Gewalt in Zeichentrickserien

1. Einleitung

Seit der Erfindung des Zeichentricks Anfang des 20. Jahrhunderts wird über Gewalt im Zeichentrickfilm diskutiert. Bereits die Serie „Mickey Mouse“ wurde in ihrer Entstehungszeit von der Öffentlichkeit so lange wegen Gewaltdarstellungen kritisiert, bis die Produzenten schließlich die betreffenden Szenen abschwächten. Heute ist Gewalt ein fixer Bestandteil von vielen Zeichentrickserien, und ihr zugunsten wird häufig der logische Handlungsablauf der Geschichte vernachlässigt. Dabei hat die Anwendung von Gewalt keine realistischen Folgen mehr und wird von sarkastischem Humor begleitet 1). Gewalt in Zeichentrickfilmen wird anhand von folgenden zwei Beispielen veranschaulicht:

2. Beispiele

2.1.Japanische Zeichentrickserien (Anime) und Gewalt

2.1.1. Was sind Anime?

Unter „Anime“ versteht man v. a. im Westen alle in Japan produzierten Animationsfilme 2). Während Zeichentrick in Europa hauptsächlich für Kinder gedacht ist, verarbeiten die japanischen Zeichentrickserien unterschiedlichste Themen für alle Altersstufen. Typische Themen in den Animes sind menschenähnliche Roboter (Mechs), Monster, Samurai, Sagenfiguren, Kampfsport, College-SchülerInnen, Sportmannschaften und Kriminalgeschichten 3). Die in Deutschland und Österreich wohl bekanntesten Animes für Kinder sind „Pókemon“, „Noruto“, „Sailer Moon“ und „Yu-Gi-Oh“. Für Erwachsene gibt es auch Animes, in denen massive Gewalt dargestellt wird und Animes mit pornografischem Inhalt 4).

2.1.2. Anime und Gewalt

Ein zentrales Thema in vielen Animes für Kinder ist der Kampf von Gut gegen Böse und somit die Rettung der Erde und der Menschheit 5). In diesem Zusammenhang ist es sicher legitim, über einen Zusammenhang von Kinder-Animes und Gewalt zu sprechen. Den japanischen Kindern wird mehr Gewalt zugemutet als den Kindern in Europa. So wird in Kinderanimationsserien z. B. spritzendes Blut detailliert dargestellt. Auch sexuelle Anspielungen, bei denen sich die Charaktere manchmal sehr freizügig geben, werden toleriert 6). Da es in Deutschland und Österreich jedoch ein sehr strenges Jugendschutzgesetz gibt, müssen viele japanische Kinderserien noch einmal geschnitten werden. Die Serien werden dann im Kinderprogramm in zensierter Form ausgestrahlt 7). Trotzdem stellen die Animes im deutschen Fernsehen immer noch Gewalt dar. Die Helden benötigen die Gewalt, um ihre Gegner besiegen zu können. Gewalt erzeugt Action. „Die Guten“ bedienen sich nur der Gewalt, um die Angriffe „der Bösen“ abzuwehren und um die Welt zu retten. Gewalt wird also zu etwas Legitimen gemacht, wenn sie dazu benutzt wird, legale Zwecke zu verfolgen 8). Kindern, die täglich ihre Lieblingsserien verfolgen, wird „eine stereotype, von unaufhörlichen Machtkämpfen mit anscheinend legitimen Gewalteinsätzen in Gang gehaltene Serienwelt präsentiert.“ 9) Es gibt jedoch auch PädagogInnen wie etwa Gerard Jones, die Gewalt in den Medien durchaus einen positiven Aspekt abgewinnen können. Für Jones wirken Gewaltdarstellungen reinigend ganz im Sinne einer „Katharsis“, die Kinder können Aggressionen und Emotionen abbauen 10). Auffallend ist jedoch, dass keine Folgen von Gewalt gezeigt werden: Auch sehr brutale Schläge werden nach anfänglich schmerzverzerrtem Gesichtsausdruck unbeschadet überstanden. Wenn ein Held oder einen Heldin stirbt, so laufen oft vor ihrem inneren Auge noch Szenen aus seinem / ihrem Leben ab und die Zuschauer können plötzlich verstehen, warum der Held oder die Heldin sterben mussten, wie „die Guten“ im Film gut und „die Bösen“ böse wurden. Jugendliche hingegen haben auch Zugang zu den Animes für Erwachsene, die meist in der Nacht ausgestrahlt werden. Brutale Darstellungen von Gewalt in einigen Animes sind von vielen PädagogInnen umstritten, da Animes für Erwachsene auch für Jugendliche erreichbar sind 11).

