Medienkritik
Der Begriff Medienkritik umfasst ein großes Spektrum an Bedeutungen. Von der Filmkritik an, über der Kritik an der Bewusstseinsindustrie (Enzensberger), bis hin zur Kritik an der Werbung (TV, Radio und Printwerbung) und Kritik an der Manipulation der Medien, Oligopolbildung der Medien. Medien als Zerstörer der Privatsphäre, sowie Medien als Sprachrohr der Mächtigen. Somit erreicht der Begriff Medienkritik ein breit gefächertes Spektrum, dessen Vollständigkeit zu erlangen, noch eine Vielzahl von ergänzenden Einträgen verschiedener Nutzer willkommen und nötig sein wird.
Geschichte der Medienkritik
Die Medienkritik in Deutschland hatte in den sechziger Jahren in Adorno einen ihrer wichtigsten Vertreter. Adornos kritische Haltung gegenüber Medien war ablehnend. In seinem „Prolog zum Fernsehen“, der auf Studien beruht, die er 1952/53 in Amerika machte, beschrieb er das Wesen des Mediums Fernsehen folgendermaßen:
„Jene fatale ‚Nähe‘ des Fernsehens, Ursache aus der angeblich gemeinschaftsbildenden Wirkung der Apparate, um die Familienangehörige und Freunde, die sich sonst nichts zu sagen wüssten, stumpfsinnig sich versammeln, befriedigt nicht nur eine Begierde, vor der nichts Geistiges bestehen darf, wenn es nicht in Besitz verwandelt, sondern vernebelt obendrein die reale Entfremdung zwischen Menschen und zwischen Menschen und Dingen.“ (Adorno 1963, S.74f)
Jedoch ist Theodor W. Adorno nicht der erste, der sich öffentlich über die Wirkung der Massenmedien äußerte. 1932, zu einem Zeitpunkt, da Hitlers Gebrüll bereits in ganz Europa zu hören war, hielt Bertolt Brecht eine Rede über die Funktion des Rundfunks, in der er die Einseitigkeit des Mediums anprangerte:„Der Rundfunk ist aus einem Distributionsapparat in einen Kommunikationsapparat zu verwandeln. Der Rundfunk wäre der denkbar großartigste Kommunikationsapparat des öffentlichen Lebens, ein ungeheures Kanalsystem, das heißt, er wäre es, wenn er verstünde, nicht nur auszusenden, sondern auch empfangen, also den Zuhörer nicht nur hören, sondern auch sprechen zu machen und ihn nicht zu isolieren, sondern ihn in Beziehung zu setzen.“ (Brecht in Prokop 1995, S.321)
Mit dem Entstehen von elektronisch verbreiteten Massenmedien setze sich eine Form der kritischen Begleitung auch bei Medienangeboten fort. Medien wurden in der publizistischen Kritik ähnlich behandelt wie die bisherigen kulturellen Angebote, wie Literatur, oder Theater. Die Geschichte der Medienkritik ist eng verflochten mit, und sie hat ihren Ursprung in der Film- und Medienkritik. (vgl. Bleicher, S. 2)
Kritik in Medien
Seit ihrem Entstehen werden Medien von einer kontinuierlichen kritischen Debatte um ihre Angebote und ihre Funktion geleitet. Im Rahmen dieser Debatte entstanden vielfältige Formen der kritischen Beschäftigung von Medien. So lassen sich Formen von Kritik in Medien, in der in einem Medium die Angebote eines anderen Mediums kritisiert werden und Formen der selbstreferenziellen Medienkritik, in der die Angebote des eigenen Mediums kritisiert werden, unterscheiden. Im Bereich der internationalen Kritik, erfolgt eine wechselseitige Beobachtung der verschiedenen Akteure des Mediensystems. So setzen sich Printmedien wie etwa Zeitungen vor allem mit einzelnen Angeboten der audiovisuellen Massenmedien, beispielsweise Kinofilmen und Fernsehsendungen, auseinander. Einzelne Kinofilme wie etwa „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ (1975) kritisieren die Arbeit der Printmedien. Die Rezension ist die am weitesten verbreitete Textsorte der Medienkritik in Zeitungen und Zeitschriften. Innerhalb der – Feuilletons gibt es auch Essays zu Teilfragen der Medienentwicklung und Glossen, die der ironischen Betrachtung einzelner Erscheinungsformen von Medienangeboten dienen. Seltener sind Formatkritiken, die beispielsweise diverse Talkshow oder Reality Formate in einem Artikel thematisieren. Diese Form findet sich in Medienfachdiensten wie EPD Medien, die sich an die Mitarbeiter von Medienunternehmen richten. Für die Kritik von Kinospielfilmen haben sich eigene Publikationsorgane wie etwa Cinema oder EPD Film etabliert. Im Internet etablieren sich Weblogs wie Bildblog.de als Instanzen der Kritik. Der Wahrheitsgehalt von Printmedien wird hier ebenso kritisch betrachtet wie aktuelle Fernsehentwicklungen. Einzelne Webseiten etwa der Landesmedienanstalten bieten den Nutzerinnen die Möglichkeit, aus der Sicht der Rezipienten Kritik gegenüber aktuellen Medienangeboten zu formulieren. Formen der selbstreferenziellen Medienkritik finden sich vor allem im Fernsehen. Hier setzen sich Medien- und Kulturmagazine mit Fernsehsendungen auseinander. Auch im Bereich von Unterhaltungsshows findet eine kritische Beschäftigung mit Fernsehsendungen statt, die jedoch nicht auf eine sachliche, sondern eine parodistisch ironische Auseinandersetzung setzt. In vielen Ländern etablierte sich die Medienkritik als kontinuierlicher Tätigkeitsbereich in bestimmten Institutionen wie den Landesmedienanstalten, oder Interessensverbänden wie etwa Hörer- oder Zuschauervereinigungen. Die wissenschaftliche Medienkritik befasst sich vor allem mit den Folgen von Medienangeboten. Die wachsende Bedeutung der symbolischen Politik, in der medienwirksame Inszenierungen die thematische Beschäftigung mit politischen Inhalten ersetzten, wurde ebenso kritisiert wie Gewaltdarstellungen in Film, Fernsehen und Computerspielen. Ein weiterer zentraler Kritikpunkt richtet sich gegen die Virtualisierung der Wirklichkeitserfahrung durch Medienangebote. (vgl. Hans-Bredow-Institut 2006, S.119-120)
Medienkritiker
Links
Institut für angewandte Kindermedienforschung
Literatur
Adorno, Theodor W. (1963): Prolog zum Fernsehen, in: Eingriffe: Neue kritische Modelle. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag.
Hans-Bredow-Institut (Hrsg.) (2006): Medien von A bis Z. Wiesbaden: VS Verlag.
Prokop, Dieter (1995): Medien- Macht und Massen-Wirkung: Ein geschichtlicher Überblick. Freiburg im Breisgau: Rombach.
Bleicher, Joan Kristin: Traditionslinien und Geschichte der Medienkritik. Verfügbar unter: http://www.lfm-nrw.de/downloads/zurkr-bleich-tradi-linien.pdf (Zugriff am 10. 12.2007)