Veröffentlicht von Sanin Michaela

Medienkritik

Sonja Ganguin versteht unter Medienkritik folgendes: „Dabei verstehe ich unter Medienkritik das kritische Wahrnehmen, Decodieren, Analysieren, Reflektieren und Beurteilen von Medien, ihren Inhalten, Formaten, Genres und Entwicklungen.“ (Zitat: Niesyto,Rath, Sowa 2006, S. 71) Medienkritisches Handeln verfolgt das Ziel Medien (-entwicklungen, -formaten, -genres und -inhalten) zu bewerten. Dazu benötigt man bestimmte objektive und subjektive Kriterien, die von Normen und Werten einer Person ergeben, weiters benötigt man auch ein medienspezifisches Wissen, dass durch Beobachtungen, Erfahrungen oder theoretischen Explorationen erworben wird.

Medienkritik

Urteilsfähigkeit

Reflexionsfähigkeit

Analysefähigkeit

Decodierungsfähigkeit

Wahrnehmungsfähigkeit

(Zitat: Niesyto,Rath, Sowa 2006, S.73)

Somit kann Medienkritik mit Hilfe folgender Topoi – Wahrnehmungsfähigkeit, Decodierungsfähigkeit, Analysefähigkeit, Reflexionsfähigkeit, Urteilsfähigkeit - definiert werden. Die Wahrnehmungsfähigkeit gilt als Basis des medienkritischen Handelns und ist ausschlaggebend für das Erfahren und Erlernen von Raum und Zeit, der Sinnesempfindung. Der Erwerb von dieser Dimension ist erstrangig und unverzichtbar, denn erst auf ihr können sich die anderen Dimensionen aufbauen und entfalten. Im medienkritischen Sinn bedeutet Wahrnehmungskompetenz nichts anderes als Medien und ihre Strukturen, Inhalte, Gestaltungsformen, Wirkungsmöglichkeiten und Entwicklungen in Raum, Zeit und mit dem gesamten Sinnesapparat zu perzipieren. Die Wahrnehmungsfähigkeit befasst sich vor allem mit Fragen nach der Veränderung unserer Zeitwahrnehmung durch Medien oder die unterschiedliche Sinneswahrnehmung bestimmter Medien und deren Wirkung. Die Decodierungsfähigkeit greift darauf zurück, dass die Mediensprache in einer codierten Form vorliegt und somit vom Rezipienten erstmals decodiert werden muss, um verstanden zu werden. Damit verfolgt die Decodierungsfähigkeit die Deutung und Entschlüsselung medialer Codes und Symbolen. Kulturelles Symbolverständnis sowie Gedächtnisleistungen, ein Erinnerungsvermögen, um Erzählungsstrukturen zu folgen gehört auch dazu. Beachten muss man jedoch noch verschiedene Medien unterschiedliche Decodierungen besitzen, d.h. eine Textdarstellung benötigt eine andere Decodierung als eine bildliche Darstellung. Bei der Analysefähigkeit geht es um die systematische Auflösung unterschiedlicher Medien (-inhalte, -formate und –genres) in einzelne Komponenten. Wenn man Medien analysieren will, bedeutet das erstens, dass man ihre einzelnen Komponenten unterscheiden kann und zweitens das die unterschieden Elementen klassifiziert werden können, um zu einer Ordnung zu gelangen. Die Reflexionsfähigkeit bezieht sich auf einen vergleichenden und prüfenden Denkprozess. Hier soll kritisch die eigene Stellung zu den Medien, die Stellung anderer Menschen zu den Medien, die Stellung der Gesellschaft zu den Medien sowie die Stellung der Medien zu den Medien zu hinterfragen und zu überprüfen. Wichtig ist hierbei auch, dass man sich von der eigenen Meinung distanziert um die Position eines Dritten einnehmen zu können. Medienkritische Reflexion ist dort zu finden, wo man über die eigene Mediennutzung nachdenkt und auch in der Lage ist nach Ergebnissen zu handeln, z.B. ein Medium nicht zu benutzen wenn es mit keinem Gewinn verbunden ist. Die Urteilsfähigkeit ist die letzte Dimension der Medienkritik. Bevor sie erworben wird müssen die vier anderen Fähigkeiten vorhanden sein. Die Urteilsfähigkeit zielt auf eine Beurteilung von Medien – inklusive ihrer Inhalte, Formaten und Genres – ab. Der Bewertungsprozess läuft anhand von objektiven oder subjektiven Kriterien ab. Diese sind zurückzuführen auf individuelle Rezeptionserfahrungen, Bildungsprozesse und Persönlichkeitsstrukturen und auf erworbene Kriterien im Sozialisationsprozess die sich aus den Werten einer Gesellschaft ableiten. (vgl. Niesyto,Rath, Sowa 2006, S. 71-74)

Literaturenangabe:

Niesyto Horst, Rath Matthias, Sowa Hubert (2006): „Medienkritik heute“, Grundlagen, Beispiele und Praxisfelder. München: Kopead-Verlag.