2.2. Itchy und Scratchy

In „den Simpsons“, eine der wohl bekanntesten Zeichentrickserien aus den USA, werden in den verschiedenen Episoden immer wieder Probleme aus der heutigen Gesellschaft thematisiert und in einem humorvollen Rahmen verarbeitet. Auf Gewalt in Kindermedien wird dabei in Form der Zeichentrickserie„Itchy und Scratchy“(entspricht etwa juckend und kratzend) aufmerksam gemacht. Als Parodie an Tom und Jerry wird die Katze „Scratchy“, die im Grunde eigentlich sehr friedliebend ist, von der Maus „Itchy“ verfolgt und gefoltert bis sie stirbt 12). Die Serie wird von allen Kindern in „Springfield“, dem fiktiven Hauptschauplatz der Simpsons geliebt, obwohl natürlich einige Eltern die Brutalität nicht für Kinder geeignet halten. In einer der Episoden kommt es deshalb zum Protest der Eltern gegen Gewalt in der Kinderserie, was dazuführt, dass die Handlungen erstmal verharmlost werden und Itchy und Scratchy lieber Limonade trinken, als sich gegenseitig den Schädel einzuschlagen. Bei den jungen ZuseherInnen führt dies zu Langeweile, denn es wird ihnen nicht mehr das geboten, was sie eigentlich sehen wollen. Es wird also wieder draußen gespielt und das Verhalten der Kinder bessert sich auch tatsächlich. Die Episode endet damit, dass die fiktiven Produzenten von Itchy und Scratchy das alte gewalttätige Konzept wieder einführen und die Einschaltquoten sich beim gewohnten Niveau einpendeln 13). Um den Erfolg der Zeichentrickserie noch besser darzustellen, kommt es im Verlauf der Simpsons –Staffeln zum Bau des Itchy und Scratchy –Lands, dem gewalttätigsten Vergnügungspark der Welt sowie zur Premiere eines Itchy und Scratchy Films in den Kinos von Springfield. Die Werbemaßnahmen dafür fallen nicht weniger gewalttätig aus 14):

Die Autoren der Simpsons zeigen mit dieser gewalttätig dargestellten Katz und Maus - Version auf provokative Weise wie es heute um den Fernsehkonsum von Kindern bestimmt ist und thematisieren dabei auch verschiedenste Themen welche immer in einem Zusammenhang mit der Handlung der Simpsons -Episode stehen.

Die Gewaltdarstellungen in Zeichentrickserien sind mittlerweile zum fixen Bestandteil unserer Fernsehlandschaft geworden, wobei die Fiktionaliät von Zeichentrickserien für Kinder immer auf sicheren Rahmen setzt, da es keine Opfer gibt und die Helden immer siegen, womit der Humor im Vordergrund des Fernsehens steht. Kinder betrachten Zeichentrickserien mit Gewaltdarstellungen immer als fantastisches Spiel, im Gegensatz zu Erwachsenen, die immer eine Realvorstellung der Szenen vor Augen haben 15).

3. Literaturverzeichnis:

  • Jones, Gerard: Kinder brauchen Monster. Berlin 2005.
  • Kössler, Birgit: Reservate kindlicher Gewaltphantasien? (Dipl. Innsbruck). Innsbruck 1998.
  • Paus-Haase, Ingrid: Zur Faszination von Action-Serien und Action-Cartoons für Kindergarten- und Grundschulkinder. Media Perspektiven 1991 / 10, 679. Zitiert nach: Kössler, Birgit: Reservate kindlicher Gewaltphantasien? (Dipl. Innsbruck). Innsbruck 1998.

Internetquellen:

Letzter Zugriff: 03.12.2008

Letzter Zugriff: 14.12.2008

Letzter Zugriff: 14.12.2008

Letzter Zugriff: 03.12.2008

Letzter Zugriff: 11.12.2008

Letzter Zugriff: 17.12. 2008

Bildquellen:

Weiterführende Literatur:

  • Bachmair, Ben: TV-Kids. Ravensburg 1993.
  • Jörg, Sabine: Und es wirkt doch! Zur Diskussion über Medienwirkung – kritische Bilanz und Ausblick. Medien praktisch 1995/4, 38.
  • Kunczik, Michael: Gewalt und Medien. Böhlau 1994.
  • Kunczik, Michael: Gewalt im Fernsehen. Media Perspektiven 1993/3, 98.