KULTURPESSIMISTISCHE PERSPEKTIVE DER MEDIEN – NEIL POSTMAN, DAS VERSCHWINDEN DER KINDHEIT
—-
Die vorliegende Arbeit setzt sich mit dem Ansatz der kulturpessimistischen Perspektive im Zusammenhang mit neuen Medien auseinander. Beispielhaft wird dabei auf ein Werk von Neil Postman eingegangen, welches sich unter dem Titel „das Verschwinden der Kindheit“ mit den negativen Einflüssen moderner Medien auf gesellschaftliche Strukturen beschäftigt.
Bevor jedoch auf die wesentlichen inhaltlichen Aspekte dieses Werkes genauer eingegangen wird, ist es mir wichtig einige grundlegende Informationen über den Autor sowie einige andere – für das Verständnis wichtige Grundlagen, auszuführen. Neil Postman, der von 1959 bis 2002 als Professor für Kommunikationswissenschaft und Medien- Ökologie an der New York University lehrte, beschäftigte sich zeitlebens mit unterschiedlichsten Gesichtspunkten der Medienkritik. In seinen Abhandlungen ging Postman dabei insbesondere auf das Medium Fernsehen ein, welches seiner Meinung nach zu starken gesellschaftlichen Veränderungen führt und bisherige Kulturformen- und Techniken sogar „attackiere“. (vgl. Postman, 1993, S.106) In seinem Werk „Das Verschwinden der Kindheit“ thematisiert Postman die gesellschaftliche Entwicklung des Konzeptes Kindheit in westlichen Industriestaaten, und stellt fest, dass dieses im Verschwinden begriffen sei. Als wesentlicher Motor dieser Entwicklung macht er unter anderem moderne Medien wie das Fernsehen mitverantwortlich. (vgl. Postman, 1987, S.8)
Um das Werk Postmans jedoch eingehender verstehen zu können wird sich die vorliegende Arbeit im Folgenden inhaltlich am Aufbau seiner Ausführungen orientieren.
ZU TEIL 1 – DIE ERFINDUNG DER KINDHEIT
Postman führt im ersten Teil seines Buches den Begriff der Kindheit ein. Er skizziert dabei wie die Idee von Kindheit zum Beispiel im antiken Griechenland oder im Römischen Reich verstanden wurde. Darüberhinaus beschreibt er den Wandel, welchem das Konzept der Kindheit im Laufe der Geschichte unterlegen ist sowie welche Einflüsse geschichtliche Wendungen, wie der Zerfall des römischen Reiches mit anschließendem beginnenden Mittelalter, auf das Konzept der Kindheit hatten. „… Erstens, es verschwindet die Fähigkeit zu lesen und zu schreiben, kurz die »Literalität« (literacy). Zweitens, es verschwindet die Erziehung. Drittens es verschwindet das Schamgefühl. Und viertens, infolge der drei anderen Prozesse kommt es zum Erlöschen der Kindheit.“ (Postman, 1987, S. 20)
Hiermit wird ersichtlich, dass die Kulturtechniken des Lesens und Schreibens für Postman unmittelbar mit gesellschaftlichen Konzeptionen wie jener der Kindheit zusammenhängen und diese gar bedingen. Folglich war für Postman die Erfindung des Buchdruckes eine weitere Kehrtwende in der Geschichte der „Idee Kindheit“. Fortan wurde „Erwachsenheit“ mit Literarität in Verbindung gebracht, während die neue Auffassung von Kindheit auf dem „Nichtlesenkönnen“ beruhte. (vgl. Postman, 1987, S.28) Das bemerkenswerte an Postmans Kindheitsbegriff ist die Tatsache, dass er ihn gänzlich ohne Bezugnahme auf den damals aktuellen Forschungsstand bezüglich biologischer oder kognitiver Entwicklung im Kindesalter sondern lediglich auf Aspekte wie Literaritätazität bezog. Dieser etwas einfache Zugang zur Fragestellung inwiefern neue Medien1 Einfluss auf gesellschaftliche Entwicklungen – und im Speziellen auf die Konzeption der Kindheit hat, bildet für Postman die wesentliche Grundlage für seine Theorie vom Verschwinden der Kindheit. Im zweiten Kapitel „Die Druckerpresse und der neue Erwachsene“ beschreibt Postman die gesellschaftspolitischen Veränderungen, welche die Erfindung des Buchdrucks mit sich brachte. In diesem Kapitel berührt er das Thema der Kindheit nur am Rande etwa in jener Hinsicht, dass das Erscheinen von Büchern über Kinderheilkunde2 und gutes Benehmen ein deutlicher Hinweis darauf sei, dass die Vorstellung von Kindheit schon weniger als hundert Jahre nach der Erfindung des Buchdrucks Gestalt angenommen hatte. (vgl. Postman, 1987, S.40) Im dritten Kapitel geht Postman explizit auf die geschichtliche Dimension der „Auferstehung“ des Kindheitskonzeptes im Zuge der Gutenberg`schen Revolution ein – und unterstreicht abermals die Verbindung der Lese- und Schreibfähigkeit mit dem Konzept der Kindheit.
