Ethnoportale

Ethnoportale oder auch Migrantenportale genannt, sind interaktive Webplattformen für Angehörige einer ethnischen Minderheitengruppe, im spezielleren die zweite und dritte Generation von MigrantInnen. Ethnoportale sind „eine eigene kulturelle Produktion von und für Migranten […] Sie verbinden Informationen aus dem bzw. über das Herkunftsland mit solchen über die soziale Lage der eigenen ethnischen Gruppe in Deutschland und bieten darüber hinaus ihren Nutzerinnen und Nutzern die Möglichkeit des Austausches und der Vergemeinschaftung an.“ (Androutsopoulos 2005) Der Trend stammt aus der USA, ist mittlerweile auch in Deutschland vertreten. Österreichische Ethnoportale sind uns derzeit keine bekannt. Beispiele für Ethnoportale sind: www.vaybee.com für die türkischstämmige zweite Generation und www.theinder.net für die indischstämmige Generation.

Zur Entstehung

An den Kiosken kann man bereits seit längerem Printmedien in all möglichen Sprachen aus den verschiedensten Nationen erwerben, internationales Fernsehen ist mit Hilfe einer Satellitenschüssel seit einigen Jahren problemlos möglich. Auch das Internet wird immer mehr von Einwanderern genutzt. In den USA konnte man diesen Trend bereits etwas früher erkennen, Plattformen zum Austausch von Immigranten aus China, Indien und auch die der jungen Schwarzen Bevölkerung haben mittlerweile Millionen Mitglieder. Dass es auch im deutschsprachigen Raum das Bedürfnis von Immigranten gibt, sich mit Landsleuten auszutauschen sieht man an den ständig wachsenden Zahlen der Mitglieder der verschiedenen Ethnoportale. Positiv an dieser Entwicklung ist, dass die Nutzer der Ethnoportale, im Gegensatz zu den weiter oben erwähnten Medien, nicht nur passive Nutzer sind, sondern im Austausch mit Gleichgesinnten stehen, und den Inhalt in den Foren maßgeblich mitgestalten. D.h. die User sind durch das Web 2.0 nicht mehr nur Konsumenten, sie haben durch den Austausch zu anderen Usern und die Möglichkeit selber etwas ins Internet zu stellen bzw. hochzuladen und so zu sog. „Produsern“ zu werden, d.h. sie werden vom bloßen Konsumenten zu Produzenten der dargestellten Inhalte.

Funktion

Die Ethnoportale haben in erster Linie eine Orientierungsfunktion. Sie dienen zur Positionierung in der Gesellschaft und geben den Menschen welche sie nutzen, die Möglichkeit sich in einer Gruppe zusammen zu schließen und sich mitzuteilen. Dadurch dass viele Immigranten sich weder als „richtig zugehörig“ zur Kultur des Herkunftslandes (des Betroffenen selber oder auch der Familie), noch zur Kultur in dem der jeweilige lebt fühlt, hat man hier die Möglichkeit sich mit anderen Menschen, die sozusagen „zwischen“ zwei Kulturen leben auszutauschen. Durch das wechselnde Identitätsbefinden aufgrund der Globalisierung, verlieren die nationalen Identitäten immer mehr an Bedeutung, sie wandeln sich hin zu globalen Identitäten (vgl. Hugger 2006) Funktionen sind:

  • Ethnoportale dienen zur Orientierung und Positionierung in der Gesellschaft;
  • Ähnliche Zugehörigkeiten finden und eigenes „Wir“ bilden;
  • Ethnoportal als virtuellen Raum, in dem die MigrantInnen den permanenten Ausgrenzungserfahrungen entfliehen können;
  • MigrantInnen zweiter Generation sind Norm mit ihren mehrfachen natio-ethno-kulturellen Zugehörigkeit
  • Hilft eine Identität aufzubauen und Identitätsprobleme zu lösen;
  • Jugendliche bekommen auch Anerkennung von Gleichgesinnten; z.B. als Ratgeber.

Ethnoportale können bei der Identitätsbildung und vor allem bei der Positionierung in der Gesellschaft helfen, da durch den Austausch mit anderen die Jugendlichen selbstbewusster werden und vor allem lernen mit ihrer Mehrfachzugehörigkeit in einer Gesellschaft, die diese nicht anerkennt, umzugehen. Dies hilft stark bei der Integration. Doch nützt es nichts, wenn die Migranten und Migrantinnen lernen mit natio-ethno-kulturellen Mehrfachzugehörigkeiten umzugehen, denn auch die Mehrheitsgesellschaft muss Multikulturelle Hintergründe anerkennen.

Quellenangabe:

ANDROUTSOPOULOS, Jannis: Virtuelle Öffentlichkeiten von Migranten. In: Jahrbuch für Kulturpolitik 5/2005, URL, http://www.archetype.de/texte/2005/JfK-2005.pdf (abgerufen am: 5.2.2009)

HUGGER, Kai-Uwe http://www.ganztaegig-lernen.org/www/web498.aspx letzter Zugriff: 27.02.2009 11:54 zuletzt verändert: 12.11.2006

Weiterführende Literatur:

DAYIOGLU-YÜCEL, Yasemin: Von der Gastarbeit zur Identitätsarbeit: Integritätsverhandlungen in Türkisch-deutschen Texten von Şenocak, Özdamar, Ağaoğlu und der online-community Vaybee! Universitätsverlag Göttingen, 2005

GOEL, Urmila: „The virtual second generation - An own space on the internet“, In: Voll, K. und Do. Beierlein (Hrsg.): Rising India - Europe's Partner? Weißensee Verlag, Berlin, 2006

HUGGER, Kai-Uwe: Verortung der Ortlosigkeit. In: Villányi, D., M. D. Witte und U. Sanders (Hrsg.): Globale Jugend und Jugendkulturen. Juventa Verlag, Weinheim und München, 2007

MECHERIL, Paul: Einführung in die Migrationspädagogik. Beltz, Weinheim, 2004

Weiterführende Links: