Projekt: Ein Wiki über „Sport und Co“
Die Adresse des Wikis findet ihr unter: http://sportundco.wetpaint.com
Das Wiki wurde von einer Schülergruppe von 10 Schülern einer 4. Klasse Hauptschule erstellt. Diese arbeiteten an diesem Projekt hauptsächlich im Rahmen des Informatikunterrichts (im Ausmaß von 2 Stunden pro Schulwoche). Da ich (Ildiko Kuprian) nun wieder als Lehrerin arbeite, habe ich so die Möglichkeit, das Gelernte des Seminars „Web 2.0 für PädagogInnen“ in der Praxis umzusetzen, was ich mit diesem Projekt versuche. Dabei begleitet mich unsere Studienkollegin, Alexandra Baldemaier.
Das Projekt ist (nach einer Laufzeit von 2 1/2 Monaten) abgeschlossen und hat mich in vielerlei Hinsicht sehr überrascht. Für die Schüler war es sehr einfach , mit den Werkzeugen des Wikis (informationtechnologisch gesehen) umzugehen. Sie waren bereits nach der ersten Doppelstunde fähig, Seiten anzulegen und zu gestalten, Links einzubauen und den Texten auch Bilder hinzuzufügen. Sie versahen teilweise ihre Beiträge von zu Hause aus auch mit Videos von YouTube (dieses ist im Schulnetz gesperrt). Das brachte mich rasch zum Problem des Urheberrechts, dem ich in einer nachfolgenden Doppelstunde viel Raum gab (und immer wieder daran erinnern musste). Dabei sprach ich ausführlich mit den Schülern über verschiedene Arten des Urheberrechts und auch darüber, dass nicht immer klar erkennbar ist, ob ein Bild/Video/Tonaufzeichnung verwendet werden darf. Die Schüler selbst fanden dazu ebenfalls noch interessante Aspekte heraus. In weiterer Folge waren manche so motiviert, dass sie immer wieder von zu Hause aus Beiträge schrieben, umgestalteten oder wieder etwas löschten. Ich fand diese Entwicklung toll und war (positiv) überaus überrascht(zumal manche der Schüler als „Schulverweigerer“ galten).
In einem weiteren Schritt versuchte ich, die soziale Komponente der gemeinsamen Zusammenarbeit stärker mit einzubeziehen. Ich fing damit an, die Beiträge der Schüler mit Kommentaren zu versehen und forderte von ihnen in der Folge ebenfalls eine Kommentierung der Beiträge ihrer Mitschüler ein. Auch hier entwickelte sich rasch eine Eigendynamik und manche der Schüler kommentierten fast ebenso fleißig die Beiträge ihrer Mitschüler wie ich. Schön zu sehen war es auch, dass viele Kommentare konstruktiv zum Entwicklungsprozess des Wikis beitrugen. Jene Schüler, denen Vorschläge unterbreitet wurden, konnten diese auch annehmen und in der weiteren Bearbeitung der Seiten berücksichtigen, weil diese wertschätzend formuliert waren. Abwertungen eines Beitrags durch die Mitschüler gab es (fast) keine.
Aus medienpädagogischer Sicht war dieses Projekt ebenfalls sehr spannend - es stellten sich mir Fragen wie beispielsweise „Wie weit greife ich in die Beiträge ein, korrigiere sie oder „zensiere“ sie?“ Dabei entschieden wir, dass die Schüler freie Hand in der Wahl und Gestaltung ihrer Beiträge haben sollen, diese aber durch die Kommentare eine kritische Auseinandersetzung erfahren müssten. Ein Thema, das ich sehr ausführlich besprach, war der Inhalt von Videos aus der Rapper-Szene, deren Texte oft sexistisch und gewaltverherrlichend sind. In einer der Stunden führte ich eine sehr spannende, konstruktive Diskussion mit den Schülern über dieses Thema. Einer meiner Schüler sagte am Ende der Stunde: „Ich habe mir eigentlich nie überlegt, was die Texte in den Liedern wirklich aussagen, ich fand sie einfach nur cool.“
Alexandra kam einmal eine Stunde lang an die Schule, um den Schülern persönlich ihr Feedback zu geben. Dieses Erlebnis machte den Schülern sehr deutlich, dass ihre Arbeit nicht (wie gewöhnlich) in den Schulmauern bleibt, sondern allen Menschen (außerhalb der Schule) zugänglich ist. Nach diesem Treffen konnte ich einen enormen Motivationsschub feststellen, der dann aber wieder abflachte. Der von mir gewünschte „Feinschliff“ an den Seiten fiel den Schülern zum Teil sehr schwer, für ihr Empfinden war es nicht notwendig, eine Seite nochmals durchzulesen und zu verbessern. Nachdem aber so viele Rückmeldungen von außerhalb an sie herangetragen wurden, war ihnen klar, dass sich doch noch kleine Verbesserungsarbeiten durchführen wollten. Doch danach beendete ich das Projekt, da ich das Gefühl hatte, dass die „Luft draußen“ ist.
Zusammenfassend kann ich sagen, dass ein Projekt dieser Art sich sehr gut für den Informatikunterricht eignet, sehr spannend ist, aber auch begleitet gehört (zumindest bei Schülern dieser Altersgruppe). Ich glaube, dass es ein guter Weg war, die Inhalte und Ideen der Schüler nicht zu reglementieren, sondern ihnen freie Hand zu lassen, aber ihnen laufend ein Feedback zu geben. Die Schüler erhalten dadurch, so wie in diesem Fall, eine kritische Perspektive, es wird ihnen ermöglicht auch ein anderes Normen- und Wertesystem kennen zu lernen, ohne deren eigene Kreativität einzuschränken oder deren Vorbilder zu verurteilen.