„Wo die Lese- und Schreibfähigkeit allgemein hoch im Kurs stand, gab es Schulen, und wo es Schulen gab, da entfaltete sich die Vorstellung von der Kindheit sehr rasch.“ (Postman, 1987, S.51)
Postmans - von der Literalität des Menschen ausgangnehmende Konzeption von Kindheit, ist auch im vierten Kapitel seines Buches die dominante Prämisse. Er beschreibt im Kapitel „Der Weg der Kindheit“ auch andere Faktoren, welche nachhaltig die Entwicklung der „Idee Kindheit“ wie er sie nennt, beeinflusst haben. Er führt hier unter anderem die Auswirkungen der Industrialisation auf die Kindheit an, beschreibt die Klassenbildung innerhalb verschiedener Gesellschaftsstrukturen Europas und setzt diese Entwicklungen des Weiteren auch in einen Zusammenhang mit damals wichtigen Theoretikern, Philosophen und Wissenschaftern3. Nach Ende des ersten Buchabschnittes lässt sich hiermit ein kurzes Resümee ziehen. Postman geht wie bereits betont von einem sehr einseitigen Kindheitsbegriff aus. Der Begriff der Kindheit wird dabei aber nicht direkt definiert – Postman versucht sich der Thematik vielmehr durch gezielte Attributisierungen mit Begriffen wie der Literarität anzunähern.
„Auch erscheint POSTMANs Schrift weniger als Ergebnis hermeneutischen Strebens nach Verständnis, sondern vielmehr als eine konservative Kampfansage gegen die Gefahr, daß Werte zerbrechen, wenn den Erwachsenen die Grundlage ihres diktatorischen Status entzogen wird: diejenigen zu sein, die mehr Wissen haben als die Kinder, diejenigen zu sein, die etwas können, das die Kinder nicht können: lesen.“ (Heinrich, 1990)
Dass sich Postmans Argumentationslinie im Wesentlichen auf den Aspekt der Literalität stützt, hat zur Auswirkung, dass das Modell auf der einen Seite monokausal- plausibel erscheint, bei näherer Betrachtung und Kritik aber relativ einfach abgeschwächt oder entkräftet werden kann.
ZU TEIL 2 – DAS VERSCHWINDEN DER KINDHEIT
Während Postman im ersten Teil seines Buches im Wesentlichen die Idee der Kindheit, samt ihrer geschichtlichen Entwicklung beschreibt, handelt der zweite Abschnitt seines Werkes vom Verschwinden derselben. Der vorliegende Teil der Arbeit zeichnet wie auch im ersten Abschnitt die wesentlichen Inhalte nach, und versucht diese Skizzierung durch relevante Zitate zu vervollständigen. Postman beginnt im Kapitel „Der Anfang vom Ende“ damit, dass das Konzept der Kindheit mit der Erfindung des Morsens an Bedeutung verloren habe. Er vergleicht diese Erfindung mit Charles Darwins Theorie über den Ursprung der Arten und postuliert, dass Morses Erfindung wesentlich weitreichendere Folgen hatte als die Darwin`schen Erkenntnisse. Ferner führt er aus, dass die Darwinistische Evolutionslehre von jedem Menschen ignoriert werden könne, während es an der elektromagnetischen Kommunikation und den von ihr geschaffenen Verhältnissen kaum ein Vorbeikommen gebe. (vgl. Postman, 1987, S.83) Die Art und Weise wie Postman hier einen Vergleich zieht, sollte meiner Meinung nach etwas differenzierter betrachtet werden, zumal gerade die Darwinistische Evolutionslehre nachhaltig auf unterschiedliche gesellschaftsrelevante Bereiche wie Wissenschaft, Philosophie, aber vor allem auch Theologie Einfluss gehabt hatte, während die von Morse erfundene Technologie bereits wenige Jahre später durch andere, neuere Technologien ersetzt wurde. Postman kritisiert die Veränderung, die die Technologie der Telegraphie mit sich brachte und schreibt dabei sogar von einer Abschaffung von Stil und Individualität in der Kommunikation. (vgl. Postman, 1987, S.84)
Er beschreibt die Auswirkungen dieser neuen Technologie als „Überflutung der Welt mit Informationen“ (Postman, 1987, S.86) und leitet unmittelbar daraus eine große Gefährdung für das Konzept der Kindheit ab. In gewisser Weise sieht Postman vor allem in der Aushölung der (Lese-) Kompetenz, bzw. des Wissensvorsprunges der Erwachsenen gegenüber den Kindern eine Bedrohung, die von „neuen“ Medien wie der Telegraphie4 ausgeht. In weiterer Folge benennt er auch andere Medien5, die in den folgenden Jahrzehnten auf die Telegraphie folgten, und diese nach kurzer Zeit ablösten. In Summe kritisiert Postman diese technische Weiterentwicklung von Kommunikationsmitteln vor allem deshalb, weil dadurch eine Abkehr von einer von traditionellen Werten geprägten Welt zu einer „Symbolwelt“ von sich ging. Er verortet in der „optischen Revolution6“, eine mächtige Bedrohung von Sprache und Literalität und sieht darin den Wandel von einer Welt der Ideen zu einer Welt der Symbole und Bilder. (vgl. Postman, 1987, S.87) Doch worin liegt der eigentliche Grund für Postmans Kritik an der optischen Revolution in Zusammenhang mit dem von ihm betitelten „Verschwinden der Kindheit“? Postman geht mit seinem Kindheitsbegriff wie schon eingangs erwähnt von einer bloßen Idee oder Konzeption von Kindheit aus. Ohne diese Konzeption jedoch eingehend zu beschreiben, stützt sich Postman mit seiner Argumentation auf eine Reihe von Attributen, die er mit Kindheit in Zusammenhang bringt – und die im Zuge des Wandels von prädominanten Schriftmedien hin zu Bildmedien, an Bedeutung zu verlieren scheinen. Gleichzeitig zum Verschwinden des Kindheitskonzeptes betont Postman aber auch immer wieder, dass mit der Einführung der neuen Bildmedien bestehende Hierarchien aufgelöst würden. Er erwähnt dabei unter anderem die Tatsache, dass neue Bildmedien der Informationshierarchie die Grundlage entziehen würden, und dass dadurch in gewisser Weise auch die Trennungslinie zwischen Kindheit und Erwachsenenalter aufgehoben würde. (vgl. Postman, 1987, S.92 ff.)
Postman schlussfolgert, dass das Fernsehen, unterstützt von weiteren elektronischen Medien, die ebenfalls nicht auf dem geschriebenen Wort beruhten, zu ähnlich defizitären Kommunikationsverhältnissen führe, wie sie im 14. und 15. Jahrhundert bestanden hätten. Einer der wesentlichen Kritikpunkte Postmans an den neuen Bildmedien ist die Tatsache, dass diese ohne die ohne Rücksicht auf die oben beschriebenen Hierarchien allen Zusehern den gleichen Informationsstand ermöglichen. Daraus leitet er ab, dass moderne Medien das Bewahren von Geheimnissen unmöglich machten. Ohne Geheimnisse jedoch könne es „so etwas wie Kindheit nicht geben.“ (vgl. Postman, 1987, S.94 f)
POSTMANS MEDIENKRITIK IM DETAIL
Postmans Einstellung gegenüber Medien wurde in den vorangegangenen Kapiteln bereits grob umrissen. Der folgende Teil der Arbeit wird den Aspekt seiner Perspektive der Medienkritik vertiefend ausführen. Postmann hält wie eingangs beschrieben, bereits die Einführung von Kommunikationstechnologien wie jener der Telegraphie für äußerst bedenklich. Im Zuge dessen verwundert es auch nicht weiter, dass er der weiteren technologischen Entwicklung7 scharfe Kritik unterlegt. Der Höhepunkt seiner Medienkritik gilt allerdings dem Medium Fernsehen. Im Kapitel „Medium der totalen Enthüllung“ zeichnet Postman die wichtigsten Charakteristika des Fernsehens als Medium nach und kommt zu dem Schluss, dass Fernsehen als „gegenwartszentriertes“ Medium auf „ständigen Nachschub“ interessanter Informationen angewiesen sei. Da aber nicht ständig die Menge an „fernsehrelevanter Informationen8“ verfügbar ist, die tatsächlich benötigt wird um die Nachfrage der Konsumenten zu stillen, werde eine relativ große Zahl von „Pseudo- Ereignissen“ eigens für das Publikum inszeniert. (vgl. Postman, 1987, S.99)
Neben dieser grundlegenden Kritik an den Inhalten des Fernsehens, zielt Postman insbesondere auf die Tatsache ab, dass das Fernsehen „eine Technologie des freien Eintritts“ (Postman, 1987, S.100) sei, die ohne Rücksicht auf etwaige Parameter9 allen dieselben Inhalte zu teil werden lasse. Dem gegenüber hätten insbesondere das geschriebene Wort, aber auch die gesprochene Sprache deutlich mehr Möglichkeiten bestimmte Inhalte nicht jedem zugänglich zu machen. Er spricht in diesem Zusammenhang unter anderem von Qualifikation im Sinne schulischer Erziehung, die einen erst befähigt bestimmte (geschriebene) Inhalte rezipieren zu können. Postmans zentraler Argumentationsstrang besteht darin, dass erst ein Wissensgefälle zwischen Kindern und Erwachsenen Kindheit als Konzept ermögliche. Jegliches Bestreben, diese hierarchische Struktur abzuflachen, – wertet Postman als Zeichen für den Verlust der Kindheit. Das Charakteristikum, dass Fernsehen - Inhalte ohne merkliche Differenzierung an alle verbreitet,- beschreibt Postman in folgender Art: „Eine besonders deutlich zutage tretende und überall feststellbare Wirkung dieser Situation besteht darin, dass die Exklusivität des Wissens über den Lauf der Welt und damit einer der Hauptunterschiede zwischen Kindheit und Erwachsenenalter getilgt werden. Diese Wirkung beruht auf einem Grundprinzip sozialer Strukturen – eine soziale Gruppe wird zu einem erheblichen Teil durch die Exklusivität des Wissens bestimmt, das ihren Mitgliedern gemeinsam ist.“ (Postman, 1987, S. 100f, Hervorhebung durch mich!)
Da Postman den biologischen Aspekt der Unterscheidbarkeit zwischen Kindheit und Erwachsenenalter völlig außer Acht lässt, und sich in seinen Ausführungen vorwiegend auf den Aspekt der Literarität sowie des „Wissensgefälles“ stützt, lässt sich die von ihm aufgestellte Theorie bis zu einem bestimmten Grade nachvollziehen. Hierzu finden sich auch Paralellen beim deutschen Professor für Sozial und Kulturwissenschaften, Heinz Hengst, welcher in seinem Aufsatz „Zur Verselbstständigung der kommerziellen Kinderkultur“ ebenfalls gewisse Tendenzen der Entkindlichung in modernen- von Konsumzwängen getriebenen Medienkontexten feststellt. (vgl. Hengst, 2002, S. 45 - 51) Im Gegensatz zu Postman wertet Hengst in seinen Ausführungen diese Entwicklung jedoch nicht negativ, und spricht auch nicht unbedingt von einem Verschwinden der Kindheit, sondern beschreibt geänderte gesellschaftliche Bedingungen, denen es sich anzupassen gilt. Weshalb sieht also Postman im Wegfall von Informationshierarchien durch das Fernsehen als derart problematisch? Die Kritik, die Postman dem Medium Fernsehen im Werk „Wir amüsieren uns zu Tode“ gegenüberbringt, ist eine Kritik, die in ihren Grundzügen auf die Trivialisierung der Inhalte abzielt. Der Aspekt der Kindheit sowie das unterschiedliche Informationspotential und seine Implikationen auf gesellschaftliche Strukturen spielen dabei keine Rolle. (vgl. Postman, 1993, z.B. 184ff., 189, 194,…)
Diese von Postmann vertretene Perspektive der Medienkritik des Fernsehens erachte ich persönlich als weitgehend plausibel und in gewisser Weise sogar notwendig und wertvoll, insofern qualitative Aspekte des Fernsehangebotes nicht völlig untergehen sollen. Die Kritik an der Abflachung des Informationsgefälles zwischen Erwachsenen und Kindern durch das Fernsehen ist für mich widerum nicht richtig nachvollziehbar. Auch der eben bereits zitierte Heinz Hengst sieht in diesem Zusammenhang das Erschüttern tradierter Gesellschaftsbilder durch das Medium Fernsehen in einem deutlich positiveren Licht, indem er schreibt: „Kinder, denen nur die Eltern als lebendige Kommunikationspartner zur Verfügung stehen, werden zuerst durch die Massenmedien mit Meinungen bekannt, die denen der Eltern widersprechen. Insofern tragen die Medien zur Erweiterung des Interpretations- und Deutungsspektrums der Kinder bei und erschüttern zusätzlich ehemalige Elternkompetenzen, verringern den Abstand zwischen den Generationen.