Das Symbolische (bei Kersten Reich)

Das Symbolische ist für Kersten Reich, neben dem Imaginären und dem Realen, eine von 3 Ebenen die in seiner Beobachtungstheorie des interaktionistischen Konstruktivismus eine wichtige Rolle spielt. In der Kommunikation zwischen 2 Personen, Sender und Empfänger, oder auch im Selbstgespräch werden Symbole (Wörter, Sätze, Zeichen, Gestik,…) mit einer bestimmten Bedeutung ausgetauscht. Durch diese Symbole können die Menschen miteinander kommunizieren.

Für die Zusammenhänge des Symbolischen, Imaginären und Realen siehe Artikel Symbolisches, Imaginäres und Reales nach Kersten Reich.

Begriffsgeschichte

Das Wort „Symbol“ kommt ursprünglich aus dem Griechischen und bedeutet Sinnbild. Das „Symbol“ steht in der Alltagssprache für etwas, das eine Bedeutung hat, welche durch Beobachter interpretiert wird. Symbole können Zeichen, Regeln, Gesten, Worte, Aussagen,… sein. Der Symbolbegriff, wie ihn auch Kersten Reich verwendet, wurde von Ernst Cassirer 1982 in seinem Werk „Philosophie der Symbolischen Formen“ geprägt. Er fasste den Begriff sehr weitläufig auf und meinte damit eine symbolische Funktion, die es dem Menschen ermöglicht sich eine eigene Welt zu bauen. Cassirers konstruktivistische Sicht besagt, dass der menschliche Geist sich seine Wirklichkeit konstruiert. Der Mensch verwendet dafür verschiedenste Instrumente, wie Religion, Kunst, Wissenschaft,… Dies sind für Cassirer symbolische Formen, welche man nicht direkt wahrnehmen kann, sondern konstruiert sind. Die Sprachphilosophen nennen diese symbolischen Formen „Zeichen“. Für Beobachter sind all diese Zeichen mit Bedeutungen versehen, die interpretiert werden. (vgl. Reich 2002, S. 81ff)

Begriffsklärung nach Reich

Reich interessiert mehr die pädagogische Perspektive des „Symbolischen“. In der Kommunikation, auch zwischen Lehrenden und Lernern, werden Symbole von den Beobachtern benutzt um sich zu verständigen. Dabei werden ebenfalls symbolische Weltbilder und Vor-stellungen übertragen, die zumeist nicht bewusst übermittelt werden. Erst durch einen Beobachter, der diese Symbole abweichend interpretiert, wird erkenntlich, dass es sich hier um Konstrukte handelt, die für jeden etwas anderes bedeuten können. „Wann immer wir als Beobachter Zeichen in Verständigungen benutzen, wird zugleich ein symbolischer Sinn, eine Bedeutung, eine Ordnung oder ein symbolisches Weltbild sichtbar. Mitunter wird es auch verborgen und erst für jenen Beobachter sichtbar, der anders als andere Beobachter konstruiert.“ ( Reich 2002, S.82) Unsere Welt hat einen großen symbolischen Vorrat, den niemand vollständig überblicken kann. Jeder Mensch baut sich seine eigenen Symbole auf, dies nennt Reich Konstruktion, und ebenfalls rekonstruiert er schon vorhandene, von anderen konstruierte Symbole, um dessen Bedeutung zu erkennen. Beides ist für das Leben in einer Gemeinschaft unabdingbar. „Wir brauchen immer symbolische Ordnungen, um überhaupt etwas bezeichnen zu können und uns zu verständigen, aber darin haben wir keine Sicherheit mehr, vollständige oder hinreichende Wahrheit für alle Beobachter zu erzielen.“ (Reich 2002 S.84)

