Digital Divide
Der Begriff „Digital Divide“ (deutsch „Digitale Spaltung“, oder auch engl. „Digital Gap“, deutsch „Digitale Kluft“) wird üblicherweise benutzt, um den ungleichen Zugang von einzelnen Benutzern zu Computern oder online Ressourcen zu beschreiben. Dieser Begriff beruht auf der sogenannten Wissenskluft-hypothese, die an der Minnesota University entwickelt wurde.
1. Zugangskluft
„Ausgangspunkt der Diskussion ist die empirisch beobachtbare Tatsache, dass diese Technologie, und dabei insbesondere das Internet, sich zwar mit großer Geschwindigkeit ausbreiten, diese Ausbreitung allerdings sozial sehr heterogen erfolgt.“ (Marr 2003, online)
Problematisch ist, dass vor allem solche soziale Gruppen von den Anwendungsmöglichkeiten von Computer und Internet ausgeschlossen bleiben, die ohnehin schon zu den unterprivilegierten Schichten der Gesellschaft gehören. Aus der Deutung dieser Ungleichheit ergibt sich das Bedrohungsszenario einer neuen „Zweiklassengesellschaft“, wo sich die von Bill Clinton sogenannten „Information-Poor“ und „Information-Rich“ gegenüber stehen.
2. Nutzungskluft
Im Gegensatz zu den Zugangsklüften wird mit der Nutzungskluft nach jenen Unterschieden gefragt, die sich innerhalb der Gruppe der Nutzer beobachten lassen. Dabei wird die Überlegung zugrunde gelegt, dass die unterschiedliche Nutzung und soziale Benachteiligung aus spezifischen (z.B. Schicht, Gender, Alter) Umgangsweisen mit dem Internet resultiert. Solche Nutzungsdifferenzen konnten auch schon im Umgang mit herkömmlichen Massenmedien nachgewiesen werden. (vgl. Bonfadelli 1994)
„So nutzen Männer im Vergleich zu den Frauen das Internet regelmäßiger, häufiger im beruflichen Umfeld und vielseitiger. […] Außerdem nimmt die Bedeutung des Internet als Unterhaltungsmedium mit steigendem Alter ab. Den mit Abstand deutlichsten Effekt auf die Nutzung des Internet hat ohne Zweifel die Bildung“ (Marr 2003, online)
3. Weitere Aspekte der Spaltung
Die Digitale Spaltung lässt sich auch anhand weiterer Aspekte beschreiben:
Globale Spaltung
Die unterschiedlichen Zugangsmöglichkeiten zwischen armen und reichen Ländern
Soziale Spaltung
Unterschiedliche Möglichkeiten für den Zugang zwischen armen und reichen Menschen, Anghörigen der Unter-vs. Mittel- und Oberschicht innerhalb eines Landes
Gender Divide
Empirische Untersuchungen zeigen, dass Männer eher online sind als Frauen (vlg. Marr 2003)
Sprachliche Spaltung
Der Großteil der Software und die meisten Websites sind nur auf Englisch, oder in wenigen anderen großen Sprachen verfügbar
4. Überwindung der Digitalen Kluft
Bezüglich der Überwindung der digitalen Kluft konnte auf den UN-Weltgipfeln (WSIS) 2003 in Genf und 2005 in Tunis keine Einigung erzielt werden. Der von vielen Ländern geforderte „Digitale Solidaritätsfonds“, wurde von den meisten Industriestaaten abgelehnt. „Wie überbrückt man die 'Digitale Kluft'? Mit bezahlbarer Hard- und Software, glaubt Media-Lab-Begründer Nicholas Negroponte vom MIT. In Tunis führte er Kofi Annan einen ersten Prototypen vor: giftgrün, WiFi-vernetzt und mit Handkurbel zur Stromerzeugung.“ (Spiegel Oneline, 2007) Ziel des 100-Dollar-Laptop Projekt ist es, Schülern aus Entwicklungs- und Schwellenländern, einen mobilen innovativen und dennoch kostengünstigen Computer zur Verfügung zu stellen. Eine weitere Möglichkeit der Überwindung der Digitalen Kluft, wird in der Bereitstellung freier Software und freier Inhalte gesehen (Open-Source-Software). Durch Anpassbarkeit und Wissenstransfer, geringere Kosten für Soft- und Hardware, technologische Unabhängigkeit und die Möglichkeit der sprachlichen lokalen Anpassung, sind ärmere Länder nicht von Patenten und Copyrights abhängig.
5. Literatur
- Bonfadelli, Heinz (1994): Die Wissenskluft-Perspektive. Massenmedien und gesellschaftliche Information. UVK Verlagsgesellschaft. Konstanz.
- Kubicek, Herbert / Welling, Stefan (2000): Von einer digitalen Spaltung in Deutschland? (http://internet.fuer.alle.de/transfer/doenload/MD110.pdf) Annäherung an ein verdecktes Problem von wirtschafts- und gesellschaftspolitischer Brisanz. In: Medien- & Kommunikationswissenschaft, Jg.48, Nr. 4, S. 497-517.
- Marr, Mirko (2005): Internetzugang und politische Informiertheit - zur digitalen Spaltung der Gesellschaft. UVK Verlagsgesellschaft. Konstanz.
6. Weblinks
- Spiegel Online (2007): http://www.spiegel.de/netzwelt/tech/0,1518,385400,00.html (03.12.2007)
- http://viadrina.euv-frankfurt-o.de/~sk/diges/divide.html (03.12.20079)
- http://www.itas.fzk.de/deu/lit/2006/krri06a.pdf (03.12.2007)
- http://www.itu.int/wsis/index.html (03.12.2007)