecht umfasst der Begriff die Dimension der Vermittlung: „Medien-Kunde ist zu verstehen im Hinblick auf Wissen und Können. Dieser Teilbereich beinhaltet eine informative Dimension ((klassische Wissensbestände wie ‚was ist ein duales Rundfunksystem’) sowie eine instrumentell-qualifikatorische Dimension (d.h. die Fähigkeit, Mediengeräte bedienen zu können)“ (Vollbrecht 2001, S. 61).
Literatur
Baacke, Dieter (1997): Medienpädagogik. Tübingen: Niemeyer.
Merkert, Paul Reinald (1996): Medienpädagogik. In: Hierdeis, Helmwart & Hug, Theo (Hrsg.): Taschenbuch der Pädagogik. Hohengehren: Schneider Verlag.
Schaub, Horst & Zenke, Karl (2000): Wörterbuch Pädagogik. 6. Aufl. München: DTV.
Schorb, Bernd (2005): Medienkunde. In: Hüter, Jürgen & Schorb, Bernd (Hrsg.): Grundbegriffe Medienpädagogik. 4. Auflage. München: kopaed.
Vollbrecht, Ralf ((2001): Medienpädagogik. Weinheim und Basel: Beltz Studium.
Weiterführende Webseiten
Universität Bielefeld: Medienkompetenz http://www.uni-bielefeld.de/paedagogik/agn/ag9/Texte/MKompetenz1.htm (Stand 2008-01-14).
Thüringer Kultusministerium – Handreichung für den Kurs Medienkunde http://www.thueringen.de/de/publikationen/pic/pubdownload274.pdf (Stand 2008-01-14).
Beats Biblionetz: Begriffe http://beat.doebe.li/bibliothek/w01505.html (Stand 2008-01-14).