Infotainment
Etymologie und Bedeutung
Der Begriff Infotainment ist ein sogenanntes Kofferwort, das sich aus den englischen Wortteilen „Information“ sowie „Entertainment“ (Unterhaltung) zusammensetzt. Unter Infotainment versteht man im Wesentlichen eine Kommunikationsform, in der die beiden Ebenen der Information und die der Unterhaltung miteinander verschmelzen. Man kann je nach Betrachtungsweise also davon ausgehen, dass Information in Unterhaltungselemente eingebettet ist – oder, dass Unterhaltung mit Information angereichert wird. In beiden Fällen soll vor allem das Ziel verfolgt werden, Inhalte den Rezipienten leichter zugänglich zu machen.
Ursprung des Begriffes
Der Begriff wurde ursprünglich vom US-amerikanischen Medienwissenschaftler Neil Postman (1931 – 2003) geprägt. Dieser gebrauchte den Begriff vor allem in Zusammenhang mit seiner Kritik am Medium Fernsehen. Er vertrat die These, dass das Fernsehen die Urteilsbildung der Bürger gefährde – und die, wie er meinte, oberflächliche Bebilderung schlussendlich dazu führen müsse, dass Politik und Kultur zu inhaltsleeren Unterhaltungsthemen würden. Postman sprach in diesem Zusammenhang von der „Infantilisierung der Gesellschaft“. (vgl. Postman 2006)
Das nachstehende Zitat bringt die Hauptkritik Postmans` an den Infotainmenttendenzen im Fernsehen sehr gut auf den Punkt. „Problematisch am Fernsehen ist nicht, dass es uns unterhaltsame Themen präsentiert, problematisch ist, dass es jedes Thema als Unterhaltung präsentiert.“ (Postman, 2006, S.110)
Aktuelle Tendenzen
Infotainment setzt sich heute in vielen wichtigen Medien (Produktwerbung, Public Relations, Radio, Fernsehen, Internet) immer mehr als eine der wesentlichen Leitideen durch. Akzeptanz und Erfolg dieses Konzeptes beruhen in Bezug auf eben genannte Medien- dabei vermutlich auf einer „…emotionalisierend- affektorientierten Darstellung der Informationen“. (Schultheiss 2001, S.65)
Infotainment findet darüber hinaus aber gerade auch in der Technik Anwendung. Gerade in technischen Zusammenhängen, wo es wichtig ist, dass der/die Nutzer/in viele Informationen auf einmal verarbeiten muss (z.B. in einem Fahrzeug), haben sich Systeme – wie die „Mensch-Maschine-Schnittstelle“ (Man Machine Interface, MMI) längst etabliert. Ganz dem Prinzip des Infotainment folgend können derartige Systeme heute bereits in vielen Fällen Unterhaltungsmedien wie Radio, DVD ansteuern - aber ebenso in Sekundenbruchteilen vor Hindernissen auf der Fahrban warnen – oder die aktuelle Verkehrssituation in Form von interaktiven Karten anzeigen. (vgl. Geiger 2003)
Kritik
Neben der Kritik, die Postman selbst durch den Begriff des „Infotainments“ zum Ausdruck gebracht hat, – gibt es neben der relativ unkritischen Interpretation des Begriffes und seiner Anwendung durch Medien, wie Herstellern von technischen Geräten – durchaus auch heute Stimmen die diese Thematik unter kritischen Vorzeichen betrachten. So sind insbesondere im mediendidaktischen Umfeld noch einige Fragen ungeklärt. Die Frage nach der Qualität des durch „Infotainment“ vermittelten Wissens – ist genauso Inhalt des wissenschaftlichen Diskurses wie auch die Frage welchen Einfluss „Infotainment“ denn überhaupt auf die Mediensozialisation von Menschen hat. (vgl. Pietraß 2007)
externe Links
Neil Postman - Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Neil_Postman
Literaturverzeichnis
Geiger, Michael (2003): Berührungslose Bedienung von Infotainment- Systemen im Fahrzeug. Dissertation. München. Technische Universität München : Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik.
Pietraß, Manuela (2007): Bildungsdefizite durch Infotainment?. Die didaktische Bedeutung medialer Gestaltungsmittel. In: J. Fromme, & B. Schäffer (Hrsg.): Medien - Macht – Gesellschaft. Wiesbaden: VS - Verlag für Sozialwissenschaften, S. 121 – 136.
Postmann, Neil (2006): Wir amüsieren uns zu Tode. Urteilsbildung im Zeitalter der Unterhaltungsindustrie. 17. Auflage. Frankfurt a. Main: Fischer Taschenbuch Verlag.
Schultheiss, Britta (2001): Infotainment: Der Einfluss emotionalisierend-affektorientierter Darstellung auf die Glaubwürdigkeit. In: Medien & Kommunikationswissenschaft, Ausgabe 48 , S. 65 ff.