Kommunikationsmodelle

Da Menschen über die Ebene des Symbolischen miteinander kommunizieren, kann es nach Kersten Reich keine direkte Kommunikation geben. Symbole sind Konstrukte, die für jeden eine andere Bedeutung haben. Inhalte können somit nicht direkt ausgetauscht werden, wie bei Maschinen. Menschliche Kommunikation kann nicht auf einen einfachen Input/Output Mechanismus reduziert werden. Einige Philosophen wie George Herbert Mead, Paul Watzlawick und Gregory Bateson haben verschiedene Kommunikationsmodelle aufgestellt, welche sich zu meist auf die Symbolische Ebene, die Sprache (verbal oder non-verbal als Körpersprache) beschränken. Kersten Reich kritisiert dies und stellt anhand dieser Modelle ein eigenes auf, in dem er sich auch auf das Imaginäre bezieht. „[…] das Symbolische ist in menschlicher Kommunikation zwar eine wesentliche Zugangsform, die in der Wissenschaft auch bevorzugte, aber keine ausschließliche. Eine andere Zugangsform ist das Imaginäre.“ (Reich 2002, S.84) Das Symbolische ist auch in George H. Meads Kommunikationsmodell (I, Me und Self) zu finden. Zwischen dem Selbst und dem Anderen kann nicht direkt kommuniziert werden. Das Spannungsverhältnis zwischen Me und I steht zwischen der Kommunikation des Selbst und dem Anderen. Das Me bezieht sich auf vertraute Symbole, Symbolwelten, Sprachmuster und Denkmuster. Das Selbst versucht die Wünsche und Vorstellung des Me und des I zu integrieren. In der Kommunikation, die auf Symbole beruht, spielt auch das Spannungsverhältnis Me und I im Menschen eine wichtige Rolle. „Die symbolische Vermittlung unterliegt neben der Relativierung durch die Interaktion zwischen Subjekten immer auch den dabei zu berücksichtigenden innerpsychischen Spannungen im Subjekt selbst.“ (Reich 2002, S.80) Das Kommunikationsmodell von Watzlawick bzw. Bateson geht nicht auf die innerpsychischen Spannungen ein wie Mead, sondern unterscheidet zwischen einer Inhalts- und Beziehungsebene in der Kommunikation. Man könnte annehmen in diesem Modell gäbe es eine direkte Vermittlung vom Selbst zum Anderen auf der Symbolischen Ebene. Doch Bateson bzw. Watzlawick setzen die Beziehungsebene vor die Inhaltsebene. In der Bezie-hungskommunikation können die Personen über ihre innere Spannung reden. „Insoweit bietet ihre [Bateson/Waztlawicks, Anm.d.Verf.] Auffassung von Metakommunikation (Be-ziehungskommunikation) eine Chance, daß sich Subjekte interaktiv über ihre Beziehung und darin auftauchende Inhalte verständigen können. […] Solche Verständigungsleistun-gen sind besonders für therapeutische Prozesse wesentlich: […]“ (Reich 2002, S.80) Beide Modelle geben unterschiedliche Perspektiven der Beobachtung vor. Einerseits wer-den die inneren psychischen Spannungen beobachtet und andererseits geht es um äußere Spannungen zwischen den Subjekten in der Kommunikation.

Beschränkung in der Pädagogik auf das Symbolische

Jacques Lacan kritisiert, dass die Beobachtungen sich nur auf der symbolischen Ebene befinden. Besonders in der Pädagogik werden oftmals symbolische Eckdaten für die Entwicklung der Kinder bereitgestellt. Wenn sich die Entwicklung nicht so abspielt, wie sie symbolisch vorgeschrieben wird, werden nicht die Konstrukte neu aufgestellt, sondern die Kinder als der Norm abweichend beschrieben. Dies wurde schon so in der „Schwarzen Pädagogik“ praktiziert, die zwar heute stark kritisiert und belächelt wird und dennoch stellen wir gerne Normen und Symbole auf. „Dies liegt generell an der Leistung symbolischer Systeme. Sie haben ihre Stärke darin, daß wir mit ihnen alles machen können, was Sinn, Bedeutung, Kultur usw. erzeugt. Aber wird es immer denjenigen gerecht, die damit «erzeugt» werden? Im Hinblick auf Kinder z.B. kritisiert Lacan vehement alles, was der Erwachsene ihm vom Sinn der Welt zuträgt.“ (Reich 2002, S.84) Die Wissenschaft generell bevorzugt das Symbolische. Sie will das Reale darstellen und erklären können anhand von Symbolen. Die Wirklichkeit selbst aber wird mit Symbolen konstruiert.

Literatur

Kersten Reich (1998): Die Ordnung der Blicke. Band 1: Beobachtung und die Unschärfen der Erkenntnis, Neuwied, Kriftel: Luchterhand.

Reich, Kersten (2002): Systemisch-konstruktivistische Pädagogik. Einführung in Grundlagen einer interaktionistisch-konstruktivistischen Pädagogik. 4. Auflage. Neuwied, Kriftel: Luchterhand.

Weblinks

Reichs Methodenpool: http://www.uni-koeln.de/hf/konstrukt/didaktik/index.html (Stand: 24. November 2008)

Reichs Homepage: http://www.uni-koeln.de/hf/konstrukt/index.html (Stand: 24. Novem-ber 2008)