“ (Hengst H., 1981, 41f.) Postmans Festhalten an der Wissenshierarchie, die sich im Wesentlichen auf eine gewisse Benachteiligung in Bezug auf den Zugang zu Wissen stützt, ist nur ungenügend. Peter Heinrich drückt dies in wenigen Worten, wie mir scheint, sehr treffend aus: „Wird die Möglichkeit, Sachverstand zu erwerben, bewußt für eine Gruppe von Menschen eingeschränkt, dann erinnert dies an die Praktiken totalitärer Systeme. Das Problem ergab sich nicht in einer Zeit, in der der Zugang zu Informationen durch die Notwendigkeit, lesen können zu müssen, beschränkt war. Besteht aber diese Notwendigkeit nicht, dann ist das Nachdenken über eine dann künstliche Beschränkung bemerkenswert und gibt dem Konservatismus Farbe.“ (Heinrich, 1990)
Inwiefern der Beibehaltung alter gesellschaftlicher Schemata durch eine künstlich geschaffene Barriere im Bezug auf den Zugang zu Information eine wichtige Bedeutung zukommt, bzw. inwiefern solche Bemühungen überhaupt sinnvoll und notwendig erscheinen, möchte ich mir im Rahmen dieser Arbeit nicht anmaßen zu beurteilen. Fest steht jedoch, dass Neil Postman in seinem Werk „Das Verschwinden der Kindheit“ mit Hilfe seiner sehr konservativ ausgeprägten Medienkritik versucht, veränderte Bedingungen in unseren westlichen Gesellschaften zu erklären. In einer erstaunend monokausal begründeten Argumentationslinie vertritt er dabei die Auffassung, dass moderne Medien wie das Fernsehen überwiegend daran Schuld tragen, dass wie Hengst es zum Ausdruck bringt „traditionelle Dualismen10“ nach und nach aufgelöst werden, und es damit letzendlich in der Neil Postman eigenen polemischen Ausdrucksweise tatsächlich zum Verlust der Kindheit kommt. Postmans eigenwillige Theorie, gesellschaftliche Veränderungen starr konservativ zu erklären, erscheint mir abschließend als durchaus kritikwürdig. So drängte sich mir bei der Analyse seines Werkes immer wieder der Eindruck auf, dass die unten noch einmal angeführte Quintessenz – verkürzt gedacht – und durch viele weitere Aspekte ergänzt oder gar ersetzt werden könnte. „Im Mittelalter gab es keine »Kinder«, weil auch die Erwachsenen keine Möglichkeit haben, exklusives Wissen zu erlangen. Im Zeitalter Gutenbergs entwickelte sich ein solches Mittel. Im Zeitalter des Fernsehens zerfällt es wieder.“ (Postman, Das Verschwinden der Kindheit, 1987, S. 101)
Fußnoten
1 Allen voran das Fernsehen (welches damals noch ein relativ neues Medium war)
2 Boke of Chyldren von Thomas Phaire 1544 – Werk über Kinderheilkunde
3 Z.B. John Locke, Jaques Rousseau, Mark Twain (Buchautor), Siegmund Freud und andere mehr (vgl. Postman, 1987, S.66ff);
4 Später Fernsehen,…
5 Rotationspresse, Fotokamera, Grammophon, Kino, Radio, Fernsehen (vgl.Postman, 1987, S.86)
6 Von Daniel Boorstin geprägter Begriff, zur Enstehung einer Symbolwelt aus Bildern,Karrikaturen und anderen optischen Kommunikationsträgern;
7 Vor allem im Bereich (audio-) visueller Medien
8 Postman erwähnt hier insbesondere Neuheiten (vgl.S. 99), der Bruch von Tabus (vgl. S.100 ff.)
9 Kognitive, reflexive, ökonomische, noch altersabhängig;
10 Hier Kindheit und Erwachsenenalter – vgl. (Hengst H. , 2002, S.2)
LITERATURVERZEICHNIS
- Heinrich, P. (1990). Heinrichs Seiten. Abgerufen am 22. April 2008 von Gedanken zu Neil Postmans „Das Verschwinden der
Kindheit“: HYPERLINK „http://www.doboz.franken.de/edu/scripts/postman.html%231“
- Hengst, H. (. (1981). Kindheit als Fiktion. Frankfurt am Main: Edition Suhrkamp
- Hengst, H. (15. Februar 2002). Zur Verselbstständigung der kommerziellen Kinderkultur. Televizion , S. 45-51.
- Postman, N. (1987). Das Verschwinden der Kindheit. Frankfurt am Main: S.Fischer Verlags Gmbh.
- Postman, N. (1993). Wir amüsieren uns zu Tode. Urteilsbildung im Zeitalter der Unterhaltungsindustrie.
Frankfurt a. Main: S. Fischer Verlag Gmbh.