Das Kommunikationsmodell von Watzlawick bzw. Bateson bei Kersten Reich

Kersten Reich führt in seinem Buch „Systemisch-konstruktivistische Pädagogik“ in das auf Bateson aufbauende Kommunikationsmodell von Watzlawick ein um später darauf zurück zu greifen. Ich werde es im Folgenden kurz erklären. Kommunikation wird nach Watzlawick immer auf einer Inhalts- und einer Beziehungsebene geführt. Die Inhaltsebene meint dabei die Kommunikation über sachlich-inhaltliche Probleme, während die Beziehungsebene sich auf Verhalten, Einstellungen, Erwartungen zwischen Menschen bezieht.

Inhalts- und Beziehungsebene

Die Kommunikation bei Watzlawick findet immer auf einer Inhaltsebene und einer Beziehungsebene statt. Die Inhaltsebene bezeichnet die Kommunikation über sachliche und inhaltliche Probleme, während sich die Beziehungsebene auf Verhalten, Einstellungen und Erwartungen zwischen Menschen bezieht. Auf Beziehungsebene werden Emotionen, die wir dem Gegenüber entgegenbringen, deutlich. Die beiden Ebenen beeinflussen sich gegenseitig. So ist es nicht möglich nur auf einer der beiden Ebenen zu kommunizieren. (vgl. Reich 2000, S. 33)

Kommunikationsmodell

Watzlawick geht vom einfachen Modell einer Kommunikation zwischen zwei Personen aus. In diesem Modell gibt es einen Sender und einen Empfänger. Die Übermittlung der Nachricht kann auf verbalem und/ oder nonverbalem Wege stattfinden. Der Sender hat eine bestimmte Absicht, mit der er die Nachricht losschickt, der Empfänger muss die erhaltene Nachricht deuten. In manchen Fällen stimmen Absicht und Deutung überein. Sehr oft kann es jedoch passieren, dass die beiden nicht übereinstimmen. Dieses Problem wird durch eine Rückmeldung des Empfängers an den Sender gelöst. Die Rückmeldung kann wiederum verbal und/ oder nonverbal erfolgen. Über die Rückmeldung können nun Sender und Empfänger Absicht und Deutung abgleichen. (vgl. Reich 2000, S. 34)

Störungen in der Kommunikation

Die These von Watzlawick ist nun, dass die Beziehungsebene die Kommunikation stärker beeinflusst als die Inhaltsebene. So hat auch die Beziehungsebene einen sehr starken Einfluss auf die Inhaltsebene, während die umgekehrte Beeinflussung ein geringeres Ausmaß annimmt. Watzlawick stützt sich zur Veranschaulichung auf das Bild eines Eisbergs. Der Anteil, der über dem Wasser liegt, entspricht dabei dem der Inhaltsebene, während der Rest des unter Wasser liegenden Eisbergs das Ausmaß der Beziehungsebene verdeutlichen soll. Diese Vorstellung verdeutlicht auch recht klar die Problematik dieser Einteilung für Störungen in der Kommunikation: So wird der Grad der erfolgreichen Kommunikation in drei Fälle unterschieden: Der Idealfall, bei dem sowohl auf inhaltlicher Eben als auch auf Beziehungsebene Übereinstimmung geschaffen werden kann. Der normale Konfliktfall, bei dem es zwar auf inhaltlicher Ebene Konflikte gibt, auf Beziehungsebene aber alles in Ordnung ist. Im dritten Fall, dem Problemfall, herrscht Uneinigkeit auf der Beziehungsebene. Hier verdeutlicht sich nun die Problematik des Eisbergs: Probleme, die durch Uneinigkeit auf Beziehungsebene beruhen, können zu einer Uneinigkeit auf Inhaltsebene führen, obwohl davor einer Einigkeit nichts im Wege gestanden hätte. (vgl. Reich 2000, S. 35)

Konsequenzen für den Pädagogen nach Kersten Reich

Der Pädagoge/ Die Pädagogin muss die drei Ebenen, das Symbolische, Imaginäre und Reale nach Kersten Reich beachten und potentiell entstehende Konfliktfälle immer im Auge behalten. Er verweist darauf, dass „unausgetragene Konflikte, unausgesprochene Störungen und ein wechselseitiger Kampf um Anerkennung bzw. Hierarchien“ (Reich 2000, S. 35) zu den unterschiedlichsten Störungen auf der inhaltlichen Ebene führen können: „der Informationsfluß funktioniert nicht richtig,(…) Arbeitsmoral und –motivation reduzieren sich, inhaltliche Lernprozesse werden insgesamt gestört.“ (Reich 2000, S. 35) Gerade in pädagogischen Verhältnissen, die sich durch Distanz zum Lernenden/ zur Lernenden auszeichnen und sich eher auf die Inhaltsebene also vor allem auf das Symbolische konzentrieren, findet der Pädagoge/ die Pädagogin schwerer Zugang zum Gefühlsleben der Lernenden. Für sie/ ihn stellt sich der Konflikt auf inhaltlicher Ebene dar. Eine Lösung des Problems ist jedoch nur auf Beziehungsebene möglich. So ist es für den Pädagogen/ die Pädagogin nötig, auch zur Gefühlswelt der Lernenden Zugang zu finden. (vgl. Reich 2000, S. 35)

Literatur

Reich, Kersten (2000): Systemisch-konstruktivistische Pädagogik. Einführung in Grundlagen einer interaktionistisch-konstruktivistischen Pädagogik. 3. Auflage. Neuwied, Kriftel: Luchterhand.

Weiterführende Literatur

Watzlawick Paul, u.a. (1985): Menschliche Kommunikation. Bern, u.a.: Huber.