Manipulationen im Wikipedia
Wikipedia ist in den letzten Jahren zu einem der beliebtesten Portale zur Informationssuche im Internet geworden. Im deutschsprachigen Wikipedia gibt es allein 700.000 Artikeln und bietet somit zu beinah allen Bereichen die passenden Informationen. Die Funktionsweise basiert auf dem System, dass jeder Benutzer, auch ohne dass er registiriert ist, Beiträge erfassen bzw. ändern kann.
Jedoch ergibt sich daraus das Hauptproblem: gezielte Fälschungen durch bestimmte Interessensgruppen, um Informationen zu ihren Gunsten zu verändern bzw. manipulieren.
Manipulation zu politischen Zwecken
Zu partei- bzw. wahlkampfpolitischen Zwecken
Bekannt wurde diese Art der Manipulation vor allem während des Wahlkampfes zu den US-KongressWahlen in den USAim Jahr 2006. Seiten der politischen Kontrahenten wurden bewusst mit falschen Angaben gefüttert, um so ein anderes Licht auf diesen zu werfen. So wurde der demokratische Abgeordnete Jim Marshall für seinen Bundesstaat Georgia als „zu liberal“ bezeichnet. Das Brisante daran ist, dass jene Person die Marshall's Biografie manipuliert hat, nun für die republikanische Partei arbeitet.
Wenig überraschend ist, dass die Seite von US-PräsidentGeorge W. Bush die am häufigsten veränderte Seite war.(bis zu zwanzigmal am Tag) So wurde ihm unter anderem eine geistige Behinderung angehängt.
Um dem entgegen zu treten, hat Wikipedia beschlossen, bestimmte Seiten unänderbar zu machen. So können 82 Arktikel (darunter über http://de.wikipedia.org/wiki/Albert_Einstein|Albert Einstein]]) von den Usern nicht mehr geändert bzw. gefälscht werden. Weitere 179 (z.B. über den Islam, Adolf Hitler, George W. Bush) sind semi-geschützt, das heißt, dass diese Seiten nur mehr von registrierten Usern, die länger als 4 Tage bei Wikipedia angemeldet sind, veränderbar sind.
Doch nicht nur in den generell eher agressiv ausgerichteten US-Wahlkämpfen kommt es zur bewussten Manipulation der freien Enzyklopädie, auch in Österreichwurden im Nationalratswahlkampf 2006 Fälle dieser Art bekannt:
Bereits 2005 gab es Versuche aus der Zentrale der SPÖ, kritische Passagen aus der Biografie vom damaligen Parteivorstand und jetzigen Bundeskanzler Alfred Gusenbauer zu beseitigen: Vor allem störte man sich an dem Satz: „Auch in den auf die Nationalratswahl 2002 folgenden Jahren konnte Gusenbauer nur bedingt positiv auffallen.“ Man wollte diesen streichen, was jedoch misslang. Der Text wurde daher mit dem Satz: „Seit der Nationalratswahl 2002 befindet sich die SPÖ im permanenten Aufwind, hat alle Wahlen gewonnen und liegt konstant in allen Umfragen vor der ÖVP.“ geändert. Man ging sogar soweit, die Artikel über die verstorbenen Parteigranden Otto Bauer und Bruno Kreisky zu verändern.
Jedoch waren die österreichischen Sozialdemokraten nicht die einzigen, die Wikipedia für ihre Zwecke zu missbrauchen versuchten: Während des Präsidentschaftswahlkampfes zwischen Heinz Fischer (SPÖ) und Benita Ferrero-Wallner (ÖVP)2004 wurde von den ÖVP versucht, aus dem Arktikel über Ferrero-Wallner kritische Links verschwinden zu lassen. Fischers Seite wurde der Hinweis „roter Heinzi“ hinzugefügt. Des Weiteren wurde die eigene Parteigeschichte massivst umgetextet und beschönigt.
Zu rechtsradikalen Zwecken
Durch die Anonymität, die Wikipedia bietet, kommt es immer wieder zu rechtsradikalen und nationalsozialistischen Eintragungen bzw. Abänderungen. Dies stellt sicherlich eines der Hauptprobleme in diesem Zusammenhang dar. Hauptsächlich dadurch, dass viele Internet-User, Wikipedia als einzige Quelle zur Informationsrecherche verwenden. Dadurch kann es zu einer sogenannten „Volkspädagogik von Rechts“ kommen.
Aus Zensurgründen
Für die Volksrepublik China ist mit der Verbreitung des Internets auch in ihrem Gebiet ein vollkommen neues Problem entstanden: Die Bevölkerung kann sich probagandafreie und parteineutrale Informationen beschaffen, was vorher vollkommen unmöglich war. Jedoch hat die Kommunistische Partei Chinas schnell darauf reagiert. Sie hat u.a. erreicht, dass in Google, Yahoo und MSN nur die, von der Partei genehmigten, Seiten auffindbar sind. Regierungskritische Domains sind gesperrt worden.(the great firewall of china) Wikipedia geht aber einen anderen Weg und weigert sich bestimmte Artikel für eine chinesiche Version zu sperren. Daher ist es nicht möglich von China aus, Wikipedia aufzurufen, da die KPch Wikipedia als Konsequenz blockiert.
Besonders bedenklich ist, dass das FBI Luftaufnahmen Guantanamo entfernen ließ, um so Hinweise auf ihr brutales Vorgehen dort zu verschleiern.
Manipulationen durch Unternehmen und Konzerne
So wie die Politik verändern bzw. manipulieren auch Unternehmen und Konzerne Wikipedia zu ihren Gunsten, um ihr Image aufzupolieren und ihre Produkte bestmöglichst darzustellen. Absätze oder Hinweise, die ein falsches Bild werfen, werden kurzer Hand gelöscht:
- Ein Mitarbeiter von Pepsi entfernte einen Absatz, der auf gesundheitsschädliche Auswirkungen des Getränks hinwies.
- Im Artikel über Exxon wurde die Auflistung der Folgen des Exxon-Valdez Unglücks in [[http://de.wikipedia.org/wiki/Alaska|Alaska durch die Behauptung, dass es keine Langzeitschäden gegeben hätte, ersetzt.
- Ausgehend von der BBC wurde der Artikel „Kritik an der BBC“ abgeändert und entschärft.
- Der Pharmahersteller AstraZeneca hat einen Beitrag über das Neuroleptikum Seroquel dahin gehend verändert, dass Hinweise auf das mögliche Auftreten von Selbstverletzungs- oder Selbstmordgedanken bei Jugendlichen im Beitrag entfernt wurden.
- WalMart entfernte die Behauptung, dass Angestellte deutlich unter dem handelüblichen Niveau verdienen
- …
Der Wikiscanner
Alle diese oben erwähnten Fälschungen und Manipulationen wurden durch das, vom US-Student Virgill Griffith entwickelte, Programm Wikiscanner enthüllt: Es macht die Beiträge aller nicht angemeldeter User durchsuchbar und fasst Beitäge von verschiedenen IPs zusammen. Darüber hinaus kann nach Namen von Unternehmen und anderen Organisationen gesucht werden.
Verfasst von:
Nina Eder-Haslehner, Martikel-Nr.: 0615480, Studienkennzahl C300






