Von Medien transportiertes Schönheitsideal
1. Allgemeines
Das gesellschaftliche Ideal hinsichtlich Figur hat sich immer mehr in Richtung einer extremen Schlankheit gewandelt. Die Medien, die gesamte Werbebranche und natürlich die Modebranche setzen auf schlanke, junge groß gewachsene Frauen und Mädchen. Jung, attraktiv, schlank, erfolgreich, sportlich, immer aktiv und immer in Topform (psychisch und körperlich) zu sein wird gleichgesetzt mit Glücklich-Sein. Vor allem in den westlichen Industrieländern ist die Tendenz, dem aktuellen Schönheitsideal zu folgen sehr groß.1)
2. Historisches
Das Schönheitsideal war immer jeweils von Kultur zu Kultur verschieden. Was für die einen als schön galt, war für die anderen vielleicht sogar verachtet worden.
In der Antike, zum Beispiel, wurde Dicksein von den Spartanern verachtet und bestraft. Im Mittelalter hingegen war die Einstellung zum Körpergewicht konträr: Auf der einen Seite wurde Gefräßigkeit als Sünde angesehen, auf der anderen Seite wurde jemand, der viel zu Essen hatte, als von Gott „begnadet“ angesehen.
Später, im 17. Jahrhundert, herrschte eine allgemein positive Einstellung gegenüber fülligeren, übergewichtigen Menschen. Dies spiegelt sich auch in vielen Skulpturen und Gemälden aus dieser Zeit. Dicke Frauen wurden als fruchtbar und schön angesehen, wobei bei das Bild des übergewichtigen Mannes mit Reichtum und Macht identifiziert wurde.
In den 50er Jahren galt es als schön, rundliche, weibliche Körper zu haben. Man denke zum Beispiel an Marilyn Monroe, die ein weltweites Schönheitsideal war. In den 70er kam dann eine große Wende und ein neues Schönheitsideal entstand. Dabei spielte zu dieser Zeit auch die Medizin eine Rolle. Es gab neue Datenerhebungen aus Amerika, die die Lebenserwartungen bei unterschiedlichen Körpergewicht erfasst haben. Die Modewelt propagierte superdünne kindliche Figuren. Heute, wird die schlanke, jugendlich - sportliche Frau mit schmalen Becken und relativ breiten Schulter als Idealfigurtyp angesehen.2)
3. Wiedersprüchliche Werbung
Auf der einen Seite werden immer perfekte, schlanke, durchtrainierte, gesunde, sexy Körper gezeigt, was ein unrealistisches Bild ist. Für Frauen genauso wie für Männer. Auf der anderen Seite werben diese perfekten Models für sehr fettes, kalorienhaltiges Essen. Und der konsumierende Durchschnittsmensch wird immer dicker Dadurch wird die Schere zwischen Ideal und Wirklichkeit immer größer. Es ist notwendig Diäten, Schönheitsoperationen oder dergleichen zu machen um dem Ideal zu entsprechen. Es wäre also wichtig, eine realistische Bandbreit von Körperformen in der Werbung zu zeigen. Auch Normalgewichtige und Übergewichtige Menschen können glücklich, gesund, erfolgreich, sexy etc. sein. Das wird in der Werbung leider meist nicht berücksichtigt. Darüber hinaus sollte Werbung nicht für Diäten, sondern für gesundes ausgewogenes Essen und regelmäßige Bewegung werben.3)
4. Wissenschaftliche Ergebnisse
4.1. Alain Feingolf
Psychologe Alain Feingolf hat herausgefunden, dass die Zahl der Frauen die mit ihrem Körper unzufrieden sind, in den letzten 50 Jahren drastisch gestiegen ist. Parallel dazu nahmen auch Essstörungen bei Frauen drastisch zu. Er kommt so zum Schluss, dass es in den letzten 50 Jahren offensichtlich immer wichtiger bzw. zwingender geworden ist, sich dem geltenden Schönheitsideal anzupassen.4)
4.2. Studie der Harvard Universität
Ein Beispiel dazu sind die Erkenntnisse im Zusammenhang mit Bulimie auf den Fidschi-Inseln. Auf diesen Inseln gibt es erst seit 1995 einen Fernseher. Nun hat die Harvard Universität herausgefunden, dass die Zahl der Frauen die an Bulimie leiden, seit der Einführung des Fernsehers, um das Fünffache gestiegen ist. Vor dieser Zeit galt es noch als schick und attraktiv, etwas fülliger zu sein, heute hingegen fühlen sich bis 75% der Mädchen zu dick.5)
5. Resumée
Psychologin Ursula Nuber meint, dass wir ohne die Medien, die uns auf der einen Seite zeigen, was als schön gilt und auf der anderen Seite uns auch darüber informieren, welche Methoden es gibt um das Schlankheitsideal zu erreichen, wahrscheinlich viel zufriedener mit unseren Aussehen wären. Sie meint, die Menschen würden sich sonst nicht so viel Gedanken und Sorgen um ihr äußeres Erscheinungsbild machen.
Die Medien zeigen oft „perfekt“ aussehende Frauen, was einen zerstörerischen Effekt auf das Selbstbild junger Frauen hat. Die angeblich gut aussehenden Frauen in den Medien werden für ihre Auftritte aber stundenlang geschminkt und frisiert, müssen weniger essen oder hungern, um dem Ideal zu entsprechen. Auch wenn Mädchen und Frauen das vielleicht wissen dass dieses Idealbild nicht der Realität entspricht, können sie sich dem Wunsch, diesem Bild nachzueifern, nur schwer entziehen. Zusätzlich wird in Frauenzeitschriften für Diäten aller Art geworben. Gerade im Teenageralter, wo die Äußerlichkeiten eine große Rolle spielen, lassen sie sich leicht verlocken. Im Glauben, zu dick zu sein haben viele Frauen bereits im Teenageralter ihre erste Diäterfahrung gemacht. Und wenn sie dann noch die Bestätigung bekommen, jetzt „besser“ auszusehen, kann das der Einstig in eine Essstörung sein..6)