Kommunikationsmodell nach G. H. Mead (bei K. Reich)

George Herbert Mead ist ein amerikanischer Pragmatist und hat mit seinem Kommunikationsmodell den symbolischen Interaktionismus nachhaltig geprägt. Sein Hauptwerk ist „Geist, Identität und Gesellschaft“. In seinem Kommunikationsmodell spricht Mead von einem „I“, „Me“ und „Self“. Diese drei Komponenten bilden die Identität eines Selbst und nehmen Einfluss in der Kommunikation mit anderen.

I, Me, Self

Das „I“ ist das spontane, kreative und egoistische im Menschen. Es ist von Freiheit und eigenen Vorstellungen getrieben. „Die Position des „I“ verweist auf das, was wir als Sub-jekt selbst empfinden, was wir aus einer Position für uns wahrnehmen, wo wir spontan, kreativ, selbstbezogen, egoistisch sein können.“ (Reich 2002, S.78) Das „I“ handelt intuitiv und wird vom „Me“ kontrolliert. Das „Me“ hat die Regeln und Konventionen der Gesell-schaft und der Kultur verinnerlicht. Durch den „Blick des Dritten“ erfährt das „Me“ was sich in unserer Kultur gehört und was nicht. Es lernt durch den Kontakt mit Anderen Regeln und Wertvorstellung der Gesellschaft kennen. Diese Erfahrungen setzen sich im „Me“ ab. „Wir wissen durch Verhaltensrückmeldungen nach und nach, was sich in dieser Kultur gehört und was verpönt ist.“ (Reich 2002, S.78) Zwischen diesen beiden, dem „Me“ und dem „I“, entsteht eine Spannung, ähnlich der zwischen „Über-Ich“ und „Es“ nach dem Modell von Sigmund Freud. Das „I“ will spontan sein, aber das „Me“ beobachtet dies kon-trollierend. Dieses Spannungsverhältnis integriert sich durch den Kontakt zu anderen in einem „Self“. Das „Self“ hat die Aufgabe zwischen diesen beiden Polen zu vermitteln und bildet somit eine Identität. Diese ist nicht statisch, sondern kann sich über die Jahre verändern. Doch bleibt die Identität zumeist grundlegend gleich. Für die Kommunikation ist ein mehr oder weniger stabiles „Self“ von großer Wichtigkeit. „Von Kindheit an entsteht durch das Spannungsverhältnis von »I« und «Me« über den Wechselbezug zu Anderen ein immer wieder veränderliches, aber letztlich doch zunehmend integriertes Bild des eigenen Selbst, das verlässlich genug für Kommunikation ist.“ (Reich 2002, S.77) Als Kinder versuchen wir die Welt aus der Sicht des „I“ zu erkunden, doch die Erwachsenen und Erzieher hoffen auf unser „Me“ und versuchen dieses mit den Wertvorstellung unserer Gesellschaft zu füllen. Diese Sozialisation wirkt sich schlussendlich auf das „Self“ aus, welches somit geformt wird. Das Selbst kann somit nie direkt mit dem Anderen kommunizieren, da das Spannungsverhältnis „I–Me“ dazwischen liegt. Dies ist ebenfalls für Kersten Reichs Begriff des Symbolischen von Bedeutung. Da er ebenfalls besagt, dass nie direkt kommuniziert werden kann, sondern immer nur über die symbolische Ebene, die das „Me“ verinnerlicht hat.

Der Blick des Dritten

Das „Me“ hat den „Blick des Dritten“ in sich verinnerlicht. Dieser Blick beinhaltet die Regeln, Konventionen und Wertvorstellungen unserer Gesellschaft und besagt, was erlaubt und was verboten ist. Jeder Mensch erlernt sein Verhalten durch die Beobachtung des Verhaltens anderer.

Diese Verinnerlichung des „Blick des Dritten“ beginnt schon in der Kindheit. Sobald Kinder aus der Mutter-Kind-Dyade herausgehen, suchen sie bei jeder Tätigkeit den zustimmenden oder ablehnenden Blick der Mutter oder anderer Bezugspersonen, wie Erzie-her/Innen und Lehrer/Innen, der besagt ob das Kind richtig oder falsch handelt. „Wenn ein Subjekt sich mit einem beliebigen Gegenstand beschäftigt, dann hat es von Kindheit an erlernt, sich des Blickes eines Anderen zu versichern, der ihn in dieser Beschäftigung trifft.“ (Reich 2002, S.77f) Im späteren Leben haben wir diesen Blick so sehr verinnerlicht, dass wir keinen realen Blick einer existierenden Person mehr benötigen. Wir wissen, dass es immer einen möglichen Dritten gibt der uns erblickt. Der „Blick des Dritten“ wird zu einem inneren kontrollierenden Blick, der uns stets sagt, wie wir handeln sollen. „Dies ist die wesentliche Voraussetzung dafür, sich selbst aus den Augen eines Anderen zu sehen, also sich überhaupt ein »I« und »Me« unterscheiden zu können.“ (Reich 2002, S.78) Erst dadurch, dass wir den Blick des Anderen kennen, können wir selbst zwischen dem egoistischen, spontanen „I“ und dem kontrollierenden „Me“ unterscheiden. Dieser Blick ist essentiell für die Kommunikation und für die Sozialisationen eines Selbst.

Literatur

Reich, Kersten (2002): Systemisch-konstruktivistische Pädagogik. Einführung in Grund-lagen einer interaktionistisch-konstruktivistischen Pädagogik. 4. Auflage. Neuwied, Krif-tel: Luchterhand.