Medienanthropologie
Medienanthropologie befasst sich grundsätzlich mit der Wechselwirkung Medium-Mensch in dem sie den Ansatz verfolgt, dass „…Medien zunächst auf Individuen wirken, indem sie auf irgendeine Weise deren Wahrnehmung bereichern, beeinflussen, manipulieren, im weitesten Sinne also deren Sinne affizieren…“ (Karpenstein, 2004, S. 9) Hier spielt die gesellschaftliche Funktion von Medien und deren kulturelle Bedeutung eine entscheidende Rolle. Man geht in der Medienanthropologie davon aus, dass seit den Anfängen unserer Gattungsgeschichte unser Denken und unsere Wirklichkeit schon immer symbolisch-medial vermittelt sind. (Albertz 2002, S. 7) Sie setzt es sich also zur Aufgabe die Veränderungen des Menschen in der Mediengesellschaft zu reflektieren und mit kritischen Fragen zu begleiten, wie zum Beispiel: Nutzt der Mensch das Medium für seine Zwecke? Sind Medien also in diesem Sinne Prothesen (menschlicher Wahrnehmung)? Wird der Mensch durch die ihn umgebenden Medien manipuliert? Ist der Mensch nicht selbst Medium, das wiederum mit anderen Medien in einer Beziehung steht? (Vgl. Internet 1)
Da die Medienanthropologie noch ein sehr junges interdisziplinäres Forschungsgebiet ist, ist noch nicht klar definiert wo man sie einordnen muss. Von einigen Vertretr/innen wird sie in die Nähe der (1) philosophischen Anthropologie, der (2)Kulturanthropologie/ Sozialanthropologie, oder der (3) Medienpädagogik, anderer Medienwissenschaften gerückt.
(1)Vertreter der philosophischen Anthropologie wie Max Scheler, Helmuth Plessner, und Arnold Gehlen „…konzipieren den Mensch als zwischen „Drang und Geist“ gespaltene Existenz (Scheler), als „exzentrisches“(Plessner) oder „riskiertes“(Gehlen) Wesen…“ (Vgl. Hierdeis/Hug 1997, S. 51) Sie sehen im Geist, der durchaus auch als Medium zu denken ist, das, was Menschen miteinander verbindet und sie zu einem sozialen Wesen macht. Somit könnte die philosophische Anthropologie dieser Vertreter durchaus als konstitutiv für eine Anthropologie der Medien bewertet werden.
(2)In der heutigen Kulturanthropologie, die sich aus der Volkskunde entwickelt hat, wird Kultur als Alltag begriffen und Alltag als Kultur. (Vgl. Internet 2) „Formal lässt sich eine Theorie der Kultur in der mittleren Bedeutung des Wortes nämlich durchaus als ein Ensemble der verfügbaren Medien und der damit verbundenen Formen der Inszenierung, der Kommunikation und der kulturellen Lebenspraxis begreifen.“ (Albertz 2002, S. 173)
(3)Medienpädagogik wird in vier große Teilbereiche gegliedert: Medienkunde, Medienforschung, Medienerziehung und Mediendidaktik und macht es sich zur Aufgabe, die Behandlung pädagogischer, sowohl praktischer als auch theoretischer Fragen im Zusammenhang mit Medien zu stellen. (Hierdeis/Hug 1997, S. 1057) Eine Medienanthropologie als Grundbasis zur Erforschung dieser Fragestellungen ist eine Voraussetzung zum richtigen Verständnis der Wirkung Mensch-Medium und umgekehrt.
Verwendete Literatur
- Albertz,Jörg (2002):„Anthropologie der Medien-Mensch und Kommunikationstechnologien“: Mercedes-Druck Gmbh. Berlin
- Hierdeis,Helmwart und Hug,Theo (Hrsg.)(1997): „Taschenbuch der Pädagogik 1“.Baltmannsweiler: Schneider-Verl. Hohengehren. 5. Auflage
- Hierdeis,Helmwart und Hug,Theo (Hrsg.)(1997): „Taschenbuch der Pädagogik 3“.Baltmannsweiler: Schneider-Verl. Hihengehren. 5. Auflage
- Karpenstein-Eßbach,Christa (2004):„Einführung in die Kulturwissenschaft der Medien“. UTB-Fink. Paderborn
Weiterführende Literartur
- Pirner,Manfred und Rate,Matthias (Hrsg.)(2003):„Homo Medialis-Perspektiven und Probleme einer Anthropologie der Medien“:Kopaed. München
- Fürnkäs,Josef (2005):„Medienanthropologie und Medienavantgarde“:Transcript. Bielefeld. Band 13
Internetquellen
- Internet 1: Greschonig,Steffen(2007):„Mensch und Medium.Ansätze medienanthropologischer Konvergenzen und Differenzen“. Verfügbar unter http://www.sicetnon.org/content/pdf/medienanthropologie.pdf
- Internet 2: http://de.wikipedia.org/wiki/Kulturanthropologie (18.12.2007)