Medienkompetenz

Definition

Medienkompetenz bezeichnet alle Fähigkeiten, die das Individuum innerhalb einer Medien- bzw. Informationsgesellschaft benötigt, von der Anpassung über kritische Reflexion bis hin zur aktiven Gestaltung (vgl. Hüther & Schorb 2005, S. 257). Der Nutzer soll befähigt werden, neue Möglichkeiten der Informationsverarbeitung selbständig handhaben zu können (vgl. Baacke 1997, S. 98).

Geschichte

Die Anfänge des Begriffes Medienkompetenz in der medienpädagogischen Theorie liegen in der Habermas’schen Theorie der Kommunikativen Kompetenz, welche von Baacke aufgenommen und weitergeführt wurde. Diese Kompetenz besteht im Austausch zwischen Menschen, um das Zusammenleben, die soziale Realität zu gestalten und zu verändern (vgl. Hüther & Schorb 2005, S. 257). Sie realisiert sich im Alltag der Menschen, in verschiedenen Bildungsinstitutionen und wird durch historische und gesellschaftliche Bedingungen bestimmt, welche die „Folie für die biographische Entwicklung und die Lerngeschichte von Heranwachsenden darstellen“ (Baacke 1996 in: Tvasman 2006, S. 245).

Modelle

In theoretischen Modellen wird Medienkompetenz vielfältig unterteilt. Groeben (vgl. Groeben 2002) unterscheidet sieben Dimensionen: Medienwissen bzw. Medialitätsbewusstsein, medienspezifische Rezeptionsmuster, medienbezogene Genussfähigkeit, medienbezogene Kritikfähigkeit, Selektion und Kombination von Mediennutzung, produktive Partizipationsmuster und Anschlusskommunikation. Moser (vgl. Moser 2000) hingegen gliedert Medienkompetenz nur in vier Bereiche: technische, kulturelle, soziale und reflexive Kompetenzen (vgl. Moser 2000). Für Baacke sind grundlegende Kompetenzen die Fähigkeit zu Medienkritik in analytischer, reflexiver und ethischer Weise, Wissen über Medien und Mediensysteme und der Umgang mit ihnen im Sinne der Medienkunde, die Fähigkeit zur rezeptiv-anwendend bzw. interaktiv-anbietenden Mediennutzung und die Fähigkeit zur innovativen und kreativen Mediengestaltung (vgl. Baacke 1997, S. 98f).

Aufgaben

Medienkompetenz stellt ein neues Arbeitsfeld dar, mit vielen verschiedenen Aufgaben. Die Medienbildung soll zum Beispiel helfen, sich reflexiv zu sprachlichen und bildlichen Medien zu verhalten. (→ Bildkompetenz) Weiters obliegt der Medienkompetenz eine intergenerationelle Aufgabe, nämlich gemeinsames und voneinander Lernen zwischen Erwachsenen und Kindern bzw. Jugendlichen zu fördern. Alle Menschen sollten den gleichen Zugang zu neuen Medien haben. Die Herausforderung für die Medienkompetenz besteht deshalb darin, Chancengleichheit herzustellen. Nicht zuletzt gilt es auch die interkulturellen Spannungen zwischen den verschiedenen Kulturen innerhalb einer Gesellschaft zu reduzieren (vgl. Kleber 2000, S. 37ff).

Kritik

Die Schwierigkeit, eine eindeutige Theorie zum Begriff Medienkompetenz zu formulieren, zeigt sich in den vielfältigen Ansichten dessen, was Medienkompetenz sein soll: Erziehungsziel, allgemeine Handlungskompetenz oder die Schlüsselfunktion der Zukunft (vgl. Rein 1996, Mikos 1996 in: Baumann 2001, S. 249). Hinsichtlich der sich ständig erneuernden Medienangebote ist Medienkompetenz ein unabkömmliches Gut der globalen Gesellschaft (→ media literacy) (vgl. Volkmer 1995). Auch Baacke kritisiert den Begriff als zu unspezifisch und unausgefüllt, denn er gäbe keine Anweisungen, wie die einzelnen Dimensionen praktisch, didaktisch und methodisch umzusetzen und zu vermitteln seien (vgl. Baacke 1997, Hüther & Schorb 2005). Er bemängelt die rein rationale Sichtweise der Medienkompetenz, denn auch Körperlichkeit und Emotionalität sind Teil kompetenter Menschen. Er spricht dabei von einer Unterhaltungskompetenz als Teil von Medien-Gestaltung (vgl. Baacke 1997, S. 100).

Literatur

  • Baacke, Dieter (1997): Medienpädagogik. Tübingen: Niemeyer Verlag
  • Baumann, Thomas (2001): Medienpädagogik und Internet. Eine Abhandlung zur Erlangung der Doktorwürde der Philosophischen Fakultät der Universität Zürich. Zürich: Zentralstelle der Studentenschaft.
  • Bentele Günter, Brosius Hans-Bernd & Jarren Otfried (Hg.) (2006): Lexikon Kommunikations- und Medienwissenschaften. 1. Auflage. Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften.
  • Groeben, Norbert (2002) (Hg.) : Medienkompetenz: Voraussetzungen, Dimensionen, Funktionen. Weinheim: Juventa -Verlag
  • Hüther Jürgen & Schorb Bernd (Hg.) (2005): Grundbegriffe Medienpädagogik. 4. Auflage. München: KoPäd.
  • Kleber, Hubert (Hg.) (2006): Spannungsfeld Medien und Erziehung. Medienpädagogische Perspektiven. München: KoPäd Verlag.
  • Moser, Heinz (2000): Einführung in die Medienpädagogik: Aufwachsen im Medienzeitalter. 3. Auflage. Opladen: Leske + Budrich.
  • Rein, Antje von (1996) (Hg.): Medienkompetenz als Schlüsselbegriff. Bad Heilbrunn, Obb.: Klinkhardt.
  • Tvasman, Leon R. (Hg.) (2006): Das große Lexikon Medien und Kommunikation. Würzburg: Ergon Verlag.
  • Volkmer, Ingrid (1995) (Hg.): Kommunikative Kompetenz in einer sich verändernden Medienwelt. Opladen: Leske + Budrich.

Weiterführende Literatur und Webquellen

  • Baacke, Dieter (1973): Kommunikation und Kompetenz. Grundlegung einer Didaktik der Kommunikation und ihrer Medien. München
  • Enquete-Kommission Zukunft der Medien in Wirtschaft und Gesellschaft (1997) (Hg.): Medienkompetenz im Informationszeitalter. Bonn.
  • Schell, Fred (1999) (Hg.): Medienkompetenz und pädagogisches Handeln. München: KoPäd Verlag
  • Europäisches Zentrum für Medienkompetenz: http://www.ecmc.de/