Beobachter, Teilnehmer, Akteure

Lehrkräfte und Lernende nehmen aus der Sicht der konstruktivistischen Didaktik drei verschiedene Rollen ein: Beobachter, Teilnehmer, Akteure. In diesem Welt-Bild wird die Konstruktion von Wirklichkeiten als komplexer Vorgang anerkannt, der die Beziehungen und Wechselwirkungen zwischen diesen Standpunkten und Rollenbildern in den Prozess integriert.

Beobachter

„Als Beobachter schaue ich auf das, was ich denke und tue.“ (Reich 2006, S. 164) Reich geht davon aus, dass ich mich in eine selbstbeobachtende Position begebe, wenn ich eigene Erwartungen, Ansprüche, Normen andeute und fordere. Diese Position nehme ich ein, sobald ich in Bezug auf andere Beobachter, Teilnehmer oder Akteure bestimmte Normen und Ansprüche diagnostiziere, oder wenn ich mich selbst aus einer scheinbar imaginären Perspektive differenziert betrachte. In der Beobachtung werden nicht nur einzelne Dinge erfasst, sondern die Gesamtheit von Ereignissen. Durch kulturelle und kontextbezogene Beobachtungen finden diese nie beliebig oder von einer Metaperspektive aus statt, obwohl „die Postmoderne durch Pluralität, Wahlmöglichkeiten und Unübersichtlichkeit zu einer Ekstase von Beobachtungsvarianten führt.“ (Reich 2006, S. 165) Reich stellt die Umgestaltung von der Moderne zur Postmoderne in einem Schaubild dar. Er beschreibt hier, dass sich die Beobachter in der Moderne noch sehr an der „Ordnung der Dinge“ (Reich 2006, S. 166) orientierten. Er beschreibt damit die Suche von Gesetzen, welche die Dinge und die Welt darstellen oder in einem gewissen Sinn anschaulich erklären sollten. Die schematische Betrachtungsweise stellt hier ein Risiko dar, da zu wenig über die Art und Weise des Beobachtens und den Einfluss eben dieser Tätigkeit auf das beobachtete Objekt reflektiert wird.

Teilnehmer

Der Beobachter ist bei jeder Beobachtung auch Teilnehmer derselben. Als Teilnehmer sind wir alle von kulturellen Vorurteilen geprägt. Dadurch, dass man dies bewusst in Kauf nimmt, wird das Weltbild begrenzt. Es gibt aber wenigstens einen gemeinsamen Grund oder Boden, der zu einer gewissen Verständigung zwischen den Kommunikationspartnern führen kann. „Es gehört zur postmodernen Lebensweise, unterschiedliche Verständigungen in unterschiedlichen Kontexten zu realisieren.“ (Reich 2006, S. 168) In der Postmoderne gibt es im Gegensatz dazu eine Vielzahl von Welt-Bildern (siehe auch Reich 1998, S. 28-32), in denen wir wandeln. Ohne gemeinsamen Grund kann dies zur Verständnislosigkeit führen. Interessanterweise brauchen wir demokratische Verhältnisse, um die Vielfalt der Welt-Bilder leben zu können und erlebbar zu machen. Der Umgang mit Minderheiten ist hier sicherlich ein interessanter Aspekt. Widersprüchlich dazu ist nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich, dass Universitäts- und Schulleiter nicht Basisdemokratisch gewählt sondern bestimmt werden.

Akteure

In Moderne und Postmoderne wird mit dem Konstrukt der Identität unterschiedlich umgegangen. Während man in der Moderne vernünftig, begründet und wissend rational vorgeht (vgl Reich 2006, S. 171), hat die Postmoderne die Begrenztheit dieser Denke erkannt. Die Gefahren der Moderne sind Fremdzwang in Verbindung mit wenig Freiheit. Im Vergleich dazu kann das postmoderne Paradigma zu Gleichgültigkeit und Freiheit ohne Solidarität führen. Konstruktivistische Pädagogik will und muss damit umgehen. Hauptaugenmerk soll dabei auf die Überprüfung der Einstellungen, gemeinsame Reflexion der Ressourcen oder die Schaffung von Möglichkeiten gelegt werden.

Literaturverzeichnis

Reich, Kersten (2006): Konstruktivistische Didaktik. Lehr- und Studienbuch mit Methodenpool. 3. Auflage. Weinheim: Beltz.