Medienkultur

Medien sind ein Element der Kultur und ihrer Geschichte (vgl. Engell/Vogel/Siegert 2006, S. 23). Jedes Medium leistet seinen Beitrag zum Aufbau, Erhalt oder zur Veränderung eines bestimmten Zustandes innerhalb einer Kultur. Kultur wiederum erhält, beziehungsweise verändert jedes Medium und die Medien insgesamt gemäß ihrer jeweiligen Struktur. Die Wissenschaft der Medienkultur erforscht und beschreibt diese wechselseitige Beziehung.

Seit dem Ende der „Gutenberg-Galaxis“ (Marshall McLuhan) in den 60er Jahren, hat sich die Mediennutzung sehr verändert. Der damit einhergehende Wandel von Medienkultur, hat den Zusammenhang von Medien und Kultur in das Blickfeld einer breiteren Öffentlichkeit gerückt.(vgl. Faulstich 1998, S. 99-105).

Faulstich (1998) unterscheidet fünf Konzepte von Medienkultur:

Instrumentalistischer Medienkulturbegriff

(Vertreter: Karl H. Müller-Sachse, Dieter Stolte)
Medien sind technische Transportmittel für Politik, Wirtschaft aber auch Kulturprodukten, -themen, -inhalte (z.B. Theater, Malerei, Film, Musik, Literatur). Medien werden als „Kulturanbieter“ oder „Kulturvermittler“ verstanden.

Variante dieser Position: Medienkultur als medial vermittelte Bestandteile von „Realkultur“ (Hans Matthias Kepplinger)

Kritischer Medienkulturbegriff

(Vertreter: Walter Benjamin, Max Horkheimer, Theordor W. Adorno, Günther Anders, Neil Postman)
Mit „Medien“ sind vor allem elektronische Medien gemeint (Film, Fernsehen, Radio), die im starken Widerspruch zu Literatur, Tanz, Sprachkunst, Musik, Architektur etc., der anspruchsvollen Kultur und Kunst, gesehen werden. In diesem Sinne sind Medien „Verrat“ an der Kultur oder eine „Gefahr“ für die Kultur.

Deskriptiver / Komparatistischer Medienkulturbegriff

(Vertreter: Ernest W.B Hess-Lüttich)
Jedes Land hat seine eigenen, spezifischen Medienangebote und Mediennutzungsformen. Zu berücksichtigen sind hierbei der nationale Technikstand, das Verhältnis von Medienangebot und Mediennachfrage und die sozialen Bedingungen.

Normativer Medienkulturbegriff

(Vertreter: Wolfgang R. Langenbucher, Hausjell Fritz, Hermann Boventer, Werner Faulstich)
Darunter versteht man das mediale Handeln der Macher, Journalisten und Künstler nach kulturellen und ethischen Normen und Werten.

Variante dieser Position: Medienkultur als werteorientierte Kontrolle der Medieneinflüsse auf Politik, im Sinne von „politischer Kultur“ (Otfried Jarren)

Integrativer / Holistischer Medienkulturbegriff

(Vertreter: Ingo Hermann, Peter Zombik, Alois Huter, Joshua Meyrowitz)
Medien transportieren nicht nur Kultur, sie prägen sie ihrerseits auch. Jede Kultur bringt die ihr gemäßen Medien hervor und wird wiederum von diesen geprägt.

Literatur

Faulstich, Werner (Hrsg.) (1998). Grundwissen Medien. (4. Aufl). München: Fink

Engell,Lorenz; Vogel, Joseph & Siegert, Bernhard (Hrsg.) (2006). Kulturgeschichte als Mediengeschichte (oder vice versa). Weimar: Universitätsverlag.

Postman, Neil. (2006). Wir amüsieren uns zu Tode. Urteilsbildung im Zeitalter der Unterhaltungsindustrie. (17. Auflage). Frankfurt: Fischer. (Original erschienen 1985: Amusing Ourselves to Death)

Weiterführende Literatur

Faßler, Manfred (1999). Cyber-Moderne. Medienevolution, globale Netzwerke und die Künste der Kommunikation. Wien, New York: Springer

Flusser, Vilem (2002). Medienkulur. Frankfurt am Main: Fischer

Hartmann, Frank (2006). Globale Medienkultur. Technik, Geschichte, Theorien. Wien: Facultas

McLuhan, Herbert Marshall (1964). Understanding Media. The Extension of Man. New York: McGraw-Hill

Pias, Claus (Hrsg.) (2002). Kursbuch Medienkultur : die maßgeblichen Theorien von Brecht bis Baudrillard. Stuttgart : DVA

Rieger, Stefan (2001). Die Individualität der Medien. Eine Geschichte der Wissenschaften vom Menschen. Frankfurt am Main: Suhrkamp

Weblinks