Kultivierungshypothese

Cultivation of Beliefs-Ansatz, auch Kutivationsthese oder - analyse.

Die Theorie entstand Anfang der 70iger-Jahre im Rahmen der Vielseherforschung. Der Medienwissenschaftler George Grebner und sein Team untersuchten den Einfluss des Fernsehens auf das Weltbild der Rezipienten.
Methodisch wurde eine Inhaltsanalyse des Fernsehprogramms (Cultural Indicator Analysis) und eine Rezipientenbefragung (Cultivation Analysis) durchgeführt. Dabei wurde festgestellt, dass die im Fernsehen dargestellte Medienrealität gravierende Auswirkungen auf die Wahrnehmung der Realität für die Rezipienten hatte. Als Beispiel dafür wird das im Fernsehen gezeigte Ausmaß von Gewalt angeführt. Da im Fernsehen mehr Gewalt vorkommt als im realen Leben, übernahmen Vielseher diese Darstellung auch für die Realität. Sie gingen daher von einem höheren realen Gewaltpotential aus, als Wenigseher.

Durch die langfristige und kumulative Nutzung des Mediums Fernsehen, fungiere diese als Symbolproduzent und übernehmediesbezüglich die Rolle der Religion. Es würden dadurch konsonante Vorstellungen der Realität erzeugt, die der Mainstream-Ideologie der Gesellschaft entsprächen.

Kritik

Dem Modell wird vorgeworfen, dass es im Prinzip ebenfalls nach einem S-R-Schema (Stimulus - Response) vorgehe. Der einzige Unterschied sei, dass es nicht um die Wirkung eines einzelnen Reizes, sondern um die kumulative Wirkung geht. Außerdem würden Drittfaktoren, die Einstellungsveränderungen mit beeinflussen könnten, nicht berücksichtigt.
Es bestehe das Problem, kausale Globalbeziehungen im Rahmen eines komplexen Wirkungszusammenhangs stichhaltig nachzuweisen. Auch der einseitige Bezug auf das Fernsehen ist zu kritisieren.

Literatur

  • Bonfadelli, Klaus (2004): Medienwirkungsforschung 1. UVK Verlagsgesellschaft. Konstanz. S. 261-282.
  • Grebner, George (2004): Kultivierungsperspektive. Medienwirkungen im Zeitalter von Monopolisierung und Globalisierung. In: Schorr, Angela (Hrsg.): Publikums- und Wirkungsforschung. Westdeutscher Verlag. Wiesbaden. S. 101-121.